Besucher können nicht mehr durch den Torbogen schreiten, doch ein Blickfang ist das stattliche Portal aus Natursteinen allemal. „Es ist ein blinder Eingang“, erklärt Sabine Reisenauer. Hinter dem verschlossenen Tor befinde sich der Sattelraum ihres Gestüts. Der Bogen mit dem restaurierten Schlussstein von 1732 war Teil einer Mauer, die den früheren Charlottenhof in Uhingen umgab. Reisenauer kaufte das verfallene Anwesen vor rund zehn Jahren und errichtete an seiner Stelle das Gestüt Sonnenschein.
Der Wiederaufbau des alten Torbogens ist der erste Teil eines umfangreicheren Verweises auf den verschwundenen Charlottenhof. Im nächsten Jahr will Sabine Reisenauer eine Stirn- und eine Längsseite des Stalls mit Natursteinen verkleiden lassen und damit an die historische Mauer erinnern. Die erneute Errichtung des markanten Steinbauwerks hatte die Pferdezüchterin nach dem Kauf des Hofs angekündigt, und sie erfüllt damit einen Wunsch der Stadt Uhingen.

Flugblatt im Juni verkündete Skandale

An dem Wiederaufbau der Mauer hatte der Verfasser eines Flugblatts gezweifelt. „Warum wurde die denkmalgeschützte Mauer bis heute nicht neu gebaut, wie die Stadtverwaltung und der Bürgermeister Wittlinger damals versprochen hatten“, fragt Ergün Küm auf dessen Rückseite. Die Vorderseite prangert „Noch mehr Skandale in Uhingen“ an. Das Flugblatt war in der Stadt verteilt und Anfang Juni als Banner am Zaun des Gestüts Sonnenschein befestigt worden: „Ich habe es am Pfingstmontag bei meiner Morgenrunde abgehängt“, berichtet Reisenauer. Sie vermutet, dass die Plakate bewusst an dem langen Wochenende angebracht worden waren, damit sie möglichst viele Ausflügler sehen: Der Charlottensee nahe des Gestüts ist ein beliebtes Naherholungsziel.

Verkleidung der Wände kostete etwa 160.000 Euro

Der Bürgermeister betrachtet den Wiederaufbau des Torbogens als Beleg dafür, dass die Pferdezüchterin ihre Ankündigung wahr macht – zumal sie dazu gar nicht verpflichtet ist. „Die Mauer stand nicht unter Denkmalschutz“, sagt Matthias Wittlinger. Die Stadt könne die erneute Errichtung des Bauwerks nicht verlangen, da es sich um Privatbesitz handelt. Das Stadtoberhaupt erinnert  daran, dass der Wiederaufbau auch eine Frage des Geldes ist: Sabine Reisenauer zufolge hat allein der Aufbau des Torbogens samt Restaurierung des Schlusssteins rund 12 000 Euro gekostet. Für die Verkleidung der beiden Wände geht sie von Kosten zwischen 150 000 und 160 000 Euro aus.
Doch nicht nur das Geld spielt bei dem Vorhaben eine Rolle, sondern auch Handwerkskunst und Zeit. „Es war gar nicht so einfach jemand zu finden“, berichtet die Pferdezüchterin. Ein Steinmetz aus Holzmaden habe den Schlussstein restauriert, zwei andere aus Esslingen den Torbogen gesetzt. Der bestehe zu etwa zwei Dritteln aus alten Steinen, die um ein Drittel an jüngeren Steinen ergänzt wurden. „Es ist eine Puzzlearbeit“, sagt Reisenauer. „So ein Projekt kann man nicht in sechs Wochen machen“, glaubt Matthias Wittlinger. Die Besitzerin des Gestüts gehe eben Schritt für Schritt vor.

Wittlinger lobt: „Frau Reisinger ist ein Glücksfall“

Der Bürgermeister ist mit der Entwicklung auf dem Gelände des früheren Charlottenhofs zufrieden. „Frau Reisinger ist ein Glücksfall“, sagt er. Die Pferdezüchterin modernisiere den Ort, ohne die Historie dabei zu vergessen. „Was sie hier vorfand, war eine Bauruine“, erinnert Wittlinger an den schlechten Zustand des Hofs.
Einige Überbleibsel des fast 300 Jahre lang bestehenden landwirtschaftlichen Betriebs von einst werten das Gestüt Sonnenschein künftig auf. Um die Wirkung des Torbogens und der steinernen Einfassung als Blickfang weiß die Eigentümerin: „Durch die Mauer bin ich damals erst auf das Gebäude aufmerksam geworden“, sagt Reisenauer.