Wer im 17. Jahrhundert in Gussenstadt zu den großen Bauern zählte, bewirtschaftete 30 bis  40 Hektar Land, konnte sich aber lediglich  fünf Kühe, zwei Kälber und  ein Schwein halten. Mit diesen erstaunlich geringen Viehbeständen wartete der Leiter des Geislinger Arbeitskreises für Familien- und Ahnenforschung, Willi-Martin Jäger, unlängst in einem Vortrag im Ursulastift auf. Zurückzuführen sei die geringe Zahl an Tieren  auf den Wassermangel auf der Alb. Heute, so die bäuerliche Fachwelt, würden auf gleicher Fläche 35 Kühe satt. Immer dann, wenn die Hülben im Ort trocken lagen, holten sich die Gussenstadter ihr Wasser in Heuchstetten.  Dort plätscherte es dank der Tallage das ganze Jahr über.   Pfarrer Hans-Ulrich Bosch hatte den Heimatforscher aus Anlass des renovierten Glockenstuhls im Turm der Michaelskirche gebeten, Gussenstadt und seine Geschichte in alter Zeit vorzustellen und sein Referat mit dem Geburtsjahr der ältesten Gussenstadter Glocke  beginnen zu lassen. Sie wurde vor 570 Jahren bei Hans Kantengiesser in Ulm gegossen und hat den Dreißigjährigen Krieg unversehrt überstanden. Gussenstadt selbst war im Gegensatz zu Gerstetten und Söhnstetten in jenen Kriegsjahren  glimpflich davon gekommen. Belegt wird dies durch ein Straßenverzeichnis, das Jäger anhand der Lagerbücher aus jener Zeit wieder herstellen konnte. 60 Häuser, dazu eine Kirche und eine Zehntscheuer hatten den großen Krieg überlebt. Das locker besiedelte Gussenstadt ist bis zum Jahr 1806 Amtsort gewesen und hatte  bei der Lehmgrube eine Kapelle unterhalten, die die Bauern von Wallbach nutzten. 1538 musste in Gussenstadt erstmals „evangelisch geläutet werden“. Damals  hatten Luthers Thesen  auch Württemberg erreicht. Zuvor noch, 1609, geriet der Schultheiß mit seinem Gemeindeschreiber, Mesner in einen argen Streit, der in einem Sturz desselben vom Turm der Michaelskirche gipfelte und  als Selbstmord ausgelegt wurde. Ein Jahr nach dem Ende des großen Krieges trieben sich immer versprengte Landsknechte in den Wäldern herum. Johann Christoph Ehinger, Oberforstmeister zu Altheim, war wohl eines ihrer Opfer. Nahe bei Gussenstadt wurde er umgebracht. In Gussenstadt aber tanzte man zwischendurch auch. Immer an Walpurgen, dem 1. Mai, ging es im Sackental lustig zu, Trommler und Pfeifer spielten auf dem Tanzmahd beim heutigen Brückle an der Straße nach Bräunisheim auf. Streitigkeiten zwischen den Ulmern und den Württembergern aber führten im inzwischen pietistisch geprägten Württemberg   zu einem  Verbot des Tanzvergnügens. UB