Zu den Pferden gehen? Das gefällt wirklich allen. Von der Grundstufe bis zur Berufsschulstufe. Da kann ich für alle reden“, sagt Gordon. Der 15-Jährige ist Schülersprecher an der Bodelschwinghschule und erzählt davon, dass er selber innerlich oft ganz unruhig und aufgeregt sei. „Aber wenn ich dann das Pferd streichle, dann werde ich ganz ruhig“, berichtet er und seine Augen strahlen. Er habe sogar schon auf dem Pferd stehen können, während Carola es an der Leine im Kreis laufen ließ, berichtet er voller Stolz (siehe Infobox).
Der 15-Jährige ist einer von vielen Bodelschwinghschülern, die vom therapeutischen Reiten und der Reittherapie profitieren. Seit mehreren Jahren kann die Bodelschwinghschule ihren Schülern und Schülerinnen dank ihres Fördervereins, der die Kosten trägt, diese Möglichkeit bieten. „Dafür sind wir natürlich auf Spenden angewiesen – ohne die GZ-Weihnachtsaktion und die Spenden der GZ-Leser wäre das nicht möglich“, betont Hartmut Reim, der Vorsitzende des Fördervereins. Das gelte vor allem während der Corona-Einschränkungen, wenn keinerlei eigene Veranstaltungen zum Spendensammeln durchgeführt werden können.
Wie gut der Kontakt zu den großen Tieren ihren Schülern tut, stellt Lehrerin Sabrina Friedel-Kiseljak jedesmal aufs Neue fest, wenn sie mit ihren acht- bis zehnjährigen Schülern zum Christophshof nach Waldhausen fährt. „Die Kinder kommen schon morgens freudestrahlend mit ihren Gummistiefeln und Helmen in die Schule“, erzählt sie. Für sie ist es beeindruckend, mitzuerleben, wie sich die Schüler und Schülerinnen – alle auf ihre Art – auf das Tier einlassen und umgekehrt. Ein Junge, der im Alltag mit Sprechblockaden kämpft, entspannt sich in der Gegenwart der Pferde so, dass er mit ihnen plötzlich problemlos reden kann.„Ein anderer Junge hat sich Stück für Stück rangetastet. Am Anfang traute er sich nur bis ans Tor, inzwischen streichelt er die Pferde und hilft beim Striegeln. Dieser Erfolg gibt Selbstvertrauen“, berichtet die Lehrerin.
Das wachsende Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein, sagt sie, sei bei manchen Kindern sogar optisch regelrecht wahrzunehmen. „Wir haben ein Mädchen mit schwachem Muskeltonus und entsprechender Körperhaltung. Wenn sie auf dem Pferd sitzt, setzt sie sich aufrecht hin und hat eine völlig andere Körperspannung.“ Warum das so ist, kann Sabrina Friedel-Kiseljak nur vermuten. „Die Tiere sind sensibel und nehmen die Kinder vorbehaltlos an, so wie sie sind. Sie fordern nichts – die Kinder fühlen das und fühlen sich entsprechend wohl.“

Projekt gibt es seit drei Jahren

Seit drei Jahren begleitet die Sonderpädagogin ihre Schüler zur Reittherapie. „Das ist für uns Lehrer wirklich ein Herzensprojekt, weil wir sehen, wie wertvoll es für die Kinder ist. Wir sind so dankbar, dass wir erneut in die GZ-Weihnachtsaktion aufgenommen wurden.“ Dank eines ausgefeilten Hygienekonzepts habe das Reiten auch während der Corona-Einschränkungen fast durchgehend angeboten werden können. „Diese Konstante hat unsere Kinder irgendwie durch die Zeit getragen“, sagt Sabrina Friedel-Kiseljak.

Reittherapie als Herzensprojekt

Die Bodelschwinghschule ist ein Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) mit dem Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“. Unterteilt ist sie in Grund-, Haupt- und Berufsschulstufe.
Der „Förderverein EEF Eltern, Freunde, Förderer“ der Bodelschwinghschule existiert seit 25 Jahren, seit fünf Jahren ist Hartmut Reim sein Vorsitzender.
Die Reittherapie für die Geislinger Bodelschwinghschüler wird von den Kinder- und Jugendhilfen „Das Berghaus“ auf dem Christophshof in Waldhausen angeboten, zuständige Reittherapeutin ist die Sozialpädagogin und systemische Beraterin Carola Jungwirth.