Der Arbeitskreis "Stadtentwicklung und Verkehr" der Lokalen Agenda hat sich zur Zukunft des Apostel-Areals zu Wort gemeldet. Nach der vor einigen Wochen vermeldeten Nachricht, dass der Investor im Kopfbau an der Marktstraße wieder ein Hotel betreiben will, hegen die etwa 15 Mitglieder des Arbeitskreises die Hofnung, das historische Hotelgebäude doch noch zu erhalten und den Abbruch abzuwenden. In einem entsprechend umgestalteten Altbau lasse sich die Geschichte des Hauses und der Stadt präsentieren - was zur Atmosphäre und zum wirtschaftlichen Erfolg des Hotels beitragen könne, sagten mehrere Arbeitskreis-Mitglieder bei einem Pressegespräch.

Das Apostel-Hotel ist einst die Nobel-Unterkunft der Stadt und sein Saal später der Kristallisationspunkt des gesellschaftlichen Lebens gewesen. Diese Göppinger Historie biete auch in Zukunft die Chance auf langfristigen Erfolg als "Themen-Hotel", glauben die AK-Mitglieder. Durch den historisch-lokalen Bezug würde es sich von Standard-Herbergen abheben, meinte AK-Mitglied und Architektur-Professor Erwin Herzberger. "Das wäre ein Gewinn für die Stadt und für die Bauherren", sagte Friedemann Messer vom AK.

Auch der Gestaltungsbeirat der Stadt - ein unabhängiges Expertengremium - hatte ein Konzept befürwortet, in dem das Apostel-Hotel als identitätsstiftender und maßstabsgerechter Baustein aufgenommen wurde.

Im April war die Stadtverwaltung in einer Pressekonferenz mit den Investoren von der Nachricht überrascht worden, dass die Bauherren im zweiten Abschnitt ein Hotel mit 80 bis 120 Zimmern etablieren wollen. Das schürte auch bei Baubürgermeister Helmut Renftle die Hoffnung, dass der Erhalt des Altbaus noch möglich ist. Florian Nanz, Geschäftsführer der Nanz-Stiftung, hatte damals allerdings erneut betont, dass sich das Projekt für die Investoren rechnen müsse. Weitere Prüfungen wurden angekündigt.

Am Montag sagte Florian Nanz der NWZ, es seien noch keine Entscheidungen gefallen: "Wir sind auf der Suche nach Mietern". Man stehe in regem Kontakt mit der Stadt wegen des Bebauungsplans und habe Makler eingeschaltet. "Der Betreiber des Hotels bestimmt, was passiert", meinte Nanz mit Blick auf das Apostel-Gebäude. Man werde den Bemühungen der Bevölkerung, das historische Hotel architektonisch wiederzufinden, so gut wie möglich entgegenkommen. Er sagte aber auch, das derzeitige Hotelgebäude sei marode. "Wenn es wirtschaftlich gar nicht geht, dann geht es nicht".

Die Bürger werden vorerst nicht zu ihrer Meinung über die Ausgestaltung des Apostelareals gefragt. Eine solche unverbindliche Bürgerbefragung hatte der Gemeinderat zwar im Dezember mit denkbar knapper Mehrheit beschlossen. Die Stadtverwaltung bat daraufhin aber beim Stuttgarter Regierungspräsidium um Rat, ob dies rechtlich möglich wäre. Jetzt liegt die Antwort auf diese Anfrage vor: Weil es sich um ein Vorhaben zweier privater Gesellschaften handele (Städtische Wohnbau im ersten Bauabschnitt und Nanz-Stiftung im zweiten Teil) seien die Voraussetzungen für eine solche Befragung zunächst nicht gegeben, bestätigte das Regierungspräsidium am Montag. Unter Umständen wäre ein möglicher Weg zu einer Bürgerbefragung aber ein Weisungsbeschluss an die Gesellschafterversammlung, teilte Nadine Hilber, Sprecherin des Regierungspräsidiums, mit. Das RP habe der Stadtverwaltung geraten, einen solchen Weisungsbeschluss in eigener Zuständigkeit zu prüfen.

Die beiden Bauabschnitte

Wohnbau Den ersten Abschnitt baut die städtische Wohnbaugesellschaft (WGG) an der Ecke Schützenstraße/Geislinger Straße. Dort werden neben einem Edeka-Markt auch 33 Wohnungen errichtet.

Nanz-Stiftung Der zweite Abschnitt umfasst das Gelände des heutigen Apostel-Hotels und die dahinter liegenden Gebäude sowie die ehemaligen MCC-Kinos. Nach derzeitigem Stand der Dinge sollen dort ein Hotel mit bis zu 120 Zimmern, 1600 Quadratmeter Einzelhandelsfläche und weitere 28 Wohnungen gebaut werden.  

Ein Kommentar von Arnd Woletz: Überschrift des Kommentars

Eine vom Gemeinderat beschlossene Bürgerbefragung zur Gestaltung der geplanten Apostelhöfe ist aus rechtlichen Gründen vorerst vom Tisch. Die Debatte um das künftige Stadtbild auf diesem zentralen Gelände wird aber wohl bis zum Baubeginn nicht verstummen. Zu diesem Schluss muss man kommen, wenn man sieht, wie kontrovers vor allem die Zukunft des Apostel Hotels seit langem auch in der Öffentlichkeit diskutiert wird.

Im Frühling sprachen sich die unabhängigen Profis vom Gestaltungsbeirat für einen Erhalt des historischen Gebäudes aus. Zuletzt meldete sich der aus engagierten Bürgern bestehende Arbeitskreis Stadtentwicklung mit Lösungsvorschlägen zu Wort. Sie eint die Hoffnung auf den Erhalt eines weiteren stadtbildprägenden Hauses, das zudem kulturhistorische Bedeutung hat. Dem gegenüber stehen jedoch die Investoren aus Stuttgart, die verständlicherweise immer wieder den Zwang zur Wirtschaftlichkeit betonen.

Eine Chance für den sanierungsbedürftigen Altbau ergibt sich erst dann, wenn bei den Bauherren und ihren Mietern die Erkenntnis reift, dass sich beides nicht zwangsläufig ausschließt: Ein Gebäude, das Kunden anlocken soll, lebt auch davon, dass die Bürger sich damit identifizieren und die architektonischen Gene ihrer Stadt wieder finden. Vielleicht liegt darin der Knackpunkt: In Göppingen wurde schon viel baugeschichtliche Identität zerstört. Es mangelt an positiven Beispielen.