Ein illustrer Kreis aus Künstlern, Kunstfreunden und Literaturinteressenten hatte sich am Samstagabend in Haigerloch zur Eröffnung der dritten „Lesezeichen“-Ausstellung in der Galerie „Die Schwarze Treppe“ eingefunden. Ehrengast war Dr. Lutz Hanssum, der Großneffe von Hermann Hesse, dem diese einmalige Ausstellung gewidmet ist.
Hanssum plauderte munter über seinen berühmten „großen Onkel“. Ganz besonders ging er dabei auf drei Frauen ein, die im Leben des Literaturnobelpreisträgers eine große Rolle spielten, denen der große Literat viel zu verdanken hatte.
Da war zunächst die Mutter des Referenten, Gertrud Hanssum, geborene Gundert, eine Lieblingsnichte von Hermann Hesse, die als einzige einen Schlüssel zur „Casa Rossa“, dem Wohnhaus des Schriftstellers in Montagnola/Tessin oberhalb des Luganer Sees, besaß. Sie hat auch seinen 85. Geburtstag im Jahr 1962 gemanagt und vier Wochen vor seinem Tod das letzte Foto von Hesse an der Steilküste des Luganer Sees gemacht und zwar in schwarz-weiß, weil Hesse nie in Farbe abgelichtet werden wollte.
Eine sehr wichtige Frau in Hesses Leben war auch seine dritte Ehefrau Ninon, geborene Ausländer. „Sie war als begabte Tochter einer jüdischen Rechtsanwaltsfamilie mit ihrer immensen Erfahrung sein Motor und ermöglichte ihm dadurch alles“. Sie nahm auch 1946 an Hesses statt den Literaturnobelpreis in Stockholm entgegen und kurz danach ebenso den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in Frankfurt. „Ohne diese Frau ging nichts“, stellte Hanssum fest.
Die Dritte im Bunde war Adele, die Schwester des Schriftstellers  und Lutz Hanssums Großmutter. Die Pfarrersehefrau aus Strazach-Eckenweiler war eine ausgebildete Malerin. Aus der Zusammenarbeit mit ihr resultiert Hesses immer wieder ins Staunen versetzende Malkunst.
Eine Besonderheit in der eröffneten „Lesezeichen-Ausstellung“ ist eine kleine Sonderausstellung mit Original-Aquarellen und Original-Dokumenten von Hermann Hesse aus einer Privat-Sammlung. Dafür zeigte sich Galerist Hermann-Joseph Speier besonderes dankbar, aber auch für Einblicke in die Hesses Familiengeschichte sowie für die berührenden Lieder, dargebracht von Sopranistin Martina Hanssum, die am E-Piano von Matthias Schon aus Fischingen begleitet wurde.
Der 140. Geburtstag (2. Juli) und der 55. Todestag (9. August) des Literaturnobelpreisträgers sei Anlass für diese „Lesezeichen“-Ausstellung, erklärte Speier. Weil es zugleich der 45. Geburtstag der kleinen Haigerlocher Galerie ist, werden die Arbeiten, allesamt Miniaturen zum Thema Hesse, von 45 Künstlerinnen und Künstlern gezeigt.
Beteiligt an der Ausstellung sind Kunstschaffende aus der Region, aus ganz Baden-Württemberg, von der Insel Sylt, aus der Schweiz, aus dem Elsass sowie aus Noyal-sur-Vilaine, der bretonischen Partnerstadt von Haigerloch.
Eine besondere Freude war es für Speier, auch den Künstler und Ehrenbürger Karl Hurm zu begrüßen, mit dessen Werken vor 45 Jahren die Ausstellungsszene in Haigerloch begonnen habe. Die Bedeutung von Karl Hurm über die Stadtgrenzen hinaus werde deutlich durch eine noch bis 13. August in Künzelsau im Würth-Museum gezeigte Ausstellung, in der die Werke Hurms zwischen der Malerei von Hermann Hesse und Andy Warhol zu sehen sind.

3

Wochen lang ist die Ausstellung „Gedanken zu Hermann Hesse“ in der Galerie „Die Schwarzen Treppe“. Öffnungszeiten bis 16. Juli sind: dienstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr.