Die Gräben im CDU-Kreisverband Zollernalb werden immer tiefer. Am vergangenen Freitag wurde der kurzfristig angereiste CDU-Landeschef Thomas Strobl beim Kreisparteitag in Bisingen von Zollernalb-Landrat Günther-Martin Pauli und weiteren CDU-Mitgliedern für das Bundestagswahldesaster mitverantwortlich gemacht und verbal abgewatscht.
Mehr noch: Pauli legte übers Wochenende in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung noch einmal nach und kritisierte Strobl scharf, ohne eine direkte Rücktrittsforderung auszusprechen. Des Landrats Stoßrichtung aber war eindeutig.

Demonstratives Schutzschild

Nun also das demonstrative Schutzschild der Kreisvorsitzenden Hoffmeister-Kraut für ihren Kabinettskollegen Strobl: In ihrer Funktion als Wirtschaftsministerin ließ sie am Mittwoch per Pressemitteilung Folgendes verlauten:
„In Zeiten großer Dynamik und auch Unsicherheit ist es wichtig, für politische Kontinuität im Land und Stabilität in der Regierungskoalition zu sorgen.“ Dafür stehe der Landesvorsitzende und stellvertretende Ministerpräsident Thomas Strobl.

Veränderung sei eingeläutet

„Es ist richtig, die Kritik an der Basis und den geäußerten Wunsch nach Veränderungen ernst zu nehmen“, so Hoffmeister-Kraut weiter. Diesen Weg habe man mit personellen Erneuerungen in Partei, Fraktion und Landesregierung bereits erfolgreich eingeschlagen und man werde diesen weiterverfolgen.
„Die inhaltliche Erneuerung treiben wir ebenfalls konsequent voran.“ Genauso wichtig sei jetzt, dass die Landes-CDU geschlossen auftrete und in der Regierung auf der Grundlage des Koalitionsvertrags konstruktive Arbeit für Baden-Württemberg mache. Dafür will sich Hoffmeister-Kraut „auf allen Ebenen unserer Partei einsetzen“.

Hoffmeister-Krauts Mentor

Ihre Solidarität mit dem gescholtenen Strobl kommt nicht von ungefähr. Der Innenminister ist quasi Hoffmeister-Krauts Mentor. Er war es, der die 2016 erstmals in den Landtag gewählte Balingerin als völligen landespolitischen Neuling direkt ins Amt der Wirtschaftsministerin hievte.

Update 16 Uhr

Das Büro Hoffmeister-Kraut meldet, dass die Pressemitteilung doch nicht in ihrer Funktion als baden-württembergische Wirtschaftsministerin versendet worden sei. Dies sei einem „Bürofehler“ geschuldet. Es blieb jedoch offen, ob die Balingerin ihre Stellungnahme stattdessen als CDU-Landtagsabgeordnete oder als Vorsitzende der CDU-Zollernalb abgegeben hat. Am Inhalt änderte sich jedenfalls nichts.

Update 18 Uhr

Melissa Schenk, Pressesprecherin des CDU-Kreisverbands, erklärt, dass Nicole Hoffmeister-Kraut ihre Stellungnahme zugunsten von Thomas Strobel als CDU-Kreisvorsitzende getätigt hat.