Sie klagen in der Schule über monotones Wiederholen des Unterrichtsstoffs, ein zu langsames Lerntempo und zu leichte Aufgaben. Wird die Unterforderung und Langeweile zu groß, können diese Kinder zu Störenfrieden, emotional unausgeglichen oder gar aggressiv werden und in letzter Konsequenz den Kita- oder Schulbesuch vermeiden. Die Psychologin Regine Lang vom Tübinger Institut für Hochbegabung hat bei der Herbstveranstaltung des Landesverbands Hochbegabung Baden-Württemberg über das Thema „Identifizierung und Förderung von hochbegabten Kindern“ gesprochen. Mitgliedsfamilien aus allen Teilen des Landes waren in die Evangelische Akademie Bad Boll gekommen, um sich über Hochbegabung zu informieren und sich auszutauschen, teilt der landesweit tätige Verein, der auch in Göppingen eine Elterngruppe betreibt, mit.

Wenig Schlaf, große Eigenwilligkeit

Kernstück der ganztägigen Veranstaltung war der Vortrag der Tübinger Expertin. Bereits als Neugeborene weisen Kinder, die sich später als überdurchschnittlich begabt herausstellen, Besonderheiten auf. So suchen sie häufig schon als Babys intensiven Blickkontakt und schreien, wenn es nichts zu sehen gibt, erklärte Regine Lang. Ein oftmals geringes Schlafbedürfnis und in späteren Jahren eine große Eigenwilligkeit und die Ablehnung jeglicher Art von Zwang und Einengung seien nicht nur für die Eltern, sondern auch für Erzieherinnen und Lehrer eine Herausforderung.
Früher Spaß am Lernen, eine gute Beobachtungsgenauigkeit, überragende Lern- und Begriffsleistungen, ein außergewöhnliches Gedächtnis sowie ein hohes Lerntempo bei für sie interessanten Aufgaben seien weitere Wesensmerkmale hochbegabter Kinder. Ein schneller, früher Spracherwerb, die richtige Anwendung komplizierter Sprachregeln, die intensive, freiwillige Beschäftigung mit Symbolen sowie eine hohe Sensibilität seien zudem Auffälligkeiten, die Eltern und Pädagogen im Blick behalten sollten. Letztlich könne jedoch nur ein anerkannter IQ-Test Aufschluss darüber geben, ob ein Kind wirklich hochbegabt ist.
Im Anschluss an den Vortrag der Expertin haben sich die Mitglieder untereinander und mit dem Vorstand des Vereins ausgetauscht. Für die Kinder gab es währenddessen ein abwechslungsreiches Programm. Am World Cleanup Day sammelten die Jungen und Mädchen Müll in Bad Boll, wanderten im „Sinneswandel“ oder tobten sich beim Brett- und Kartenspiel aus.

Info Das nächste Treffen der Elterngruppe Göppingen findet am Donnerstag, 3. November, um 19.30 Uhr im Bürgerhaus in der Kirchstraße statt. Weitere Infos unter www.lvh-bw.de