Menschen mitten im Kreisverkehr an der Uhinger Allgaier-Brücke? Nicht wenige Autofahrer, die langsam an den Absperrelementen vorbeifahren, werfen einen neugierigen Blick auf die mit Warnwesten, Gartenhandschuhen und Handschaufeln ausgestatteten Männer und Frauen. Herbstzeit ist Pflanzzeit.
Rund zehn Mitglieder der Lokalen Agenda 21 nebst freiwilligen Helfern sind gekommen, um mehr als 900 Pflanzen, Knollen und Zwiebeln in die frische Erde zu setzen. „Mich kann man nicht als Freiwilligen zählen, bin eher zwangsverdingt worden“, scherzt Frank Bartos, während er ein Loch buddelt. Damit Alant, Ehrenpreis, Fetthenne, Perlpfötchen, Witwenblume und Co. im Vierjahreszeiten-Rhythmus wachsen und gedeihen, leisteten Mitarbeiter des Bauhofs mit der Aufbereitung des Bodens wertvolle Vorarbeit. „Die ganze Fläche wurde abgemagert, der alte Boden durch neue Erde mit Humusanteilen und einem Spezialsubstrat ersetzt“, berichtet Martina Bartos von der Lokalen Agenda.
Der Naturschutz ist ein Schwerpunktthema des Arbeitskreises „Umwelt, Energie und Verkehr“ – mit Unterstützung der Stadt rief die Gruppe das Pflanzprojekt „Uhingen blüht auf“ ins Leben. „Damit wollen wir zeigen, wie straßenbegleitendes Grün wieder lebendiger und blühender gestaltet werden kann“, erklärt Werner Lorenz, der wie seine Mitstreiter den vermehrt in den öffentlichen und privaten Flächen vorzufindenden Steinanlagen nichts abgewinnen kann. Sie seien weder schön noch preiswert sowie ohne jeden ökologischen Wert und schränken den Lebensraum der Bienen und Insekten ein, heißt es weiter.
Mit an Bord ist Andreas Naber. Der Leiter der Bauhof-Gärtnergruppe kümmert sich seit 1995 um sämtliche Grünflächen in der Stadt und in den Ortsteilen. Gleichfalls ein fachlicher Zugewinn ist Christine Dragojlovic, die eigens für die Pflanzaktion Mitglied im Arbeitskreis wurde. Bei der Intensivbegrünung mit Bodendeckern, Stauden und Sträuchern wie im „Allgaier-Kreisel“, sei nicht nur die Nährstoffversorgung ein Thema. „Die im Substrat enthaltenen Lavakörner speichern das Wasser, Tonziegel und Split machen den Boden locker“, erklärt die Landschaftsgärtnerin.
Nach dem Motto „die richtige Pflanze am richtigen Ort“, habe man sich für eine vom Bund deutscher Staudengärtner getestete Mischung für öffentliche Grünflächen entschieden, verrät die Expertin. Robuste Pflanzen, die relativ wenig Pflegeaufwand benötigen, kein großes Gießen verlangen, Abgase abkönnen und zu denen sich kaum Unkraut dazugesellt, kurzum – pflegeleicht.
Um es den aktiven Schaffern leichter zu machen, wurde das noch junge Grünzeug auf dem rund 140 Quadratmeter großen Areal gleich an korrekter Stelle positioniert. „Uns ist auch wichtig, dass es nicht statisch, sondern natürlich und lebendig aussieht“, betont Christine Dragojlovovic und beantwortet Ralf Ayrer nebenbei die Frage, wie man die kleinen, dunkelbraunen und unregelmäßig geformten Knollen „unter die Erde bringt“. Weil Anemonen beim Austrieb automatisch nach oben wachsen, sei das egal, erfährt der Sprecher des Arbeitskreises, der zugeben muss, in diesem Umfang noch nie gegärtnert zu haben: „Ich freue mich, dass ich hier noch etwas lernen kann“, meint er schmunzelnd.
Mittlerweile wird rundum gepflanzt wie am Fließband. Die Körperhaltung der vorwiegend älteren Hobbygärtner ist so unterschiedlich, wie das zu erwartende Blumenmeer: Gebeugter Rücken, in der Hocke oder direkter Bodenkontakt auf einem oder beiden Knien – auch Gertraud Lücke arbeitet so, wie es ihre Gesundheit zulässt. Die Uhingerin kam spontan zu dem Pflanzprojekt, animiert habe sie der Biologe Dirk Lederbogen vom Nabu. „Ich sehe das als positiven Beitrag für die Stadt Uhingen“, findet die Seniorin und ist insofern mit Herzblut dabei.

Pflanzversuch wird drei Jahre lang begleitet

Über einen Zeitraum von drei Jahren wird der Pflanzversuch von der Agenda 21 nicht nur betreut, sondern obendrein in einem Protokoll dokumentiert. Darüber hinaus werden die Kosten für Anschaffung und eventuelle Nachpflanzung, der zeitliche Aufwand sowie den Nutzen für Mensch und Tier festgehalten. Wer sich daran beteiligen oder auf andere Art und Weise mithelfen möchte, meldet sich bei Martina Bartos, Telefon: 07161 – 9380-133 oder E-Mail: martina.bartos@uhingen.de