Die jüngste Bluttransfusion liegt erst einen Tag zurück, entsprechend ordentlich geht es Uwe Kahles. Der 58-Jährige hat Leukämie und benötigt dringend eine Stammzellenspende (wir berichteten bereits mehrfach). Doch wie steht es tatsächlich um den gebürtigen Hechinger – und wie lebt er mit seiner schweren Erkrankung? Die HZ hat ihn und dessen Frau Sabine besucht.
Uwe Kahles macht äußerlich einen entspannten Eindruck. Endlich mal wieder gut geschlafen habe er, nachdem er tags zuvor in Tübingen seine jüngste Bluttransfusion bekommen habe. Alle 14 Tage (das nächste Mal direkt nach den Weihnachtsfeiertagen am 27. Dezember) wird dem 58-Jährigen ein Liter frisches Blut durch die Venen gepumpt.

Der Krebs frisst die roten Blutkörperchen

Und das ist dringend nötig, weil ihm der Krebs die roten Blutkörperchen „wegfrisst“, die wiederum für einen ausgeglichenen Sauerstoffhaushalt des Körpers sorgen.
Die ersten sieben, acht, neun Tage nach der Transfusion fühle er sich relativ gut, sagt Uwe Kahles. Er habe ausreichend Luft zum Atmen und fühle sich nicht gar so schlapp. Die verbleibenden Tage bis zur nächsten Blutauffrischung aber seien geprägt von Kurzatmigkeit, ja Atemnot, und von großer Müdigkeit. Gut schlafen könne er deshalb aber nicht. Weil sich das viel zitierte Hamsterrad anwerfe, kaum dass er sich zur Ruhe niederlege.

„Nein, ich bin nicht depressiv“

Trotzdem, stellt der Hechinger klar: „Nein, ich bin nicht depressiv.“ Zwar habe er natürlich auch schlechte Tage, doch gelinge es ihm stets, mit der Unterstützung seiner Frau, sich schnell wieder aus dem Loch zu ziehen. Und wenn er krankheitsbedingt auch nicht arbeiten könne, so habe er sich doch gut im Griff – einfach im Bett liegen zu bleiben, das sei für ihn keine Option.
Ganz im Gegenteil: Er ist derjenige, der morgens aufsteht, um erstmal Frühstück für seine Frau und sich zu machen. An den „guten Tagen“ geht’s danach zum Einkaufen, ein bisschen in den Garten oder auf einen Spaziergang mit seiner Sabine. Mittags ruht Uwe Kahles eine kleine Weile, schöpft neue Energie für den Nachmittag und den Abend. Der klingt nach dem gemeinsamen Essen mit seiner Frau meist auf dem Sofa aus.

Auch viele Momente der Freude

Ob seine Erkrankung bei alledem unentwegt seine Gedanken beherrscht? Der 58-Jährige verneint das. „Der Krebs beherrscht uns nicht“, sagt er. Sabine Kahles ergänzt: „Wir haben viele Momente der Freude. Und wir lachen auch oft miteinander.“
Unbelastet will das Ehepaar auch das bevorstehende Weihnachtsfest begehen. Das Éigenheim ist längst festlich geschmückt, der Speisenplan für die Festtage „steht“. An Heiligabend wird’s Gänsebrust geben. Einziger Unterschied zu den Jahren zuvor: Das Ehepaar verbringt die Festtage zu zweit – mit Rücksicht auf Uwe Kahles’ Gesundheit. Zwar hat er das klitzekleine Glück im großen Unglück, dass seine „Werte relativ konstant“ und seine Organe gesund sind – so aber soll und muss es auf jeden Fall bleiben! Einen Infekt oder ähnliches darf er sich nicht einfangen. Denn einzig sein aktuell „stabiler Gesamtzustand“ lässt ihn und seine Ärzte darauf hoffen, die Zeit zu haben, einen genetischen Zwilling mit zehn von zehn passenden Gewebemerkmalen für ihn finden zu können.

Glaube an den genetischen Zwilling

Uwe Kahles ist optimistisch, dass dieser Zwilling gefunden wird – nächstes Jahr! Auf dieses setzt er große Hoffnungen. Und er behält die Geduld: „Ich bin stark.“ Zumal er sich Ziele gesetzt hat. „Ich will wieder arbeiten. Ich möchte wieder Motorrad fahren – und ich möchte mit meiner Sabine den nächsten Urlaub planen.“
Bis dahin gilt im Haus Kahles die Devise: „Das Jahr 2021 wird abgehakt!“ Und dann geht’s mit Zuversicht ins neue Jahr. In diesem Zusammenhang gilt der Dank des 58-Jährigen all jenen, die ihn in den vergangenen Wochen – in welcher Form auch immer – unterstützt haben.
Sei es, indem sie sich bei der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) haben registrieren lassen oder auf das für ihn eingerichtete Spendenkonto überwiesen haben. Sei es mit guten Wünschen oder einer Hilfestellung im Alltag.

Wie man Uwe Kahles helfen kann

Wer gesund und zwischen 17 und 55 Jahre alt ist, kann helfen und sich mit wenigen Klicks über www.dkms.de/uwe die Registrierungsunterlagen nach Hause bestellen.
Die Registrierung geht einfach und schnell. Besonders wichtig ist es, dass die Wattestäbchen nach dem erfolgten Wangenschleimhautabstrich zeitnah zurück-
gesendet werden.
Erst wenn die
Gewebemerkmale im Labor bestimmt wurden, stehen Spender
für den weltweiten Suchlauf zur
Verfügung.
Auch Geldspenden helfen Leben retten, da der DKMS für die Neuaufnahme eines jeden Spenders Kosten in Höhe von 35 Euro entstehen. Das DKMS-
Spendenkonto hat folgende IBAN: DE88 7004 0060 8987 0002 50. Verwendungszweck: Uwe.

Wenn der Hämo- globinwert zu niedrig ist

Ein niedriger Hämoglobinwert (Hb-Wert) zeigt an, dass ein Mensch zu wenig Eisen im Blut hat. Der Transport von Sauerstoff und die Neubildung von roten Blutkörperchen (Erythrozyten) sind dann gefährdet.