Nach einer ersten nachsommerlichen Infektionswelle, die im September zunächst abgeebbt war, steigen die Infektionszahlen im Zollernalbkreis derzeit wieder (alle Zahlen und Fakten dazu hier im Überblick).
Am Freitag lag die 7-Tage-Inzidenz bei 108,5. Aufgrund der hohen Auslastung der Intensivbetten im Land drohen die Corona-Warnstufe und damit strengere Regeln möglicherweise schon Ende nächster Woche, sagte Gesundheitsminister Manne Lucha am Donnerstag.

Viele Fälle in Schulen

Dabei infizieren sich im Zollernalbkreis vor allem jüngere Menschen im Alter von unter 40 Jahren, wie Daten des Gesundheitsamts vom 13. bis 19. Oktober zeigen.
So fallen 110 von 204 aller Infektionsfälle, also mehr als die Hälfte, in diese Altersgruppe. 70 Fälle, also mehr als ein Drittel, entfallen allein auf die unter 20-Jährigen. Das bedeutet, dass vor allem auch die weiterführenden Schulen betroffen sind. Das bestätigt auch das Landratsamt.

Normalität versus Vorsicht

„Durch die Aufhebung der Maskenpflicht könnte es zu mehr Infektionen kommen“, schreibt Marisa Hahn, Sprecherin des Landratsamts. Dabei heißen gerade die jungen Leuten ein weiteres Stück Normalität sicher willkommen. „Wir alle wollen wieder Normalität. Dazu gehört, dass wir achtsam und vorsichtig miteinander umgehen“, sagt Landrat Günther-Martin Pauli.
12 Fälle sind bei den über 80-Jährigen zu verzeichnen, 20 bei denen von 61 bis 80 Jahren. Die Altersgruppe 41 bis 60 Jahren ist ebenfalls stark betroffen mit 62 Fällen in diesem Zeitraum.

Keine Probleme bei Kontaktnachverfolgung

Die Kontaktnachverfolgung im Gesundheitsamt funktioniert laut Landratsamt derzeit ohne Verzögerung, personaltechnisch wäre man auch für höhere Inzidenzen gerüstet. Kontaktpersonen werden wegen geänderter Regeln nur noch in Einzelfällen verfolgt, beispielsweise bei Virusvarianten oder bei einem Bezug zu vulnerablen Gruppen, schreibt Marisa Hahn.

Die Lage im Zollernalb-Klinikum

Seit nunmehr anderthalb Jahren beschäftigt die Mediziner im Zollernalb-Klinikum das Coronavirus. Am Freitag mussten 15 Menschen mit gesicherter Covid-19-Diagnose in der Klinik behandelt werden, 4 Menschen lagen auf der Intensivstation, davon 3 invasiv beatmet.
Was laut Klinik aktuell beinahe alle Patienten gemein haben: Sie sind ungeimpft. Auch wenn die Corona-Schutzimpfung kein Versprechen gegen eine Infektion oder Erkrankung ist, spüren sie auf der Normal- und der Intensivstation des Zollernalb-Klinikums den Impfeffekt.

Mittelalt und ungeimpft

Das bestätigt auch Professor Dr. Boris Nohé, Chefarzt der Intensivstation. „Seine“ Patienten seien zwischen 40 und 70 Jahre alt und „nahezu alle ungeimpft“.
„Gestern war tatsächlich der erste Patient mit Impfung und schwerem Verlauf auf der Intensivstation“, sagte Nohé unserer Zeitung am Mittwoch. Dieser sei einmal mit dem Wirkstoff von Johnson & Johnson geimpft.
Hier hatte sich die Ständige Impfkommission jüngst wegen vergleichsweise vieler Impfdurchbrüche für eine Auffrischung mit einem mRNA-Impfstoff wie dem von Biontech oder Moderna ausgesprochen.

Seltene Impfdurchbrüche sind kein Argument gegen das Impfen

Auf der Normalstation würden auch eher jüngere Patienten im Alter von 40 bis 60 Jahren liegen, sagt Chefarzt Dr. Dr. Erwin Biecker. Es gebe „nur wenige Impfdurchbrüche“ bei eher älteren Patienten und denen mit Grunderkrankungen.
„Impfdurchbrüche gibt es aber bei jeder Impfung und ist keineswegs als Argument, sich nicht impfen zu lassen, zu verstehen“, sagt Biecker.

Impfkampagne stockt

Doch die Impfzentren sind geschlossen, die Kampagne stockt – auch im Zollernalbkreis. Nur sechs Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg weisen eine niedrigere Impfquote auf, im Landesschnitt liegen die Quoten gut drei Prozentpunkte über denen auf der Zollernalb (60,4 Prozent einmal geimpft, 58 Prozent vollständig immunisiert, Stand 17. Oktober).
„Der Winter bereitet Sorge, da die Impfquote besonders im Zollernalbkreis viel zu niedrig ist. Wir rechnen mit einer deutlichen Zunahme der Covid-Patienten“, sagt Nohé.
Dennoch wird das öffentliche Leben, vor allem für Geimpfte, immer normaler. Bieker sagt dazu: „Lockerungen sind bei strikter Einhaltung der 3G- oder besser noch 2G-Regel und konsequentem Maske tragen wahrscheinlich vertretbar.“