Der Verein für gemeindenahe Psychiatrie im Zollernalbkreis hatte am Mittwoch zu einem Tag der offenen Tür an seinen neuen Treffpunkt an den Obertorplatz geladen. Eingerichtet hat er sich in den vormaligen Räumen der Tagesstätte der Lebenshilfe, die sich ihrerseits am neuen Standort des Gemeindepsychiatrischen Zentrums in der Martinstraße niedergelassen hat.
Willkommen geheißen wurden die Gäste, unter ihnen Hechingens Bürgermeister Philipp Hahn und Wolfgang Markowis (ehemaliger Geschäftsführer des Vereins für gemeindenahe Psychiatrie), von Geschäftsführerin Dr. Marlene Klingspiegl sowie deren Assistentin und Stellvertreterin Stefanie Balbach. Freuen durften sich die Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlerin Klingspiegl sowie die Sozialarbeiterin Balbach und ihr Team an diesem so besonderen Tag über 1000 Euro für die Arbeit ihres Vereins – mitgebracht von Hechingens Stadtoberhaupt!
Der neue Treffpunkt am Obertorplatz hat künftig von Montag bis Freitag von 12 bis 14 Uhr geöffnet. Das Angebot: Eine offene Beratung, ohne Termin, für jeden, der Hilfe und Rat benötigt. Also nicht nur für Klienten. „Niederschwellig“ verstehen Marlene Klingspiegl und Stefanie Balbach ihr Angebot. An jedem Tag wird eine Fachkraft, in der Summe sind es vier (aus dem Bereich der Heilerziehungspflege, der Heilpädagogik und der Sozialarbeit), vor Ort sein und für Beratungsgespräche zur Verfügung stehen. Zusätzliche Anlaufstelle kann im Notfall die psychiatrische Institutsambulanz in der Martinstraße sein (gegebenenfalls auch die an den beiden weiteren Standorten in Balingen und Ebingen). Der Verein für gemeindenahe Psychiatrie hat das Gebäude am Obertorplatz komplett angemietet. In den oberen Stockwerken werden acht Wohnungen unterhalten; zuhause sind dort sieben Klienten. In der Martinstraße stehen weitere vier Wohnungen für Klienten zur Verfügung.
Bürgermeister Philipp Hahn zeigte sich bei seinem mittwöchlichen Besuch sehr angetan von diesem neuen Beratungsangebot im Herzen der Zollernstadt. Denn auch er hat den Eindruck, dass „die Zahl der Menschen, die Hilfe brauchen, wächst“.
Das sehen die Verantwortlichen ebenso – ohne dabei gleich einen „sozialpsychiatrischen Notstand“ auszumachen. Sehr wohl aber ein großes Problem nennt Geschäftsführerin Marlene Klingspiegl den Mangel an sozialem Wohnungsbau. Vielleicht, so ihre Überlegung, könnte eine (zu gründende) Landesbaugesellschaft hier Abhilfe schaffen. Denn: „Diese Menschen gehören versorgt.“
Das sieht der Hechinger Rathauschef nicht anders und stellte heraus: „Wir sind schon engagiert“ – aber beispielsweise die Kreisbaugenossenschaft sei an erster Stelle ihren Mitgliedern verpflichtet.
Marlene Klingspiegls Angebot, für Kooperationsprojekte offen zu sein, nahm Philipp Hahn gerne auf: „Sollte ein solches anstehen, unterstützen wir sie ganz sicher.“ Aktuell ist dem jedoch nicht so.

Wenn es ohne Hilfe nicht mehr geht

Der sozialpsychiatrische Dienst hat es sich zur Aufgabe gemacht, im Rahmen von Vor-, Nachsorge und Krisenintervention psychisch kranke Menschen und deren Angehörige sozialpsychiatrisch zu begleiten.
Im Angebot stehen Einzel-, Partner und Familiengespräche, die Vermittlung weiterer Hilfen, eine Angehörigenberatung, die Unterstützung bei Schwierigkeiten im Wohn- und Arbeitsbereich, Hilfe im Umgang mit Ämtern und Behörden, Aufklärung über weitere Beratungs- und Hilfsmöglichkeiten wie zum Beispiel die Assistenzleistungen.
Die Beratungen sind im Rahmen der Grundversorgung kostenlos – und unterliegen der Schweigepflicht.