Das Piepsen wird immer lauter. Ich bin doch gerade erst ins Bett. Ein Blick auf die Uhr  verrät: Es ist 2.45 Uhr. Und was da so laut nervt, mitten in der Nacht, ist das Signal des Melders. Ein Kollaps. Und dann aber poppt gleich die Frage auf: Warum gebe ich mir das überhaupt? Gibt es für mich keine normalen Hobbys?“: Das sind die Gedanken, die Christoph Schoder, dem Bereitschaftsleiter des Rangendinger Ortsvereins des Roten Kreuzes (DRK) mitten in der Nacht durch den Kopf gehen.
Also Hose an, Schuhe an, Jacke an. Verdammt, wo hat er bloß die Autoschlüssel und das Handy hingelegt? Ah ja, beides liegt in der Küche auf der Anrichte. Mit ihnen findet er auch die Antwort auf seine Frage: Weil es wichtig ist.

Egal, ob Corona oder nicht

Allein in der Gemeinde Rangendingen wird der Rettungsdienst im Schnitt 130 mal pro Jahr alarmiert. Egal, ob bei Tag oder Nacht, am Werktag oder Sonntag, egal ob Corona oder nicht.
Im Einsatzfahrzeug liegen Fieberthermometer und Pulsoximeter bereit. Ohne Schutzmaske geht schon gar nichts, weiß Christoph Schoder, denn bei jedem Einsatz besteht die Gefahr, das Corona-Virus mit nach Hause zu tragen.
Corona verkompliziert aber nicht nur die Hilfseinsätze. Es verringert auch die Mannschaftsstärke insofern, dass die Einsatzkräfte, die der Risikogruppe angehören, somit bis auf Weiteres ausfallen.

Kein aktives Vereinsleben

„Wie bei allen anderen Vereinen findet momentan kein aktives Vereinsleben mehr statt“, erzählt Christoph Schoder. „Dienstabende und Weiterbildungen können nicht abgehalten werden.“ Blutspenden, Sanitätsdienste und Erste-Hilfe-Kurse können nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen organisiert werden.

Einnahmequellen brechen weg, Einsatzbedingen sind erschwert

Der Markt für Altkleider, über den sich die DRK-Bereitschaften zum wesentlichen Teil finanzieren, ist komplett zusammengebrochen. „Natürlich sind auch die Einnahmequellen weggebrochen“, so Christoph Schoder.
Und obwohl das Vereinsleben stillsteht, leistet das DRK weiterhin Hilfe, unter anderem bei den beiden jüngsten Brandeinsätzen (die HZ berichtete). Hinzu kommt: „Die Einsatzbedingungen sind deutlich erschwert“, so der Rangendinger Bereitschaftsleiter.

Infektionsrisiko ist noch höher als bei anderen

Das Infektionsrisiko sei, verglichen mit „den sonstigen, eh schon vorhandenen Risiken“ deutlich höher als bei „normalen Menschen“. Notwendige medizinische Ausrüstung bekommt das DRK teilweise knapp und nur schwer oder noch teurer als sonst. 

Preise für Ausrüstung sind hoch

Die Preise für medizinische Ausrüstung ist hoch oder steigen pandemiebedingt. „Zum Beispiel klemmt’s aktuell an Einweghandschuhen“, betont Christoph Schoder.
„Um die Einsatzfähigkeit zu erhalten, sind die Bereitschaften derzeit mehr denn je auf Spenden angewiesen. Und natürlich wären einige weitere helfende Hände schön“, unterstreicht der DRK-Bereitschaftsleiter. Schließlich muss es irgendwie weiter gehen.

Wunsch nach eigenem Wagen

Auch für die Zeit nach der Pandemie wird geplant. Im Falle der DRK-Bereitschaft Rangendingen bedeutet das: Ein eigenes Einsatzfahrzeug für die Helfer vor Ort muss her. Derzeit verfügt die Bereitschaft über ein Fahrzeug, das vom Bund bereitgestellt wird.
Das bedeutet, dass es grundsätzlich für Einsätze des Rangendinger DRK genutzt werden darf, aber auch jederzeit vom Bund oder vom Land auch angefordert und abgezogen werden kann.

Leihfahrzeug bald weg?

Das war zu Hochzeiten der Pandemie im Frühjahr der Fall und wird im Zuge des Betriebs der Impfzentren im Januar wieder geschehen. Dadurch wird die Rangendinger DRK-Bereitschaft voraussichtlich bis Juni ohne Fahrzeug sein.
Das wird dann die Einsatzfähigkeit der Bereitschaft noch zusätzlich belasten. Abhilfe soll im kommenden Jahr mit einem speziellen, erwünschten Van geschaffen werden.

Weitere Baustellen

Es gibt weitere Baustellen: Die Einführung neuer Technologien sowie die Steigerung der Attraktivität werden auch in der Bereitschaft Rangendingen 2021 primäre Themen sein.
Für Aufklärungs- und Sucheinsätze soll mittelfristig eine BOS-Drohne, das Einsatzmittel für risikobehaftete Einsätze, beschafft werden, und es sollen entsprechende Mitglieder ausgebildet werden. Das Training und die Ausbildung beginnen ab Januar beziehungsweise nach dem Ende der Corona-Beschränkungen.

500-Spende-Euro von Korn Recycling GmbH

Doch es gibt auch Lichtblicke: „In diesem schwierigen Jahr, und weil wir die Arbeit sehr schätzen, haben wir uns entschieden, zum Jahresende das Ehrenamt zu berücksichtigen“, betonte jüngst Andreas Reiff, Prokurist und Leiter der Rangendinger, Gammertinger, Engstinger und Riedericher Niederlassung von Korn Recycling GmbH bei der Spendenübergabe vor ein paar Tagen.
„Als Zeichen unserer Wertschätzung für Ihren ehrenamtlichen Dienst, war es uns wichtig, diese auszudrücken. Dies wollen wir in Form einer Spende in Höhe von 500 Euro  zum Ausdruck bringen“, formulierte Andreas Reiff dabei.

500 Euro von Korn Recycling für das DRK

Stifter Korn Recycling GmbH  ist ein zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb und hat sechs Standorte: in Ebingen, Engstingen, Rangendingen, Gammertingen, Riederich und Inzigkofen. Das Unternehmen hat dort an die örtlichen DRK-Gruppen jeweils gespendet.  In Rangendingen freuten sich die Ehrenamtlichen über 500 Euro. Der Sitz des Unternehmens ist in Ebingen. In Rangendingen werden drei Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt bietet der Betrieb rund 160 Arbeitsplätze.
Spende Wer dem Rangendinger DRK-Ortsverein spenden möchte, kann dies gern tun an:
DRK – OV Rangendingen, Volksbank Hohenzollern
DE81 6416 3225 0398 2490 08
Sparkasse Zollernalb
DE71 6535 1260 0134 0353 12