Kontrastreich gibt sich der Hechinger Fürstengarten an diesem Morgen. Vor der Villa die Braut im Hochzeitskleid, die frierend auf den Fotografen wartet, ums Eck dick eingepackte Gestalten, die einiges zu bereden haben.

Zweieinhalb Monate ist Ruhe

Die Stadt hat am Freitag einen weiteren Bereich ihres Oberstadtparks zur Neugestaltung nach historischem Vorbild freigegeben. Zumindest nachrichtlich. Losgehen werden die Arbeiten zwischen der mittigen Wegekreuzung und dem Feilbachtal erst im Februar. Bis zum Ende des Monats muss das Gehölz entfernt sein, das laut Pflegeplan herausgehört.

Es wird kräftig gesägt

In diesem dritten Sanierungsabschnitt geht es allerdings nicht nur Büschen und Sträuchern an den Kragen. Es werden auch etliche Bäume gefällt. Landschaftsarchitekt Albrecht Schaal verspricht freilich ein weiteres Mal, dass die Kettensägen mit Verstand eingesetzt werden. Es brauche einen Kompromiss zwischen dem historischen Vorbild und dem Naturschutz. Der Fachmann, der den Park seit seiner Diplomarbeit 1988 begleitet: „Es wird gerodet, aber sehr, sehr vorsichtig und nicht zu viel.“ Franz Josef Heukamp, der für die Freunde des Fürstengartens an der Begehung teilnahm, hatte die Ohren ganz weit offen.

Spannende Mischung

Wie in den beiden Bauabschnitten an der Zollernstraße zuvor, wird nicht nur entfernt, es wird auch fleißig nachgepflanzt. Bei den Bäumen soll es wieder die spannende Mischung eines Englischen Gartens geben mit Sorten, von denen nur die Fachleute die Namen kennen. Die aktuelle Monokultur aus Eschen und Ahorn hat dann immer mehr ein Ende.

Wie die Fürsten

Im Mittelpunkt stehen in diesem Bauabschnitt die Verbindungen. Das sind einerseits die zahlreichen schmalen Pfade, auf denen einst Fürstens lustwandelten, die aber längst zugewachsen sind und nun neu angelegt werden. Und das ist andererseits und vor allem die Hainbuchenhecke als Querverbindung vom Weißen Häusle bis fast ans westliche Ende des Areals. Dieser sogenannte Schattengang wird zwei Meter breit und hoch werden, also nicht mehr für Fahrzeuge passen. Aus Kostengründen wurde dieses Einzelvorhaben letztes Jahr nochmal geschoben. 

Man nimmt noch gerne

Die Finanzierung, so betonte Verwaltungschef Philipp Hahn bei der Begehung, ist gesichert. Allerdings ist man bei der Stadt emsig dabei, weitere Geldquellen sprudeln zu lassen. Das könnten edle Spender und Sponsoren, aber auch das Landesdenkmalamt sein. Mit dem ist Rainer Wiesenberger im Gespräch und, wie sich der Leiter des städtischen Sachgebiets Natur und Forst vorsichtig ausdrückt, „verhalten positiv“ gestimmt. Das Problem, so erläutert Albrecht Schaal, ist, dass die Förderrichtlinien für einen Landschaftspark nicht unbedingt passen. Aber der Fürstengarten soll passend gemacht werden und die „vier W“ erfüllen: Wiesen, Wald, Wege – und Wasser! Letzteres gibt’s als natürliches Vorkommen nicht, aber es ist geplant, die beiden historischen Brunnen wieder zu installieren. Dann kann die Stadt die Hand wohl richtig aufhalten beim Denkmalschutz.

Bitte noch ein Tor

Privates Geld gibt es regelmäßig für den Fürstengarten. Neben diversen Baumspenden steht an erster Stelle ohne Frage die Finanzierung des Villa-Vorplatzes durch den Hechinger Medizintechnik-Pionier Lars Sunnanväder. Rainer Wiesenberger ist beim Fürstengarten sehr kreativ: Er hat im südlichen Bereich ein „Ulmentor“ benannt – ermöglicht durch eine Spende der Fürstengartenfreunde. Wenn das nicht Nachahmer animiert! 

Schlechte Aussichten für Kauf der Villa Silberburg

Ärgernis Den Fürstengarten voll umfänglich neu zu gestalten, das scheitert an der eingezäunten Villa Silberburg im südlichen Bereich des Areals. Bürgermeister Hahn hat das Interesse der Stadt am Kauf ein weiteres Mal bekräftigt. Aber das Sigmaringer Fürstenhaus will partout nicht verkaufen. Die nächsten fünf Jahre gehe bestimmt nichts, prophezeit das Stadtoberhaupt. Ärgerlich ist das nicht allein für den Park, sondern auch fürs Gebäude. Das drohe zu verfallen, schimpfte Franz Josef Heukamp.