Vor allem die sogenannte große Politik hat das Thema Wohnungsnot viel zu lange sträflich vernachlässigt. Jetzt werden die Parteien mit Macht davon eingeholt: Die Menschen, die keine oder nur völlig überteuerte Wohnungen bekommen, reagieren mit Proteststimmen. Jetzt plötzlich wird gehandelt. Die Programme gleichen allerdings dem viel bemühten Tropfen auf dem heißen Stein. Das Versäumte aufzuholen, wird sehr, sehr lange dauern und sehr, sehr viel kosten.
Das Böse an der Sache ist, dass die Wohnungsnot nicht nur in den Großstädten grassiert, sondern mittlerweile auch in der Provinz angekommen ist. Einst nur bevorzugt in Tübingen ein Thema, haben sich die Mieter und Häuslesbauer längst das Steinlachtal aufwärts geschafft und sind nun im Hohenzollerischen auf der Pirsch. Auch im Gebiet mit HCH am Auto gilt deshalb: Wohnung beziehungsweise Baugrundstück verzweifelt gesucht.
Dass die Stadt Hechingen offenbar nach Tübinger Vorbild in Eigenregie anpacken will, hat in Schlatt Ortsvorsteher Jürgen Schuler öffentlich gemacht. Der wiedergewählte Stadtteil-Chef kündigte an, dass man im Rathaus über Möglichkeiten zur Mobilisierung von Baulücken in den gesamtstädtischen Baugebieten nachdenkt. Mit noch offenem Ergebnis. Das Wort „Enteignung“ wird nicht einmal ganz leise ausgesprochen. Denn, so erläuterte Jürgen Schuler vor seinem Gremium, ein Rechtsinstrument muss erst noch geschaffen werden. Dessen Ziel: Die Besitzer sollen endlich bauen und damit dringend benötigten Wohnraum schaffen, oder halt verkaufen. Die dritte Möglichkeit, das Grundstück wie bislang als gute Geldanlage zu nutzen, wäre dann nicht mehr vorgesehen. Ein heikel-delikate Angelegenheit.
In Schlatt, so ließ der Ortsvorsteher wissen, seien so viele Grundstückseigentümer nicht betroffen. Das eine und andere Bauland sei freilich schon ungenutzt. Trotzdem werden man Prügel bekommen, kündigte Jürgen Schuler an. Prügel für was? Das Hechinger Rathaus lässt jetzt in allen Stadtteilen und ebenso der Kernstadt eine Erhebung der in Frage kommenden Baugrundstücke machen. In den Stadtteilen müssen die Ortsvorsteher Meldung machen. Dann stellt sich die Frage nach den Rechtsmitteln. Wenn es die vielleicht sogar tatsächlich geben wird, dürfte es „Stress geben“. Ganz sicher, vermutet Jürgen Schuler.