Wer ist älter? Die Klarinette oder die Flöte? Raphael Schenkel, aus Jungingen stammender Solo-Bassklarinettist der Bremer Philharmoniker, lässt die vor ihm versammelten Sechstklässler seiner alten Schule, des Hechinger Gymnasiums, grübeln. Nach einer kleinen, von Schüchternheit geprägten Denkpause kommt aus der ersten Reihe doch die richtige Antwort: Die Flöte ist älter.

Klar, kennt man ja, schon aus der Antike gibt es Abbildungen von Flöten, ja sogar aus der Eiszeit. Vor wenigen Jahren haben Archäologen in einer Höhle auf der Schwäbischen Alb eine mehr als 35 000 Jahre alte Flöte aus Gänsegeierknochen ausgegraben. Da kann die Klarinette nicht mithalten. Das mit seinen Klappen und Verschlüssen wesentlich differenziertere Instrument ist erst in der Zeit jenes Mannes entstanden, dessen Portrait hinter Raphael Schenkel an der Pinnwand der Aula hängt: Wolfgang Amadeus Mozart.

Unterricht über klassische Musik, ganz lebensnah und ohne Berühungsängste, durchaus auch zum Anfassen und Ausprobieren der mitgebrachten Instrumente – das durften Unterstufenschüler des Gymnasiums am Montag und Dienstag zwei Tage lang erleben. Denn auf Einladung der Schule und ihres Fördervereins eröffneten Raphael Schenkel, das Amaryllis Quartett und diesmal als Gaststar der spanische Flötist Paco Varoch zum wiederholten Male das „Klanglabor“.

Da musizierten die Profis, die Konzerterfahrung aus der ganzen Welt mitbringen, zusammen mit den Fünft- und Sechstklässlern, spielten ihnen kleine Stücke vor und ließen sie Mitklatschen und Mitschnippen, stellten ihnen ihre Instrumente vor und gaben mit gewohnt großem Engagement alles, um den Jugendlichen Lust auf Musik zu machen. „Musik“, sagte Raphael Schenkel, „ist die Universalsprache. Die funktioniert immer, egal in welchem Land ihr seid“.

Am heutigen Mittwoch geht das diesjährige „Klanglabor“ nun in seinen dritten und letzten Tag – und zum Abschluss hat auch die Hechinger Öffentlichkeit etwas davon. Lokalmatador Raphael Schenkel, der Spanier Paco Va­roch und das Amaryllis-Quartett eröffnen am Abend um 20 Uhr in der Alten Synagoge in der Goldschmiedstraße die Tübinger Jazz- und Klassiktage.

Neben dem berühmten Flöten-Quartett von Wolfgang Amadeus Mozart stehen Werke von Heitor Villa-Lobos und Krzysztof Penderecki auf dem Programm.

Das Amaryllis Quartett, bestehend aus Gustav Frielinghaus (Violine), Lena Sandoz (Violine), Tomoko Akasaka (Viola) und Yves Sandoz (Violoncello), gehört zu den interessantesten Streichquartetten seiner Generation. Die vier Musiker gewannen bereits zahlreiche internationale Preise, darunter den ersten Preis bei der 6th International Chamber Music Competition in Melbourne.

Flötist Paco Varoch wurde von Claudio Abbado persönlich zum Lucerne Festival Orchestra und dem Orchestra Mozart eingeladen und ist regelmäßiger Gast im Mahler Chamber Orchestra, dem Orchestre de Paris und dem Chamber Orchestra of Europe.

Raphael Schenkel ist Solo-Bassklarinettist bei den Bremer Philharmonikern und spielt regelmäßig bei renommierten Klangkörpern, unter anderen beim Mahler Chamber Orchestra und dem Lucerne Festival Orchestra.

Info Der Eintritt beträgt 20 Euro, ermäßigt 15 Euro. Schüler und Studierende zahlen zehn Euro. Karten gibt es unter www.reservix.de oder an der Abend­kasse.