In der prachtvollen Haigerlocher Schlosskirche war am Sonntag nicht ein Patz mehr frei, als Pfarrgemeinderatsvorsitzender Paul Sauter die Gläubigen und treuen Anhänger der traditionellen Pfingstmesse, die jedes Jahr mit einem erlesenen Musikgenuss aufwartet, begrüßte. Zelebrant und Festprediger war Pfarrer Michael Storost, dem Diakon Franz Haueisen am Altar zur Seite stand.

Mit der Messe in D-Dur des deutschen Komponisten Otto Nicolai (1810 - 1849) warteten der Katholische Kirchenchor, Solisten und das Orchester „ars T instrumental“ unter der Gesamtleitung von Mike Krell mit einem eher unbekannten, dafür aber umso bemerkenswerteren kirchenmusikalischen Kunstwerk auf. Hinführend auf das Hauptwerk ließ Krell das Orchester zunächst das herrliche „Allegro“ aus der Sinfonie Nr. 5 B-Dur von Franz Schubert (1797 - 1828) spielen.

Jubiläum für Werner Rupprecht

Die Messe in D-Dur, die einzig erhaltene Messe Nicolais, besticht durch ihren ungewohnten Facettenreichtum und ihre in den Grundzügen heitere, musikalische Anlage für sakrale Feierlichkeiten. Vielstimmig und in schönem Wechsel von Solisten und Chor sowie Orchester erklang ausdruckstark und kraftvoll das Kyrie, bevor Pauke und Streicher, Klarinetten und Fagotte, Trompeten und Hörner des Orchesters zum festlich-strahlend vorgetragenen Gloria überleiteten. Inbrünstig und intensiv ertönte das Credo, lichtvoll und herrlich folgten Sanctus, Benedictus und Agnus Dei.

Stark gefordert waren die vier Solisten, die dem Kunstgenuss  vollends seine Harmonie und Farbigkeit verliehen. Beate Soltek begeisterte mit ihrem klaren und tragenden Sopran und Christine Kleinman mit ihrer warmen Alt-Stimme. Geschmeidig und sicher modellierte Tenor Michael A.C. Ashcroft die Passagen, getragen vom kraftvollen Bass von Werner Rupprecht. Rupprecht feierte an diesem Pfingstsonntag ein kleines Jubiläum: Er war von Anfang an, also nunmehr zum 50. Mal als Solist an der Haigerlocher Pfingstmesse beteiligt.

Die musikalisch Gesamtleitung lang bei Mike Krell erneut in den besten Händen. Er hatte den  Chor und dessen Solisten sehr gut auf die Festmesse vorbereitet und dirigierte am Sonntag seine Akteure so sicher und mit so viel Schwung und Freude, dass sich alles zu einer einheitlichen und formschönen Klangpracht zusammenfügte. In strahlendem Vibrato und romantisch von der Melodik und Harmonik des Orchesters untermalt versprühten alle Aufführenden strahlende Pfingstfreude und bewiesen in allen Messeteilen, wie emotional ergreifend klassische Kirchenmusik sein kann. Dass das Orchesters „ars T instrumental“, ergänzt durch Bläser, mit der gebotenen Zurückhaltung musizierte, vervollständigte den guten Gesamteindruck.

Während der Kommunion brillierte noch eine Solistin: Klarinettistin Sabrina Michelfeit spielte das Adagio aus dem Konzert für Klarinette A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. Mit dem Hymnus „Te Deum in D-Dur” von Conradin Kreutzer (1780 - 1849) beendeten Chor und Orchester klangprächtig und schwungvoll den erhebenden Festgottesdienst.

Alle Ausführenden durften am Schluss den begeisternden Beifall der Kirchenbesucher sowie eine besondere Anerkennung durch Pfarrer Michael Storost erfahren. Pfarrer Storost hatte zuvor in seiner Predigt das positive Wirken des Heiligen Geistes  für eine bessere Welt hervorgehoben. Der Geist des Pfingstfestes stehe trotz aller Unterschiede zwischen den Völkern für Frieden, Gerechtigkeit, Toleranz und Liebe. Der Pfarrer ermutigte die Gläubigen, Halbwahheiten und „Fake-News“ in der heutigen Gesellschaft entschieden entgegen zu treten.

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Konzerte werden im Rahmen der Haigerlocher Schlosskonzerte 2019 aufgeführt. Als nächstes ist am 23. Juni ebenfalls in der Schlosskirche das „Calmus Enseble“ an der Reihe.