„Das Schicksal und die Angst kommt über Nacht.“ So beginnt nicht nur Danielas Barthles Lieblingssong, sondern auch ihre Erkrankung.
Zunächst war es nur die Müdigkeit. Sie habe sich abgekämpft, schwach und erschöpft gefühlt. Da sie gleichzeitig ihren schwer behinderten Sohn sowie den krebskranken Vater pflegte, habe sie all das aber auf den schlauchenden Alltag als pflegende Angehörige und die Sorge um den kranken Vater geschoben. Als ihr Vater starb und ihr Zustand sich verschlechterte, führte die 54-Jährige das auf die Trauer zurück.
Bei einer Routine-Untersuchung fielen dann erstmals ihre schlechten Blutwerte auf. Beim nächsten Check waren sie alarmierend. „Sofort in die Onkologie“, hieß es damals, erzählt Daniela Barthle, die nach einer Punktion noch erschöpft in ihrem Krankenbett auf der Isolationsstation im Stauferklinikum liegt und erzählt: Zunächst war nur die Rede von einer MDS, einer schleichenden Blutkrankheit, die oft erst nach Jahren therapiebedürftig wird. Dann im Dezember kam der Schock: Die Blutwerte waren massiv abgefallen, eine aggressive Form der Leukämie hatte sich rasch entwickelt. „An Heiligabend bekam ich die erste Chemotherapie“, erzählt Barthle, „ohne Schleife dran“, fügt sie scherzhaft hinzu.

„Ach, wenn es bloß das ist“

Schwestern kommen in den Raum, messen den Blutdruck, hängen eine Infusion an. Auf die Frage, ob sie Schmerzen von der Punktion oder der Chemo habe, antwortet sie immer gleich:. „Ach, wenn es bloß das ist“. Doch es ist eben nicht nur das.
Seit Ende Dezember liegt sie isoliert auf der onkologischen Station. Bald folgt der Wechsel nach Ulm. Vor der Zeit dort hat sie große Angst. Mindestens 40 Tage in Komplett-Isolation stehen ihr bevor. Ihr Leben wurde auf Pause gesetzt. Die Chemo, die sie am Ulmer Uniklinikum bekommen soll, sei wesentlich aggressiver. Das Ziel ist eine sogenannte „Komplettremission“ – alle leukämischen Zellen sollen zerstört werden. Prof. Dr. Holger Hebart ist seit 2005 als Chefarzt am Zentrum für Innere Medizin am Stauferklinikum in Mutlangen tätig und kennt Daniela Barthles Krankheitsgeschichte. Für ihn ist klar: Bekommt Barthle eine Stammzellenspende, stehen die Chancen gut. „Man kann sagen: Wir transplantieren dann ein neues Immunsystem“ erklärt der Chefarzt. Das neue Immunsystem soll dann in der Lage sein, die Leukämie zu kontrollieren. „Das Ziel ist ganz klar die Heilung“, macht Hebart klar.

Sohn hat Pflegegrad 5

Auch Daniela Barthle ist zuversichtlich. Wenngleich ihr die Situation zusetzt. „Getrennt von meinen Kindern und meinem Mann zu sein, nicht zu wissen wie lange – das ist hart“, sagt sie und versucht dennoch Stärke zu zeigen. Ihre Kinder sind 31 und 22 und ihr genauso wie ihr Mann eine große Stütze. Doch das Leben der Familie wurde über Nacht auf den Kopf gestellt. Ihr Mann Stefan Barthle arbeitete im eigenen Getränkehandel während sie sich seit knapp 32 Jahren um den schwer behinderten Sohn kümmerte. „Das mache jetzt alles ich – kochen, waschen, putzen“, erzählt Stefan Barthle. Permanent begleitet von der Angst um seine Frau, der Sorge um die Zukunft der Familie und Existenzängsten. Er gehe vom davon aus, das seine Frau mindestens ein Jahr im Krankenhaus bleiben müsse.
Auch für den behandelnden Arzt Prof. Dr. Hebart ist klar, dass Leukämie-Erkrankungen für die Betroffenen und deren Familien gravierende Auswirkungen haben. So seien auch die wirtschaftlichen Aspekte zu beachten, die meisten Erkrankten können für Monate nicht mehr ihrer Erwerbsarbeit nachgehen. Dazu komme die emotionale Komponente „Das ist eine akute Überlebensangst und eine fundamentale Erschütterung, die die Patienten da erfahren“, weiß Hebart von seinen Patienten. So spiele auch der psychosoziale Dienst eine wichtige Rolle bei der Behandlung.

Spende ist die einzige Chance

Oft bleibt eine Spende die einzige Chance auf Heilung. Hebart ruft dazu auf, sich bei der DKMS registrieren zu lassen. Über www.dkms.de/fuerdaniela haben Freunde und Familie gemeinsam mit der DKMS eine Spendenaktion unter dem Titel „Held:in für Daniela gesucht“ ins Leben gerufen. Unter dem Link kann jeder Spendenwillige sich registrieren lassen und erhält im Anschluss ein kostenloses Test-Kit für eine Speichelprobe nach Hause. Wer als Spender in Frage kommt wird dann von der DKMS kontaktiert. „Das ist heute ein sicheres Verfahren, von dem wir wissen, dass die Spender nicht geschädigt werden. Für den Empfänger ist die Chance einer Heilung groß“, erklärt der Chefarzt. 128 potenzielle Spender haben sich über Daniela Barthles Aktion bereits registrieren lassen.
Für Daniela und Stefan Barthle ist klar: „Die Spende ist nicht nur für uns, sondern auch für andere“. Immerhin erhält alle 12 Minuten ein Mensch die Diagnose Blutkrebs. „Es kann jeden treffen“, weiß die Böbingerin aus leidvoller Erfahrung. Sie zeigt sich überwältigt von der Hilfsbereitschaft von Freunden, Bekannten und sogar von Fremden.
„Wunder geschehen“ lautet der Titel von Daniela Barthles Lieblingssong. Die Böbingerin habe sich ihr ganzes Leben lang um andere gekümmert, sagt ihr Mann. „Jetzt bin ich dran und brauche Hilfe“, sagt sie und schafft es diesmal nicht die Fassung zu wahren.