Auf solch ein Konzert­ereignis haben in Hechingen und drumrum viele Musikfreunde lange, lange warten müssen. Deshalb (und weil den Akteuren des Abends ein hervorragender Ruf vorauseilte) strömten die Menschen am Dienstagabend trotz herrlichsten Frühlingswetters in Scharen in die Hechinger Stadthalle, um zwei Stunden lang das Heeresmusikkorps Ulm zu erleben. Thomas Sperling, einer der Vorsitzenden des rechtlichen Betreuungsvereins SKM Zollern, zeigte sich als Veranstalter denn auch „überwältigt“ von dem großen Zuspruch.

Militärmusiker brauchten viel Geduld

Auch die Militärmusiker haben viel Geduld gebraucht, bis sie wieder ihrer eigentlichen Tätigkeit nachgehen und in großer, 50-köpfiger Formation auftreten konnten. Während der langen Coronazeit und den Lockdowns, so erzählte Moderator Thomas Schütte, hätten sich die Musiker in verschiedenen Gesundheitseinrichtungen nützlich gemacht – die einen impfend mit der Spritze, die anderen als Einlasskontrolleure in Seniorenheimen oder als Kontaktnachverfolger in Gesundheitsämtern. Jetzt, seit einigen Wochen, sei man endlich wieder „mit fast vollem Orchester“ auf der Bühne.

Ukrainehilfe ein großes Thema

Eine politische „Zeitenwende“ kam auch dazwischen. Aber die hätte es nicht gebraucht dafür, dass die Militärmusiker für zivile und friedliche Zwecke zu ihren Instrumenten greifen. Das haben die Musikkorps der Bundeswehr schon immer getan, zweimal auch bereits in Hechingen für die Zwecke des SKM Zollern. Die Besonderheit diesmal bestand darin, dass der rechtliche Betreuungsverein nur 50 Prozent der am Ende des Abends gerne gegebenen Spenden für sich behielt. Die andere Hälfte (und der Erlös aus dem Getränkeverkauf in der Pause) gingen an die Ukrainehilfe der Hechinger Organisation Kinder brauchen Frieden. Stefan Hinz, Oberst im Generalstab und Schirmherr des Konzertabends, bestätigte: „Kinder brauchen Frieden spricht uns dringend aus dem Herzen: die tägliche Bitte um Frieden in der Ukraine“. Und Sprecher Thomas Schütte ergänzte: „Wir unterstützen diese hervorragenden Zwecke sehr gerne. Die Ukraine-Hilfe ist auch für uns ein großes Thema.“

Sinfonische Blasmusik auf Profiniveau

Soviel zum Rahmen. Im Mittelpunkt des Abends stand freilich die Aufführung von sinfonischer Blasmusik auf professionellem Nivau. Da durfte selbstredend schmissige Marschmusik nicht fehlen, repräsentiert etwa durch die Kaiser-Friedrich-Fanfare von Friedrich Wilhelm Voigt gleich zum Beginn des Abends oder den „Mars der Medici“ des Niederländers Johan Wichers, der am Ende als Zugabe gespielt wurde.
Geistliche Musik stand durchaus auch auf dem Programmzettel – in Gestalt des Werkes „Between the two Rivers“ von Philip Sparke, das Variationen über den protestantischen Choral „Ein’ feste Burg ist unser Gott“ bietet. Wie das klang? Mal festlich, mal beschwingt, mal umflochten von schnellen Holzbläsergirlanden – sehr abwechslungsreich, sehr anspruchsvoll.

Hommage an John Williams

In gleichem Maße galt das für gleich mehrere Werke des wohl berühmtesten lebenden Filmkomponisten, die das Heeresmusikkorps Ulm aufführte. Zu Ehren des im Februar 90 Jahre alt gewordenen mehrfachen Oscar- und Grammy-Preisträgers John Williams erklang zunächst „Olympic Fanfare and Theme“, die Eröffnungsfanfare für die Olympischen Spiele von 1984 in Los Angeles. Die damals im Olympiastadion von L. A. im weiten rund platzierten Fanfarenbläsern wurden im „Museum“ dadurch nachempfunden, dass dem Orchester zwei Solotrompeter von der Empore antworteten.
Nennt man Williams, dann versteht es sich von selbst, dass der Abend auch im Zeichen opulenter Filmmusik stand: „Far and Away“, die sinfonische Suite aus dem Western „In einem fernen Land“, jener Romeo-und-Julia-Geschichte mit Happy-End und Tom Cruise und Nicole Kidman, erklang als großes Gefühlskino. Der „Midway March“ aus Steven Spielbergs Antikriegsfilm „Midway“ (1976) spannte wieder den Bogen zur – in diesem Fall durchaus friedensbewegten – Marschmusik.

Erinnerung ans Jahr 1988

Sehr populär geriet dann das Finale. Das 1988er-Medley rief Ohrwürmer wie „Westerland“, „Ella, elle l’a“, One Moment in Time“ und „Solang’ man Träume noch leben kann“ in Erinnerung.
Wer darob vergessen hatte, dass ein Blasorchester der Bundeswehr spielt, wurde ganz zum Schluss genau daran erinnert: Es erklang die deutsche Nationalhymne – zum Mitsingen.