Ganz locker beginnt Fadi Saad die Lesung im Hechinger Jugendzentrum mit der Frage, für was ihn die Schüler denn halten. Ist er Deutscher? Oder Araber? Der 39-jährige Buchautor sagt dazu erst einmal nichts. Er lässt die rund 50 Zehntklässler der Alice-Salomon-Schule und Werkrealschule am Montag selbst raten, was genau ein Araber sei. Arabien gebe es schließlich nicht als einen eigenen Staat.
Nach diesem Einstieg ist er auch schon bei einem seiner Hauptthemen angelangt: den Vorurteilen. Saad erzählt von seinen Erfahrungen und skizziert einige der Szenarien und Gespräche, die er auch in seinen Büchern „Der große Bruder von Neukölln“ (2008) und „Kampfzone Straße“ (2012) beschreibt.
Saad berichtet unverblümt davon, wie er gefragt wird, wo er herkommt und dass er dann sagt, er stamme aus Deutschland und häufig ungläubige Reaktionen erntet. Wenn er aber in einem arabischen Staat sagt, er sei Araber, so würde ihm auch dort widersprochen. Das führt ihn zur Quintessenz, dass er Deuraber, Deutscher und Araber zugleich ist.
Während seiner Lesung versucht er, die Schüler möglichst oft, mit einzubeziehen. So macht er auch auf die Widersprüche in den eigenen Vorurteilen aufmerksam, die die jungen Heranwachsenden haben. Diese seien schließlich unnötig.
„Beide Sprachen zu sprechen, ist eine Stärke“, versichert Saad dem zur Hälfte aus Migrationshintergrund bestehenden Publikum. Gerade in diesen Zeiten, in denen Globalisierung eine große Rolle spielt, sei es von enormem Vorteil, möglichst viele Sprachen zu beherrschen.
Ziemlich am Ende erzählt Saad noch von seinem Weg zum jetzigen Beruf: Vier Mal bewarb er sich bei der Polizei – 2001, 2010 und 2011 – bis er 2013 endlich eine Zusage bekam. „Wer etwas will, sucht Wege. Wer etwas nicht will, sucht Gründe“, zitiert Saad den Unternehmer Harald Kostial. Damit will er alle auffordern, die Ausreden sein zu lassen.
Trotzdem macht er deutlich, dass er an diesem Tag nicht als Polizist, sondern als Fadi Saad gekommen ist. Er spricht mit den Schülern über Themen, die im Schulalltag zu kurz kommen. Er möchte die 16-Jährigen nicht belehren, sondern ihnen nur den Spiegel vor die Augen halten, damit sie etwas aus ihrem Leben machen. Und gerade wegen seinen eigenen Erfahrungen kommt er auch so authentisch und gut bei ihnen an.
Heute, Dienstagabend, ab 18 Uhr trägt er erneut im Jugendzentrum vor. Nach der Lesung signiert Saad seine Bücher, die fünf Euro kosten. Der Eintritt ist frei.

Erst Jugendarrest, dann mit Merkel unterwegs

Biografie Der Autor der Bücher „Der große Bruder von Neukölln“ und „Kampfzone Straße“, Fadi Saad (39), wuchs in einer Berliner Problemgegend auf. Dort erlebte er schon in jungen Jahren als Deutscher arabischer Herkunft Diskriminierung und Gewalt: Mit 13 Jahren schloss er sich der Straßengang „Araber Boys 21“ an, die er nach einem Aufenthalt im Jugendarrest wieder verließ. Daraufhin änderte Saad sein Leben: Er machte eine Ausbildung zum Bankkaufmann und versuchte als Quartiermanager in Berlin die Jugendlichen dort zu erreichen und wachzurütteln. Dafür wurde ihm 2007 der „InterDialogPreis“ und 2009 der „Deutsche Förderpreis Kriminalprävention“ verliehen. Außerdem begleitete Saad Angela Merkel zum Staatsempfang in den Elysée-Palast, um über Chancengleichheit und Integration zu referieren.