Sie ist ein barockes Kleinod und das Wahrzeichen Trillfingens: die 1774 erbaute St. Wendelinskapelle. Wie bereits mehrfach berichtet, ist die Kapelle, die der Stadt gehört, aus Sicherheitsgründen seit etwa einem Jahr geschlossen. Eine umfassende Sanierung ist unumgänglich.

Gemeinderat zögert noch

Die Kirchensanierung war erst jüngst Thema im Gemeinderat. Bei der Untersuchung der Kapelle seien Schäden festgestellt worden, deren Behebung zirka 700 000 Euro kosten werde, hieß es in der Sitzung. 50 000 Euro wären kurzfristig nötig, um eine Ausführungsplanung zu erstellen. Die wiederum ist erforderlich, um Fördergelder beantragen zu können.
Aber trotz der Appelle von Bürgermeister Heinrich Götz und Ortsvorsteher Horst Henle hat der Gemeinderat die 50 000 Euro Architektenkosten noch nicht  abgesegnet. Das Gremium plädierte mehrheitlich dafür, die Informationsveranstaltung heute Abend um 18.30 Uhr in der Trillfinger Mehrzweckhalle abzuwarten. Gespannt wird verfolgt, ob sich die Gründung eines Fördervereins abzeichnet, ähnlich wie bei der Sanierung der St. Vituskapelle in Gruol.

Barocke Schätze noch erhalten

Außerdem gehörten Investitionsvorhaben, so die Anmerkung der CDU-Gemeinderatsfraktion, grundsätzlich in die Haushaltsberatung und sollten nicht vorgezogen werden. Alles in allem sandte der Gemeinderat jedoch ein „positives Signal“ nach Trillfingen – erwartet aber auch ein Signal des bürgerschaftliche Engagements zurück.
Die dem Heiligen Wendelin geweihte Kapelle ist ein barocker Schatz, Heimstatt der historischen Schäferzunft Trillfingen, Wahrzeichen des Ortes, Wallfahrt- und Pilgerstätte. Von der barocken Ausstattung sind  außer einigen Bildern noch die 62 Zentimeter hohe Statue des heiligen Wendelin und etwa 300 Jahre alte Orgel – eine der ältesten noch spielbaren Orgeln des Landes.
Die barocken Altäre wurden im 19. Jahrhundert entfernt. Im Jahre 1965 wurde die Kapelle, soweit als möglich, im Geiste ihrer ursprünglichen Gestalt wiederhergestellt. Eine weitere größere Innensanierung fand Ende 1999/Anfang 2000 statt.

Tragwerk muss erneuert werden

Seit einigen Jahren zeigten sich auf der Südseite Risse über die Fassade, vor allem im Bereich des Fensters neben dem Chor. Das Ingenieurbüro Grau, das auf die Sanierung historischer Bauten spezialisiert ist und die Kapelle in Trillfingen untersucht hat, führt die Schäden auf die mangelhafte Konstruktion im Übergang vom Schiff zum Chor zurück und empfiehlt eine Erneuerung des Dachtragwerks. Die Kosten werden auf 400.000 Euro geschätzt.
Vom Diplomrestaurator Schorer wurde die restauratorische Schadenserfassung an Bauteilen der Kapelle vorgenommen. Der Restaurator geht von einem Betrag in Höhe von 109.000 Euro aus.