Ein Hauch von Versailles wehte am Freitagabend durch die herrlich barocke Haigerlocher Schlosskirche, in welcher Hille Perl und Andreas Arend ihr Konzert als Gang durch einen musikalisch kunstvoll angelegten französischen Barockklanggarten gestalteten.
Ludwig XIV. von Frankreich, der berühmte Sonnenkönig, umgab sich mit Prunk und Pomp. Er inszenierte prächtige Feste mit Musik, Tanz, Schauspiel, Feuerwerk, Wasserspielen sowie entsprechendem Bankett. Nur die auserlesensten Musiker und Komponisten wurden bei Hofe akzeptiert.
Auf den Modeinstrumenten jener Zeit, der Viola da Gamba und der Theorbe entführten Hille Perl und Andreas Arend in die Gemächer des Sonnenkönigs und brachten mit Empfindsamkeit und natürlicher Leichtigkeit ein galantes, fein gezeichnetes Flair barocken, französischen Lebensgefühls in den Kirchenraum. Das präzise, detailverliebte und exzellente Spiel der beiden Musiker übertrug die Faszination dieser erlesenen, kunstvollen Musik schnell auf die Zuhörer. Eine zauberhafte, farbenreiche Welt von Klangbildern eröffnete sich dem Publikum.

Instrumente im Dialog

Die hervorragend harmonierenden Künstler musizierten leicht und lyrisch, virtuos und expressiv und machten klar erkenntlich, dass ihre Musik als einvernehmliche Konversation zwischen den beiden Instrumenten zu verstehen ist. Sie ist zuweilen sehr zärtlich, zuweilen energisch und kraftvoll; hochkonzentrierte Strenge wechselt sich ab mit verführerischer Zartheit.
Zu hören waren Tänze und Suiten der Hofkomponisten Louis Couperin, Marin Marais, Robert de Visee und Jaques Cordier. Dabei schlugen die Musiker variante, gelegentlich frische Tempi an, ohne es an der notwendigen Zeit zur Entfaltung der musikalischen Charaktere mangeln zu lassen.
Mit eleganter Geläufigkeit und unübertrefflich virtuoser Fingerfertigkeit agierte Hille Perl stets geschmeidig, elanvoll und ausdrucksstark und sie kommunizierte dabei jederzeit intensiv mit ihrem Partner.
Andreas Arend bezauberte durch sein bravouröses und bestechend kunstfertiges Lautenspiel. Die kunstvoll stilisierten und fein differenzierten Tanzsätze französischer Prägung, erfuhren durch das ornamentreiche Musizieren der Künstler ein vielgestaltiges Eigenleben voller Anmut und Intensität .

Ein ästhetisches Vergnügen

In exzellent abgestimmter Tongebung und Dynamik und einer klugen, phantasievollen Programmgestaltung zelebrierten die Solisten an Gambe und Theorbe brillant und geradezu genussvoll, mal sanft und klar, mal kraftvoll und leidenschaftlich in feinsten Schattierungen ausdrückliche melancholische Vorhalte oder schnelle filigrane Läufe.
In optimaler Übereinstimmung wechselten sie in den imitatorischen Passagen ihre Rollen und schienen sich gegenseitig zu beflügeln. Wenige Zeichen der Kommunikation genügten für ein homogenes und bravouröses Recital, das von den beiden engagierten Musikern mit eloquenter Selbstverständlichkeit vorgetragen wurde und den Abend zu einem großartigen ästhetischen Vergnügen machte.

Nächstes Konzert: „Auf dem Sternenweg“

Das nächste Haigerlocher Schlosskonzert findet am Donnerstag, 26. Mai, 18 Uhr, in der St.-Anna-Kirche statt. Unter dem Motto „Auf dem Sternenweg“ steht eine musikalisch-literarische Wanderung über den Jakobsweg nach Santiago de Compostela auf dem Programm. Diese Wanderung wird durch den Erzähler Rudolf Guckelsberger mit einer guten Prise Humor gewürzt und mit filigraner Gitarrenmusik von Barbara Gräsle begleitet.
Karten im Vorverkauf und das Konzertprogramm 2022 gibt es im Kultur- und Tourismusbüro der Stadt Haigerloch, Telefon: 07474 697-27; E-Mail: tourist-info@haigerloch.de; oder online über die Homepage der Stadt.