Bei der Hechinger CDU wirkt die denkwürdige Nominierungsversammlung vom Freitagabend nach. Die Stadtverbandsvorsitzende Melanie Homberger will gleich an diesem Montag von der CDU-Kreisgeschäftsstelle überprüfen lassen, ob Stadtrat Lutz Beck tatsächlich satzungsgemäß für die Gemeinderatswahl nominiert ist. Wie berichtet, hatten ihm die Mitglieder in geheimer Wahl eine Stimmenmehrheit verweigert. Nur zwölf von 29 Stimmberechtigten hatten für ihn gestimmt. Dem standen acht Nein-Stimmen, vier Enthaltungen und fünf ungültige Stimmen gegenüber.
Melanie Homberger hatte bei der Bekanntgabe des Wahlergebnisses zunächst verkündet, Lutz Beck werde ohne absolute Stimmenmehrheit nicht auf der CDU-Liste für die Hechinger Gemeinderatswahl erscheinen. Kurz darauf war sie aber von anderen Vorstandsmitgliedern eines vermeintlich Besseren belehrt worden. Verkündet wurde: Beck sei doch gewählt. Es gebe keine Mindeststimmenzahl, so lange noch freie Plätze auf der Liste seien. Es blieb jedoch der Eindruck von Verwirrung und Unsicherheit hängen. Auch der stellvertretende Kreisvorsitzende Joachim Rebholz, der bei der Sitzung anwesend war, konnte nicht für hinreichende Klarheit sorgen. Und mit größtmöglicher Ungewissheit geht das Thema auch in die neue Woche.
Lutz Beck seinerseits hat am Sonntag gegenüber der HZ seinen Entschluss bekräftigt, als Reaktion auf sein Abstimmungsdebakel aus der CDU auszutreten: „Die kriegen gleich morgen die Kündigung von mir.“ Was sich am Freitagabend im Feuerwehrhaus abgespielt habe, sieht er als „Armutszeugnis“. Er sei seit 15 Jahren Stadtrat und habe sich dabei immer als „Bürgervertreter“ verstanden, „nicht als Leibeigener einer Fraktion“. Da lasse er sich nicht „von denen, die nichts tun, wie einen Bittsteller hinstellen“. Unabhängig von seinem angekündigten Austritt aus der Partei hält Lutz Beck an seiner Absicht fest, auf der CDU-Liste für den Gemeinderat zu kandidieren (wenn seine Nominierung denn bestätigt wird). Viele Hechinger Bürger hätten ihn gebeten: „Hör bitte nicht auf!“ Denen fühle er sich verpflichtet – und nicht der CDU.
Für die Christdemokraten war der 53-Jährige in der Vergangenheit ein treuer Stimmenbringer. Bei der Wahl 2014 erhielt Lutz Beck 3003 Stimmen und damit die zweitmeisten auf der CDU-Liste nach Dr. Lorenz Welte (4196).
Sein Problem in der CDU sieht Beck darin, „dass mich einige Leute nicht mögen“. Er sei ein „ehrlicher Mensch, der direkt und gradraus ist. Und das vertragen viele nicht“.
Manche seiner (Noch-)Parteifreunde vertragen auch nicht, dass er bei der Nominierungsversammlung am Freitagabend als „krank“ entschuldigt und dann am Samstag auf Skiausfahrt war.
Die Stadtverbandsvorsitzende Melanie Homberger würde das zerschlagene Porzellan gerne kitten: „Ich will versuchen, Gespräche zu führen. Mir persönlich tut es leid, wie es gelaufen ist.“ Sie zeigt freilich auch Verständnis für die Beck-Kritiker: „Die Fraktionskollegen ärgert, dass er oft nicht an Sitzungen teilnimmt. Das wird als mangelnde Kollegialität empfunden.“
Um Fraktionszwang oder abweichende Meinungen gehe es dabei ausdrücklich nicht. „Das“, so Homberger, „war bei der CDU noch nie ein Problem. Das hat die Tiefgaragendebatte gezeigt.“

Nachträge zum Freitagabend bei der CDU

Dominic Franzmayr aus Stetten kandidiert ebenfalls für den Gemeinderat. Sein Name hatte auf der Liste der 25 CDU-Kandidaten in der HZ vom Samstag gefehlt.
Als Kreistagskandidaten nominierte die CDU in dieser Reihenfolge: Philipp Hahn (mit allen 28 Stimmen), Dr. Regina Heneka (28), Bernd Ling (25), Ingrid Riester (25) und Dr. Lorenz Welte (28).
Die Kandidatensuche der CDU für den Gemeinderat läuft weiter. Auf der Liste sind noch ein paar Plätze frei, und es soll auf jeden Fall eine Nach­nominierung geben. hy