Nach zwei Jahren unter erschwerten Bedingungen will die Göppinger Vesperkirche am 6. Januar wieder unter „normalen“ Bedingungen durchstarten – ohne Corona-Auflagen. Zumindest nach jetziger Planung. Die Pandemie hatte der Hilfsaktion, die die Wohnungslosenhilfe „Haus Linde“ in Zusammenarbeit mit der Göppinger Verbundkirchengemeinde und der Wilhelmshilfe auf die Beine stellt, weniger Besucher beschert als üblich.
Nun rechnet Wolfgang Baumung, der Leiter der „Linde“, eher mit einem vollen Haus. Die Sorgen und Nöte der Menschen seien groß in diesen Zeiten mit Krieg und Inflation, das zeige auch die Entwicklung bei den Tafelläden, die völlig überrannt werden, sagt Baumung, der bei der Organisation der Vesperkirche den Hut aufhat. „Wir hoffen, dass die Zahl der Gäste nicht zu extrem zunimmt.“ Sowohl vom Platz als auch vom ehrenamtlichen Personal her stoße die Aktion irgendwann an Grenzen.

Bei 200 Essen wird es eng

„Wir fangen am ersten Tag mit 150 Essen an“, wirft der Leiter des „Haus Linde“ einen Blick auf den 6. Januar. In den Vor-Corona-Jahren kamen durchschnittlich 180 Menschen pro Tag in die Stadtkirche, an Spitzentagen auch mal 280. „Das wird aber dauerhaft schwierig. Bei allem, was über 200 Essen liegt, stoßen wir an die Kapazitätsgrenzen.“
Auch wenn die Zahl der Gäste in diesem Jahr eine große Unbekannte ist, die Freude auf die Aktion ist groß. „Gemeinsam an einem Tisch“ lautet das Motto der Vesperkirche – „eine besondere Gemeinschaft auf Zeit, eine Gemeinschaft, die auf Solidarität und Gerechtigkeit basiert“, fasst Wolfgang Baumung zusammen. Die Stadtkirche soll für sechs Wochen einmal mehr ein Ort der Begegnung werden, ein Ort, an dem Menschen zusammen essen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären. Außer einer warmen Mahlzeit gibt es wie jedes Jahr Nahrung für die Seele in Form einer kleinen Andacht. Sie soll den Menschen, die es gerade nicht leicht haben, wieder Mut machen.

Weg von den großen Tafeln

Eines wird aus der Corona-Zeit übernommen: „Wir lassen die kleinen Tischgruppen so stehen, gehen weg von den großen Tafeln, die wir vorher hatten.“ Einen kleinen Obolus von zwei Euro müssen die Besucher für die warme Mahlzeit bezahlen. Eine Preiserhöhung werde es aber nicht geben, auch wenn die Preise für Lebensmittel in die Höhe geschnellt sind und wegen der Energiekrise das Heizen der Kirche mehrere hundert Euro am Tag verschlingt (die Kosten trägt die Gesamtkirchengemeinde). Baumung hat in diesem Zusammenhang auch noch eine gute Nachricht: Die vergangene Vesperkirche sei finanziert, „wir müssen nichts drauflegen. Das ist eine tolle Solidarität in der Bevölkerung“.
Auch wenn Corona nicht mehr die ganz große Rolle spielt, wollen die Organisatoren Vorsicht walten lassen. Wer freiwillig eine Maske tragen möchte, könne dies selbstverständlich tun, sagt der Leiter der „Linde“. Bei Erkältungssymptomen stünden Tests für die 78 ehrenamtlichen Helfer zur Verfügung, denen Wolfgang Baumung ein dickes Lob ausspricht: „Für die Vesperkirche braucht es die Mitarbeiter. Wir haben ein gut aufgestelltes Team. Die machen das toll.“ Wichtig sei, dass die Vesperkirche da ist, weil sie für immer mehr Menschen unverzichtbar sei. „Wir sind eine Stimme für die Armen“, betont Wolfgang Baumung. „Armut, die auch im Kreis Göppingen immer mehr zunimmt.“

Start am 6. Januar mit einem Gottesdienst

Auftakt Zum Start der Vesperkirche findet am Freitag, 6. Januar, wieder ein Gottesdienst in der Göppinger Stadtkirche statt. Er beginnt um 10 Uhr.
Kuchenspenden sind wie jedes Jahr willkommen. Die Kuchen können am Vormittag zwischen 10 und 12 Uhr im Pavillon der Stadtkirche abgegeben werden, auf Kuchen mit Sahne oder rohen Eiern sollte jedoch verzichtet werden. Eine Terminvereinbarung ist unter Telefon (07161) 686834 möglich.
Spendenkonto: Haus Linde e.V. DE10 6105 0000 0000 5872 48, KSK Göppingen.