Ein bisschen traurig sind sie schon. Nein, eigentlich sehr. Selina Maucher, Bettina Heck und Claudia Weber leiteten ein Jahr lang gemeinsam das Projekt „Wir sind Schwäbische Alb“. Sie unterstützten und begleiteten fünf Kindergärten der Stadt Burladingen, organisierten Fortbildungen, intensivierten Austausch und Zusammenarbeit der fünf Tagesstätten, beschafften Mittel, die in die Ausstattung der Kindergärten flossen, in iPads, Möbel, Gartengestaltung.

Es wurde unendlich viel erreicht

Unendlich viel ist in dieser Zeit entstanden – was sich zum einen in einer umfangreichen Dokumentation, einem Qualitätsleitfaden, nachlesen lässt. Er soll als eine Richtschnur für zukünftige Projekte in den Kindergärten dienen, neben Tipps und Vorschlägen auch versehen mit Adressen, an die man sich wenden kann, wenn man einen Kooperationspartner braucht, einen Schreiner, einen Schriftsteller, einen Musiklehrer, um Beispiele zu nennen.
Die drei Frauen, die aus ganz unterschiedlichen Berufen kommen und sich vor anderthalb Jahren auf eine Ausschreibung hin meldeten, stehen nicht „auf der Straße“. Alle drei haben schon Anstellungen in Aussicht. Aber sie hätten ihre Kindergartenarbeit gerne noch weitergemacht. Doch da gab es keine Chance, man habe sich von der katholischen Verrechnungsstelle bis zu Landesministerien an alle möglichen Institutionen und sogar an Ministerpräsident Kretschmann gewandt, aber zu machen war nichts, sagt Bettina Heck. Sie verlässt die im Burladinger Pfarrhaus St. Fidelis eingerichtete Stabsstelle zum Jahresende, Selina Maucher und Claudia Weber räumen ihre Arbeitsplätze Ende Januar.
Es ist schade, meint Selina Maucher, nicht nur ihnen habe das vergangene Jahr viel Spaß und Freude bereitet, sie glaubt auch sagen zu dürfen, „dass die Kindergärten sehr zufrieden mit uns waren. Wir haben ihnen viel organisatorische Arbeit abgenommen, Kontakte geknüpft, Impulse gegeben. Dadurch konnten sich die Erzieherinnen stärker auf ihre eigentliche Arbeit und die Kinder konzentrieren.“

Es fehlt zunehmend an Personal

Dabei ist die Personalsituation in den Tagesstätten heute schon angespannt. Und sie wird es noch viel stärker werden, wenn in absehbarer Zeit, wie vorausgesagt, geburtenstarke Jahrgänge in die Einrichtungen drängen.
Erst dieser Tage beriet der Burladinger Gemeinderat darüber, wie man diese Kinderflut bewältigen kann. Eltern müssen sich etwa darauf einstellen, dass sie ihre Kleinen in einer Tagesstätte in einem auswärtigen Stadtteil unterbringen müssen. Letztendlich werde man aber um Baumaßnahmen nicht herumkommen. Weiter drängte sich ebenfalls die Personalfrage auf. Es fehlt heute schon allgemein an Erzieherinnen und Erziehern. Und der Blick auf den Ausbildungsmarkt verheißt nichts Gutes.
Die Stadt will dem Engpass zunächst einmal mit „Werbung“ begegnen, versuchen geschulte Kräfte herzuziehen, aber sie will auch junge Leute für den Beruf gewinnen. Einen ersten Schritt in diese Richtung unternahm diese Woche bereits der Schulverbund, mit einem Orientierungsnachmittag für Neuntklässler, bei dem Repräsentanten sozialer Einrichtungen sich und ihre Arbeit vorstellten. Darunter Mitarbeiterinnen des katholischen Kindergartens St. Fidelis Burladingen.
Was wird aus dem Schwäbische-Alb-Projekt? „Es geht auch ohne uns weiter“, sagt – und hofft – Claudia Weber im Hinblick auf den Qualitätsleitfaden und die Kooperationsbroschüre, die man hinterlässt. Zudem wurden noch Vorhaben in die Wege geleitet, so ein Elternabend zum Thema „Kinderkrankheiten natürlich behandeln“, eine Fortbildung unter dem Titel „Nachhaltiges Verpacken“ (etwa von Pausenbrot) und ein Theaterprojekt unter Leitung des Melchinger Lindenhofes.

Plakette zur Erinnerung

Vielleicht kann der Geist, das Feuer dieses Jahres weitergetragen werden? Was sich die drei auf jeden Fall wünschen und was sie verwirklichen wollen, ist eine Plakette, die an jedem der fünf Kindergärten zeigt, dass hier „Wir sind Schwäbische Alb“ Kindern viel Wissen vermittelt und viele bleibende Erlebnisse beschert hat.

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Einrichtungen profitierten von bisher 270 000 Euro Fördermitteln

Startschuss „Wir sind Schwäbische Alb“ wurde/wird im Rahmen des Förderprogramms „Trägerspezifische innovative Projekte“ des Landes Baden-Württemberg umgesetzt und gefördert. Projekt-Träger ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Ziel sollte es sein, Kindergartenkinder an ihre Heimat heranzuführen, sie mit Natur und Umwelt, mit der Geschichte, Kultur, den Religionen und Berufen, die hier ausgeübt werden, bekannt zu machen. Ebenso mit „ihrer“ Sprache, mit der lokalen Mundart. Für die Teilnahme konnten sich Kindergärten im Vorfeld bewerben. Mehr oder weniger Zufall war es, dass in Burladingen „nur“ die fünf katholischen Kindertagesstätten die Möglichkeit nutzen wollten und auf den Zug aufsprangen. Coronabedingt verschoben, startete das Projekt dann leicht verspätet im dezeber 2022.
Weltoffenheit Trotz der Lokalität und Erdverbundenheit, die sich das Programm von Anfang an auf die Fahnen geschrieben hatte, ging es darum, den Kindern zugleich Toleranz und Weltoffenheit zu vermitteln.
Vielfalt Mit ihrem Programm und ihren Aktionen haben die Planer und Akteure von „Wir sind Schwäbische Alb“ das Rad nicht neu erfunden: Ernährungslehre, Exkursionen und Besuche bei Handwerkern gehörten von jeher in die Erziehungspläne der Kindergärten. Doch hat das Team Heck, Maucher, Weber den Kindergartenleitungen in vergangenen zwölf Monaten einen großen Teil der Organisation abgenommen – während sich das Trio voll auf diese Aufgabe und die Ausarbeitung neuer Vorhaben und Ideen konzentrieren konnte. Die Fülle dessen, was umgesetzt wurde, lässt sich fast nicht aufzählen: Ein Kindergarten erkundete die Walzmühle, der andere das Imkereimuseum, die dritte Tagesstätte besuchte die Feuerwehr ihres Stadtteils. Es gab eine Kooperation mit dem Hausener Bauernhof Riehle und eine mit der Jugendmusikschule, Hochbeete wurden angelegt und Freiflächen in den Kindergärten umgestaltet. Dazu flossen rund 270 000 Euro an Fördergeldern in die Einrichtungen – auch für technische Ausstattung, für Schulungen und Seminare. Und als Personalkosten für das Team.