Weitab vom Interesse der internationalen Berichterstattung führt seit Februar anhaltender Regen in Ruanda zu teils folgenschweren Überschwemmungen. Im hügeligen afrikanischen Projektland des Hechinger Hilfsverein Kinder brauchen Frieden  (KbF) rutschen zahlreiche Hänge ab, zerstören Felder und Hütten. Auch wichtige Verkehrswege sind unterbrochen.
Zusammen mit Dr. Uta Düll, die in Ruanda ein Krankenhaus betreibt, das seit Jahren vom Verein unterstützt wird, helfen nun die Hechinger den Überschwemmungsopfern. Von Uta Düll gelangen aus erster Hand Informationen nach Hechingen, die nun die Verantwortlichen des Vereins zu einer spontanen Hilfsaktion  veranlasst haben.
Die Berichte und Fotos wecken in den Hechinger Helfern Erinnerungen an Überschwemmungen in der eigenen Heimat vor genau zehn Jahren hervor. Glücklicherweise ist die Lage in dem immer wieder mit KbF-Hilfsgütern versorgten Flüchtlingslager Kiziba aufgrund der Regenfälle nicht schlechter geworden, berichtet der Ansprechpartner Pater Jean-Paul. Jedoch führen in anderen Regionen die anhaltenden Regenfälle dazu, dass landesweit über 100 Menschen gestorben sind.
Dr. Düll berichtete erst am Pfingstsonntag per E-Mail und am Montag telefonisch über die Situation in der Umgebung des von ihr geleiteten Krankenhauses: Kleine Bäche wüchsen derart schnell an und überfluteten die Täler, dass beispielsweise Waren auf Märkten einfach fortgespült würden und manche Menschen nicht rechtzeitig flüchten könnten. Alleine in der Region um die Klinik berichtet Düll von mehr als 20 Getöteten. Diese kämen hauptsächlich durch die Sturzbäche um, die die Kinder sonst als kleine Bäche kannten. Tote oder zahlreiche leicht bis schwerer Verletzte forderten auch einstürzende Lehmhütten. So versorge sie beispielsweise aktuell in ihrer Klinik drei Frauen mit schweren offenen Knochenbrüchen.
Eine Schule in Nyundo – ein Ort in der Nähe des Krankenhauses – sei überschwemmt und Lehrmittel seien weitgehend zerstört worden. Was noch zu retten sei, werde von den Mitarbeitern der Schule zwischen den Regenfällen in der Sonne getrocknet.
Noch nicht absehbar sind die Folgen für die einfache und somit den größten Teil der Bevölkerung, so Düll. Weitgehend abhängig vom Ertrag ihrer Felder und dem Verkauf von Gemüse auf Märkten, wiege für sie die nun fortgespülte Ernte schwer.
Die am Pfingstwochenende angelaufene Soforthilfe von Kinder brauchen Frieden wird für verschiedene Bereiche verwendet. So wird Dr. Düll den Wiederaufbau von Hütten der am härtesten getroffenen Familien mit Baumaterial unterstützen. In diesem Bereich kann bereits auf bewährte Strukturen zurückgegriffen werden, da auch schon in der Vergangenheit vereinzelt Hütten für bedürftige Familien erbaut wurden. Angebunden an ihr Krankenhaus ist auch ein Ernährungszentrum, welches von KbF unterstützt wird, und das nun in Folge der aktuellen Lage die Anzahl der zur Verfügung gestellten Essen erhöhen wird und die Bauern mit Saatgut unterstützen kann. Ferner wird ein Teil der Hilfsgelder für medizinische Erstversorgung und für Lehrmittel für die überschwemmte Schule verwendet.

Kinder brauchen Frieden seit 25 Jahren aktiv

Spenden können per Überweisungen unter dem Stichwort „Ruanda-Aktion“ auf das Konto DE69 6535 1260 0079 2340 34 bei der Sparkasse Zollernalb getätigt werden. Weitere allgemeine Informationen oder speziell zu Spenden sind unter www.kinder-brauchen-frieden.de zu finden. Dort wird auch über den weiteren Verlauf der Hilfsaktion berichtet.
Wer sich über den Verein informieren oder Partner aus den Projektländern selbst treffen möchte, bekommt am 15. September im „Museum“ in Hechingen die Gelegenheit dazu. Dann wird der Verein sein 25-jähriges Bestehen feiern.