Die Positionen seien sehr weit auseinander bei den aktuell laufenden Tarifverhandlungen im privaten Omnibusgewerbe. So schilderte es die Gewerkschaft Verdi jetzt bei einer Pressekonferenz in Göppingen nach einer ersten Runde, die am 18. Januar in Böblingen stattgefunden hatte und am 7. Februar ihre Fortsetzung finden wird. Die Vertreter der Dienstleistungsgewerkschaft sehen auch die Kommunen in der Pflicht, wenn es darum geht, bessere Bedingungen für die Busfahrer zu schaffen und damit den Beruf attraktiver zu machen. Die Gewerkschaft fordert eine Erhöhung des Stundenlohns um 5,8 Prozent.

Kein konkretes Angebot

Verhandlungsführer Andreas Schackert, Fachbereichsleiter Verkehr bei Verdi Baden-Württemberg, begründet die Forderung auch vor dem Hintergrund eines Fachkräftemangels und drohender Abwanderung. Enttäuscht zeigt sich Schackert, dass die Arbeitgeber kein konkretes Angebot vorgelegt hätten.
„Schlicht nicht finanzierbar“ finden diese dagegen die Forderung angesichts stagnierender Einnahmen, verschärften Wettbewerbs und neugestalteter ÖPNV­-Finanzierung im Land. Dass Verdi bei der Forderung auch auf die Zahlungen der kommunalen Verkehrsbetriebe Bezug genommen habe, finden die Arbeitgeber „inakzeptabel“, da sich diese nicht dem Wettbewerb stellen müssten. Die Gewerkschaft stelle damit die Existenzberechtigung privater Omnibusunternehmen in Frage, so Yvonne Hüneburg, stellvertretende Geschäftsführerin des Verbands Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer (WBO). Die Tarifreferentin des WBO hatte zusammen mit Eberhard Geiger die Verhandlungen in Böblingen geführt. Geiger ist Vorsitzender der Tarifkommission der Arbeitgeber und könnte als OVG-Geschäftsführer den Landkreis als einen der Streikorte wahrscheinlich machen. „Es ist schlicht falsch, die Situation der privaten mit der der kommunalen Omnibusunternehmen gleichzusetzen.“

„Wir wollen nicht die Bevölkerung bestrafen.“

Sondierungsgespräche hatten am 18. Januar in Böblingen ergebnislos geendet. Jetzt scheinen beide Seiten mit Streiks zu rechnen. Diese würden aber angekündigt, verspricht Andreas Schackert: „Wir wollen nicht die Bevölkerung bestrafen“. „Streikmaßnahmen werden auf dem Rücken der Fahrgäste ausgetragen. Die Leidtragenden wären wieder einmal insbesondere Schüler, ältere Menschen und Berufspendler“, betont dagegen Yvonne Hüneburg.
In der Verantwortung sehen die Verdi-Vertreter auch die öffentliche Hand, die im Kreis Göppingen keine eigenen Verkehrsbetriebe unterhält. Hier könnten Ausschreibungsbedingungen zur Streckenvergabe an private Unternehmen entsprechend gestaltet werden, sagt Gewerkschaftssekretär Ralf Brückner vom Verdi-Bezirk Fils-Neckar-Alb. Denn mitunter würden Dumpingunternehmen „etablierte, ordentliche Betriebe“ aus der Gegend unterbieten oder auch Töchter großer Konzerne, die Verluste über Querfinanzierungen auffangen könnten, mischten mit.
Die insgesamt schwierigen Bedingungen führten dazu, dass Fahrer abwanderten, obwohl in Baden-Württemberg die höchsten Löhne der Branche gezahlt werden, sagt Schackert. Auch die Industrie sei ein Konkurrent, zumal es dort geregelte Arbeitszeiten gebe. „Wir müssen auch im Auge haben, was drumrum passiert“, sagt der Gewerkschafter.

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Die Branche im Überblick

Zahlen Laut Verdi gibt es rund 9000 Beschäftigte im Busverkehr des Landes. Mit 120 Beschäftigten gehöre die OVG zu den größeren. Die übliche Größe sei 20 bis 60 Beschäftigte.
Struktur Die Branche ist sehr heterogen. Neben Familienunternehmen gibt es auch Töchter großer Konzerne, wie etwa der Deutschen Bahn. Die Lohnkosten machten über 50 Prozent der Ausgaben der Firmen aus. In größeren Städten des Landes gibt es kommunale Busbetriebe, der Rest – wie in Göppingen – wird durch private Busunternehmer bestritten. rai