Seit genau zehn Jahren gibt es in der Geislinger Helfenstein-Klinik ein Klinisches Ethik-Komitee. Ihm gehören zwölf Mitglieder aus dem Krankenhaus-Umfeld an – vier Ärzte, vier Pflegekräfte, die beiden Klinikpfarrer und zwei Mitarbeiter aus der Klinikverwaltung.
Sie helfen bei speziellen Einzelfällen, bei denen der jeweils behandelnde Arzt vor schwierige Entscheidungen gestellt wird. Das kann zum Beispiel die Frage sein, ob weitere Intensivbehandlung „überhaupt noch Sinn macht“ oder nur die Sterbezeit verlängert. Aber auch der Umgang mit anderen Kulturen, die zum offenen Umgang mit der Krankheit eine andere Auffassung haben, kann zum Thema werden.
„Kommunikation ist das Wichtigste“, sagt Dr. Walter Schlittenhardt, Vorsitzender des Ethik-Komitees und  Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin. Dies gelte in erster Linie in Bezug auf den Patienten. „Wir wollen nach Möglichkeit so entscheiden, wie der Patient es will oder entschieden hätte“, erläutert Schlittenhardt. Diese Entscheidung fällt entweder im direkten Gespräch mit dem Patient, soweit das möglich ist, oder durch Gespräche mit Angehörigen oder dem Hausarzt, falls der Patient sich nicht mehr selber äußern kann.
In konkreten Fällen beraten sich diejenigen aus dem Komitee, die an diesem Tag anwesend sind – „möglichst mindestens drei oder vier von uns“, so der Arzt – in einem sogenannten Ethik-Konzil über die richtige Entscheidung. Das kommt etwa sechs- oder siebenmal im Jahr vor. Weil es den „goldenen“ Weg dabei nicht immer gibt, muss die Entscheidung auch manchmal die für den besseren Kompromiss sein. „Wir besprechen und reflektieren diese Fälle hinterher alle gemeinsam, um daraus zu lernen!“
Durch die enge Verzahnung mit der Palliativstation in der Helfenstein-Klinik sei bei allen Komitee-Mitgliedern die Sensibilität dafür gestiegen, was für Patienten das Beste ist“, stellt Walter Schlittenhardt fest.
Zu den Aufgaben des Komitees gehört neben solchen Entscheidungshilfen für die zuständigen Ärzte auch Gespräche mit Angehörigen. Oder solche mit Kollegen und Pflegekräften, die untereinander unterschiedlicher Auffassung über die Behandlung sind. „Da haben wir viel erreicht über die Jahre hinweg“, konstatiert Schlittenhardts Kollege, Oberarzt Dr. Lothar Grimm, der den stellvertretenden Vorsitz im Komitee innehat. In der Geislinger Helfenstein-Klinik herrsche inzwischen eine offene Kommunikationskultur, die den Umgang miteinander sehr erleichtere. Dazu trügen die „kurzen Wege“ und die relative kleine Zahl der Klinikmitarbeiter einen wesentlichen Teil bei.
Grimm hat die Zusatzausbildung zum Ethikberater gemacht. Er führt aus, dass das Ethik-Komitee im Lauf der Jahre außerdem konkrete Richt- und Leitlinien zu ethisch relevanten Themen erarbeitete, „damit sich alle daran entlanghangeln können.“  So hätten sie eine Patientenverfügung mit erklärendem Beiblatt verfasst. „Weil in anderen manchmal Selbstverständlichkeiten drinstehen, aber Wesentliches – aus Ärztesicht – nicht geklärt ist.“ Eine andere Frage, die immer wieder aufkommt und bearbeitet wurde, sei der Umgang mit den Zeugen Jehovas und ihren religiösen Vorschriften zur Blutübertragung. Oder die Leitlinie, Fehler offen zu kommunizieren, um daraus zu lernen. Oder die Fragen zur Organspende.  „Eigentlich beschäftigen wir uns mit allem, was ethische Fragen aufwirft“, fasst Walter Schlittenhardt zusammen.