Der Graf ist vielleicht kein komplett Blaublütiger. Aber wenn doch: Ob er von höherem oder eher niedrigerem Adel ist, weiß man nicht so recht. Das könnte an seiner Herkunft liegen. Der Graf ist aus Rumänien, und seine exakte Abstammung schwer zu bestimmen. Denn der Graf ist ein waschechter Straßenhund. Also nix mit reinrassigem Zuchtnachweis.

Hechingen/Burg Hohenzollern

Der muntere Mittelgroße ist einer von denen, die man an diesem Samstag und Sonntag beim Tag der offenen Tür der Villa Hundebunt zahlreich schauen kann. Des Grafen Aufenthalt in Gruol war ein eher kurzer. Seit über drei Jahren schon ist er allerfeinst untergekommen in einem Menschenrudel, das in einem Haigerlocher Nachbarstadtteil wohnt. So supergut, wie er es nach seinem schrecklichen Vorleben jetzt hat, das wünscht man allen seiner Kolleginnen und Kollegen, die in der Villa an der Stunzach unterkommen und weitervermittelt werden. Wie erfolgreich dies die Hundebuntler machen, das erfährt man am Wochenende aus erster Hand.

Kein Hundeparadies

Rumänien ist nicht unbedingt ein Paradies für Hunde. Gerade deshalb, weil es dort haufenweise davon gibt. Sie werden ausgesetzt, vermehren sich eifrig und leben auf der Straße. Mehr sehr schlecht als recht. Unser Graf wurde von einheimischen Tierschützern aufgelesen. Er war heftig abgemagert – und verletzt. Ein Nylonstrick war an seinem Hals eingewachsen. Der Gute hatte verzweifelt versucht, sich zu befreien. Das Ergebnis war eine klaffende Wunde. Die Tierschützer erlösten ihn und brachten ihn zum Tierarzt. Er wurde medizinisch versorgt und wieder aufgepäppelt, bis die Wunde verheilt war. Der Graf wurde geimpft, entwurmt, gechipt und mit einem EU-Heimtierausweis ausgestattet.

Spenden für den Transport

Die Hundekümmerer starteten dann wie immer eine Vermittlungsaktion außer Landes, weil die Aussichten dafür in Rumänien bei null sind. Sie kooperieren mit deutschen Tierschutzvereinen – und da kommt Gruol ins Spiel! Der Hundebunt-Verein unter dem Vorsitz von Nadine Klaus und Bianca Burger ist die tierische Kontaktbörse für Vierbeiner und „Menschen mit Herz und Verstand“, wie der Leitspruch lautet. Der Verein bekam eine Anfrage, ob man den Tiefschwarzen mit weißen Einsprengseln aufnehmen kann. Man konnte. Unterstützer der Villa Hundebunt wurden nun aktiv. Sie spendeten Geld, um die Transportkosten aufzubringen.
So kam der rumänische Graf im Mai 2019 ins hohenzollerische Unterland. Dort wurde er ins Hunderudel integriert und ins Training mit eingebunden. Training? In der Villa Hundebunt läuft es streng nach Regeln ab: Die Hunde werden erst dann vermittelt, wenn Nadine Klaus und ihr Team sie umfassend kennengelernt haben und ihren Charakter und ihr Wesen beurteilen können. Im Verein werden die Tiere artgerecht in der Gruppe gehalten und individuell behandelt, um sie familientauglich zu machen.

Es muss passen!

Ist ein Hund so weit, wird er zur Vermittlung freigegeben. Ganz wichtig: Die Hundebunt-Leute schauen genau darauf, ob es passt, oder es eventuell nicht passen könnte!
Der Graf hatte seine Präsentation beim Tag der offenen Tür 2019. Seine heutigen Besitzer müssen sich schnell in ihn verguckt haben. Aber so flott geht es nicht bei der Villa: Erst müssen sich Hund und Mensch beschnuppern. Das heißt, dass man mehrmals nach Gruol kommt und mit dem Hund einige Runden dreht. Erst, wenn die Chemie wirklich stimmt, steht einer Adoption nichts mehr im Wege.

Vergangenheit abgehakt

Beim Beschnuppern helfen Steckbriefe. Der Graf wurde darin als absoluter Traumhund beschrieben! Und das, so freuen sich seine Besitzer weiterhin, hat sich als umfänglich zutreffend erwiesen. Achtung, jetzt wird geschwärmt: Als er vor drei Jahren eingezogen ist, hat er sich sofort problemlos in sein neues Leben eingepasst. Trotz seiner Vergangenheit als Straßenhund hatte er von Anfang an vollstes Vertrauen zu seinen neuen Menschen. Nur gelegentlich merkt man noch, dass er in seiner Vergangenheit nicht nur Schönes erlebt hat. Da ist zum Beispiel diese seltsame Angst vor Wasserschüsseln. Furcht hat er bevorzugt vor Männern mit Mützen, aber nicht bei allen, und bei Fremden ist er äußerst vorsichtig. Ansonsten hat er das Vertrauen in die Menschen nicht verloren, ganz im Gegenteil.
Und wieso um alles in der Welt ist das rumänische Findelkind nun der Graf?! Seine Retter in der alten Heimat haben ihn „Sampson“ getauft. Das kann man voll in Ordnung finden. Aber seine Herkunft aus der Heimat von Graf Dracula hat ganz laut nach einem Zweitnamen gerufen.

Zwei hundebewegte Tage beim Haldenhof

Wo geht‘s hin? Das Gelände der Villa Hundebunt für die Tage der offenen Tür liegt oberhalb des Haldenhofs in Gruol. Der Weg dorthin ist ausgeschildert.
Viel Information Am Samstag und Sonntag ist allerhand geboten. Es gibt Info- und Verkaufsstände rund um den Hund, die Vermittlungshunde werden vorgestellt und natürlich gibt es Bewirtung. Außerdem kann man sich mit dem Shuttlebus zur Villa Hundebunt innerorts von Gruol fahren lassen und diese besichtigen. 
Alles für den Hund Der Reinerlös der Veranstaltung kommt zu 100 Prozent den vierbeinigen Schützlingen der Villa Hundebunt zugute.
Die Zeiten Die Öffnungszeiten der Tage der offenen Tür beim Haldenhof sind am Samstag, 1. Oktober, von 13 bis 18 Uhr und am Sonntag, 2. Oktober, von 11 bis 17 Uhr.