Das Thema „Brummton“ ist weltweit bekannt, aber eben auch ein Phänomen, das vor der eigenen Haustür zu finden ist. Auf der Zollernalb ist das mysteriöse Brummen vor kurzem durch eine Anfrage im Bad Imnauer Ortschaftsrat ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Eine Gruppe von Anwohnern aus der Schulstraße klagte über die subtile, aber doch für alle höchst unangenehme Geräuschkulisse. Kaum war der Bericht in der HZ, klingelten die Telefone. Zahlreiche Betroffene meldeten sich, schilderten ihre zum Teil dramatische Leidensgeschichte. Wer den Brummton im Ohr hat, ist mit den Nerven am Ende, so der Tebor. Die Stadt, der Landkreis, das Land, der Bund – irgendjemand müsste doch Verantwortung übernehmen, etwas gegen den Übeltäter unternehmen, die Ursachen erforschen, die Bürger schützen, lautet die Forderung der meisten Brummton-Opfer.
„Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg hat 2002 eine Riesenstudie zu diesem Phänomen vorgelegt, die zig Millionen gekostet hat, aber gefunden haben sie: nichts“, sagt Heinz Brenner. Der Fehlschlag der LUBW wundert den Elektrosmog-Experten nicht. „Die sind auf der falschen Spur“, ist Brenner überzeugt. Seit 30 Jahren hat er beruflich mit dem Brummton-Phänomen zu tun.
Brenner ist einer von etwa 30 Mitarbeitern des Gesundheitsforums Zollernalb (www.gesundheitsforum-zollernalb.de), der Info-Plattform für Ganzheitsmedizin mit Sitz in Balingen-Erzingen. Seine Fachgebiete sind Geobiologie und Elektrosmog. In ganz Europa ist Brenner unterwegs. Auch als Vortragsreferent, Seminarleiter und Buchautor ist er gefragt.
Der Übeltäter, sagt Heinz Brenner, ist meistens nicht die Hochspannungsleitung, die Mobilfunkantenne, das Blockheizkraftwerk, die Umwälzpumpe oder was auch immer die Brummton-Opfer meinen, als Geräuschquelle identifiziert zu haben. „Das Problem sind die Resonanzböden in unserem Kopf“, klärt Brenner auf. Elektromagnetische Wellen treffen auf die Ohrtrompete und bringen den Resonanzboden in Schwingung.
Dieser bis zu diesem Punkt völlig natürliche Vorgang im menschlichen Körper kippt aber dann, wenn sich das Ganze immer weiter hochschaukelt, die Schwingungen stärker werden und vor allem: wenn sie – als unablässiges  Brummen wahrnehmbar – zum 24-Stunden-Dauerbegleiter werden. Wenn an Entspannung, Ruhe im Kopf und einen erholsamen Nachtschlaf gar nicht mehr zu denken ist.
Elektrosmog begleite uns auf schritt und tritt, weiß der Fachmann. Ebenso unsichtbar und ebenso belastend ist der Feinstaubgehalt der Luft in unseren Städten. „Die Luftverschmutzung rangiert ja mittlerweile nicht mehr in Milli-, sondern Mikrogramm-Bereich“. verdeutlicht Brenner den Ernst der Lage. „Unsere körpereigenen Filter laufen auf Hochbetrieb“, sagt er. Aber während wir bei unserem Heiligen Blechle schön regelmäßig die Filter wechseln, Öl und Wasserstand prüfen, lassen wir unsere Nasennebenhöhle sprichwörtlich links liegen, wundern uns dann aber, wenn sie nicht mehr kann und schließlich streikt.
Heinz Brenners Erklärungen und sein Rezept sind so schlicht wie einleuchtend. Unsere Umweltbedingungen können wir nicht ändern. Im Gegenteil: Die Belastungen nehmen immer weiter zu. „Mit G5 kommen wir in eine Bombe rein“, mag der Experte gar nicht an die fünfte Mobilfunkgeneration denken, die eine Vervielfachung der Funkzellen mit sich bringt. „Was wir aber tun können, ist, uns selbst aus der Belastung rauszunehmen“, erklärt Brenner den Ansatz des Gesundheitsforums Zollernalb. „Aus dem Strom nehmen“, wie er sagt. Er unterziehe Betroffene zunächst einem speziellen Akupunkturtest. Anhand weiterer individueller Tests können laut Brenner die Belastungsschwerpunkte identifiziert und im Idealfall beseitigt werden, damit sich der „Patient“ wenigstens phasenweise regenerieren kann. Das sei extrem wichtig. Das Bewusstsein für die Vorgänge im Nasennebenhöhlensystem und Aufklärung sind  für  Brenner das A und O, um den Brummton im Kopf Herr zu werden.
Wer ein Experiment wagen und sich selbst schnell und kurzfristig aus der Brummton-Schleife nehmen möchte, dem rät Heinz Brenner, „vor dem Schlafengehen im Schlafzimmer die Sicherung auszuschalten“.

Landratsamt: „Vier Beschwerden in einem Jahr“

Anfrage: Nachdem sich aufgrund des ersten Artikels über den Brummton mehrere betroffene Leserinnen und Leser gemeldet hatten, stellte die HZ eine Anfrage beim zuständigen Gewerbeaufsichtsamt des Landratsamtes Zollernalbkreis, wie viele Beschwerden von Bürgern es diesbezüglich im vergangenen Jahr gab, ob sich diese häufen,  was den Betroffenen geraten, beziehungsweise was unternommen wird.
Antwort: „Das Brummton-Phänomen ist den Behörden seit einigen Jahren bekannt“, teilte die Pressestelle des Landratsamtes daraufhin mit. Und weiter: „Beschwerden in diesem Zusammenhang gibt es aus ganz Baden-Württemberg, weshalb die Landesanstalt für Umwelt in Baden-Württemberg (LUBW), neben den örtlich zuständigen Behörden bei der Erforschung dieses Phänomens maßgeblich beteiligt ist. Die LUBW hat dazu umfangreiche Studien erstellt.
Bilanz: „Im Jahr 2018 hat die Gewerbeaufsicht im Zollernalbkreis in diesem Zusammenhang vier Anfragen erhalten. Vereinzelte Anfragen/Beschwerden bezüglich tieffrequenter Geräusche gab es schon vor dem Jahr 2018. Eine Häufung an Beschwerden ist aus unserer Sicht nicht ableitbar.
Rezept: „Ein pauschaler Rat für Betroffene ist kaum möglich, da die Voraussetzungen und örtlichen Gegebenheiten von Fall zu Fall unterschiedlich sind.“ spa