Domenico Iacovelli redet nichts schön: „Zufrieden ist bei uns sicher keiner“, sagte der Schuler-Vorstandsvorsitzende gestern bei seinem ersten Jahrespressegespräch im elften Stock des Schuler-Towers. Der Pressenbauer hat im Geschäftsjahr 2018 den Auftragseingang zwar erstmals seit acht Jahren wieder gesteigert – und zwar um zehn Prozent. Zu schaffen machen den Göppingern aber steigende Kosten für Energie, Material und Personal durch entsprechende Tarifabschlüsse. Zudem belasten der zunehmende Preisdruck der Kunden, Investitionszurückhaltung bei eher kleineren Projekten und internationale Handelskonflikte das Ergebnis des Pressenherstellers erheblich: Das Betriebsergebnis EBITA fiel auf 45,3 Millionen Euro, im Vorjahr waren es noch 111,9 Millionen gewesen. Auch beim Konzernergebnis nach Steuern musste Schuler mächtig Federn lassen: Hier erreichte der Pressenhersteller 13,5 Millionen Euro (Vorjahr 67,4 Millionen).

Profitabilität weit unter den Erwartungen

Finanzvorstand Norbert Broger konnte trotz der düsteren Zahlen dem Ganzen noch etwas Positives abgewinnen: „2018 war operativ und strategisch ein sehr anspruchsvolles Jahr. Umso wichtiger ist es, dass wir den negativen Trend im Auftragseingang wieder drehen konnten.“ Dies sei allerdings „nur zum Teil geglückt“, räumte Iacovelli ein, der seit April vergangenen Jahres auf dem Chefsessel bei Schuler sitzt. Die Profitabilität liege weit unter den Erwartungen, auch beim Umsatz konnten die Göppinger nicht zulegen. Dieser lag allerdings trotz des Ende 2017 noch schwachen Auftragsbestands mit 1,2 Milliarden Euro nahezu auf dem Niveau des Vorjahres – vor allem dank des China-Geschäfts, wo Schuler ein „extremes Wachstum“ verzeichnete, erklärte Broger. Die Probleme der deutschen Automobilindustrie und der Umbruch der Branche, auch im Hinblick auf E-Mobilität, machen natürlich auch vor den Göppingern nicht Halt: „Das wirkt sich auf Schuler aus. Wir sind sehr stark abhängig von den Premiumkunden“, machte der Finanzvorstand deutlich.

Zu Sparmaßnahmen gezwungen

Die mangelnde Rentabilität habe die Manager im vergangenen Jahr zu Sparmaßnahmen gezwungen: „Wir haben uns von Verlust behafteten Produktgruppen getrennt, das wird auch so weitergehen“, sagte Domenico Iacovelli. Die Sparten Verpackung und Großrohre wurden abgestoßen. Zudem wurden der Vorstand und der Verwaltungsapparat verschlankt und international Personal abgebaut. Durch Zukäufe in Italien und Zwickau blieb die Zahl der Mitarbeiter mit weltweit 6575 zwar im Vergleich zum Vorjahr konstant, in Deutschland fielen aber 43 Stellen weg, am Stammsitz in Göppingen waren es 33. Hier gibt es derzeit 1350 Beschäftigte.
Iacovelli und Broger gaben gestern vor den Journalisten eine klare Marschrichtung vor, um den Pressenhersteller wieder auf Kurs zu bringen: „Wir werden Schuler konsequent auf neue Märkte, digitale Geschäftsmodelle und die rentablen Kerngeschäftsfelder ausrichten“, kündigte der Vorstandsvorsitzende an. Bereits 2018 habe man angefangen, Schuler dynamischer zu machen und am Kundenbedarf orientierte Innovationen schneller an den Markt zu bringen. Iacovelli betonte auch, dass sich Schuler in Zukunft verstärkt im mittleren Preissegment engagieren und sich so unabhängiger von den Premiumkunden machen will. Kosten wollen die Göppinger auch dadurch sparen, dass man Kunden in niedrigeren Preiskategorien auch günstiger produzierte Produkte anbietet: „Teures Over-Engineering soll der Vergangenheit angehören.“
Auch der Service sei neben dem Bereich Automotive eine wichtige Säule bei Schuler. Das weltweite Service-Netzwerk soll auch in Deutschland ausgebaut werden. Der Schuler-Vorstand setzt zudem auf die Lokalisierung: Bei der Produktion in China und Brasilien will der Pressenbauer Kosten sparen.

Trendwende bei Auftragseingang

Alles in allem sehen Iacovelli und Broger Schuler auf einem guten Weg: Die Trendwende beim Auftragseingang sowie die eingeleiteten Einschnitte lassen die Manager zuversichtlich nach vorne schauen, mittelfristig wieder bessere Ergebnisse erreichen zu können – auch wenn  2019 „unverändert herausfordernd“ bleiben wird, so Broger. Mittelfristig gibt der Vorstand das Ziel aus, „Best in Class“ in allen Segmenten und der erste weltweit tätige digitalisierte Pressenbauer werden zu wollen.
Eine gute Nachricht hatte der Vorstandschef am Ende doch noch: Schuler verfügte Ende 2018 nach wie vor über eine im deutschen Maschinen- und Anlagenbau überdurchschnittlich hohe Eigenkapitalquote von 40,1 Prozent. „Das ist für einen Mittelständler eine solide, gute Basis“, sagte Iacovelli. Sie lasse Spielraum für ausreichend Liquidität. „Und wir haben genügend Puffer für Akquisitionen und um wirtschaftlich schwierige Zeiten zu überbrücken.“

Joint-Venture mit Porsche gegründet

Neue Maßstäbe In Deutschland baut Schuler zusammen mit Porsche das weltweit wohl modernste Presswerk für die digitalisierte Automobilproduktion der Zukunft, heißt es in einer Pressemitteilung. Baubeginn soll Mitte dieses Jahres sein. Der Betriebsbeginn ist für 2021 im Einzugsbereich des Porsche-Werks Leipzig geplant. „Die Gründung des entsprechenden Joint-Ventures beider Unternehmen unter dem Namen Smart Press Shop ist perfekt“, sagte Schuler-Vorstandsvorsitzender Iacovelli. „Das neue Presswerk wird sowohl bei der Leistungsfähigkeit in der industriellen Fertigung als auch bei der digitalen Vernetzung der Datenströme im Produktionsprozess neue Maßstäbe für die Automobilindustrie setzen“, erklärte er. Der neue Smart Press Shop soll insbesondere das Porsche-Werk in Leipzig mit geringem logistischem Aufwand und möglichst niedrigen ökologischen Belastungen mit Karosserieteilen versorgen.