Jürgen Detel und Peter Waltner tragen großformatige Bilder durchs Rathausfoyer, die Erste Beigeordnete Dorothee Müllges gibt wertvolle Tipps fürs Aufhängen, und Bürgermeister Philipp Hahn feilt an seiner Begrüßungsrede. 26 Stunden vor der Eröffnung der neuen Ausstellung in der Rathausgalerie herrscht im Verwaltungssitz der Zollernstadt emsiges Treiben.
Wer da von heute Abend an ausstellt, ist nicht irgendwer, sondern eine besonders interessante neue Mitbürgerin: Khadija Al Ghanem, Bildende Künstlerin und Innenarchitektin aus dem syrischen Aleppo, die seit zwei Jahren in Hechingen lebt und hier schon vielfach von sich reden gemacht hat: als Macherin einer Modenschau im Rahmen der Interkulturelllen Woche, als Ausstellerin im Bildungshaus St. Luzen und als Schauspielerin und Regisseurin eines Monodramas im „Café International“.
Keine Frage: Die Frau, die vor drei Jahren vor dem Bombenhagel in Aleppo floh und mit einem Flüchtlingsboot in ständiger Todesangst in Europa strandete, bevor sie über die damalige Landeserstaufnahmestelle Meßstetten nach Hechingen kam, ist in ihrer neuen Heimat schon bestens integriert. „Ich habe schon viele freundliche Menschen in Hechingen getroffen“, sagt die 32-Jährige. „Ich habe ein neues, schönes Leben in Deutschland.“ Und doch lebt sie in ständiger Unsicherheit, wie lange das so bleibt.
Ihre Kunst hilft ihr, die schrecklichen Erinnerungen an den Krieg zu verarbeiten, mit der Unsicherheit umzugehen, „die große Wunde in meiner Seele zu schließen“, wie sie selber es ausdrückt. „Meine Bilder zeigen viele müde Körper, müde Seelen, traurige Gesichter“, sagt Khadija Al Ghanem. Aber auch die Frauen, die sie zeigt, „versuchen, stark zu sein und von einer schönen Zukunft zu träumen“.
In ihren Bildern versucht Khadija Al Ghanem Menschlichkeit, Freiheit und Frieden als Botschaften zu vermitteln. Zentrales Motiv ihrer aktuellen Ausstellung ist der Würfel. Ihre Erklärung dazu: In Aleppo betreiben die Männer seit 4000 Jahren das Würfeln („Nard“) als Glücksspiel – und überall auf der Welt betreiben die Mächtigen ein seelenloses, zynisches Würfelspiel mit den Menschen. „Das ist es, was mich sehr traurig macht“, sagt die Künstlerin. In ihren Bildern zeigt Khadija Al Ghanem aber auch Frauen, die dem Würfelspiel den Rücken kehren und einen selbstbewussten, optimistischen Blick in die Zukunft richten. So wie die 32-Jährige es selbst tut, wenn auch in ständigem Kampf mit der Verarbeitung der Vergangenheit.
Was sie selbst und ihr Miteinander mit den Hechingern angeht, ist ihr vor allem eines wichtig: „Ich mag nicht Flüchtling genannt werden. Ich habe einen Namen. Ich bin ein Mensch mit zwei Augen, zwei Händen, mit Schmerzen und mit Sehnsüchten.“

Vernissage heute Abend um 18 Uhr

Die Ausstellung in der Rathausgalerie wird heute Abend um 18 Uhr von Bürgermeister Philipp Hahn eröffnet. In das Werk von Khadija Al Ghanem führt Dr. Peter Waltner ein. Den musikalischen Rahmen schaffen Schüler des Gymnasiums und der Realschule.