Eine Woche lang regelmäßig essen. Dazu singen, spielen, tanzen, ein Krippenspiel einstudieren. Für Straßenkinder klingt so etwas wie aus einem Traum. Für etwa 200 Straßenkinder aus der ruandischen Stadt Gisenyi wird dieser Traum jetzt an Weihnachten Wirklichkeit.
Die Kinder-Weihnachtswoche ist Teil des Projekts „Cuisine du Coeur“ (Herzensküche), das die Eybacherin Selina Schrag mit zwei Freundinnen vor sechs Jahren gegründet hat (siehe Infokasten). „Die meisten der Kinder und Jugendlichen, die zu diesem Event kommen, haben keine Familie. Deshalb ist das Zusammenkommen mit Menschen, die ihnen vertraut sind und anderen Kindern in derselben Situation für sie sehr wichtig“, schreibt Selina Schrag in einer Mail.
Die Materialien, die Personalkosten und die Verpflegung für diese Woche belaufen sich auf etwa 1000 Euro. Sämtliche Aktionen der „Cuisine du Coeur“ – zu denen diese Weihnachtswoche seit 2016 gehört – werden und wurden bisher über private Spenden finanziert. Schrag und ihre beiden Freundinnen, die in anderen Teilen Deutschlands wohnen, studieren noch und können das Projekt daher nicht aus Eigenmitteln am Laufen halten. „Die aktuelle Inflation und die Corona-Krise machen es zunehmend schwieriger, das Projekt aufrechtzuerhalten und wir sind knapp davor, es aufgeben zu müssen“, macht sie die momentan prekäre Lage deutlich. Dabei hat sich die „Cuisine du Coeur“ im Lauf der Jahre dank der Unterstützung einheimischer Mitarbeiter und nachfolgender Freiwilliger zu einem vielfältigen Projekt mit unterschiedlichen Aspekten entwickelt.

Ein Mal pro Woche eine warme Mahlzeit

Ursprünglich ging es darum, den sieben- bis 18-jährigen Straßenkindern aus Gisenyi, die meisten davon sind Jungs, wenigstens einmal pro Woche eine warme Mahlzeit zu ermöglichen. Diese Essenstafel findet bis heute jeden Donnerstag in fröhlicher Runde statt. „Die Kinder, für die ein leerer Magen einen alltäglichen Lebenszustand darstellt, sollen wenigstens einmal pro Woche ohne Konkurrenzkampf und in Ruhe und Gemeinschaft eine warme Mahlzeit genießen“, sagt Selina Schrag dazu und ist dankbar, „dass wir sehr zuverlässige und engagierte Verantwortliche in Gisenyi vor Ort haben“. Aber auch sie selber reist jedes Jahr für mehrere Wochen in das ostafrikanische Land.
Inzwischen finanziert die „Cuisine du Coeur“ auch Schulgebühren und Schulmaterialien der teilnehmenden Kinder, eine jährliche Krankenversicherung für sie und die Eingliederung der Kinder in Projekte der dort ansässigen Kinder- und Jugendorganisation „Vision Jeunesse Nouvelle“, französisch für „Neue Jugendperspektive“ (VJN). Es sorgt für Utensilien des täglichen Bedarfs wie Zahnbürsten oder Seifen und organisiert immer wieder Aufklärungs- und Präventionsprojekte zu Themen wie HIV, Körperhygiene, Sexualität, Drogenmissbrauch oder Corona.
Die Kinder sollen durch die Unterstützung von Bildung, Gesundheit und durch Vernetzung untereinander einen Schulabschluss erreichen und sich als Erwachsene selber versorgen, statt auf Unterstützung angewiesen zu sein, verdeutlicht die 24-Jährige. „Aber vor allem ist uns wichtig, dass die teilnehmenden Straßenkinder zumindest zeitweise erleben können, wie es ist, einfach mal nur Kind zu sein und Fürsorge zu erfahren.“

Selina Schrag und ihr Projekt in Ruanda

Aufgewachsen ist Selina Schrag in Eybach. Nach ihrem Abitur im Helfenstein-Gymnasium machte sie einen 1,5-jährigen Freiwilligendienst in Ruanda, den sie anschließend noch um ein Jahr privat verlängerte (wir berichteten).
Das Projekt „Cuisine du Coeur“ gründete sie 2017 mit zwei Freundinnen und einem ruandischen Freund. Im Oktober 2019 begann sie ein Duales Studium „Soziale Arbeit“ in Stuttgart, inzwischen hat sie den Bachelor.
Aktuell reist sie mit Freunden durch Ostafrika (auch Ruanda), im Januar beginnt sie ihr Master-Studium.
Das Spendenkonto verwalten Selina Schrag und ihre beiden Mitstreiterinnen von Deutschland aus und haben regelmäßig Videokonferenzen mit Ruanda. Von Deutschland aus planen sie auch die Angebote.

Alles zur GZ-Weihnachtsaktion „Gemeinsam geht’s besser“

Helfen Mit Veranstaltungen können Sie die Projekte der diesjährigen GZ-Weihnachtsaktion „Gemeinsam geht‘s besser“ unterstützen. Möglich sind beispielsweise Konzerte, Kabarett-Abende, Benefiz-Essen, Basare, Partys oder Tombolas – zum Beispiel im Betrieb oder im Verein.
Geldspenden Sie können entscheiden, ob Sie für alle Projekte spenden möchten oder für einzelne (bitte auf der Überweisung vermerken). Die Spendenkonten:
Kreissparkasse Göppingen IBAN: DE24 6105 0000 0006 0770 99
Volksbank Göppingen
IBAN: DE14 6106 0500 0608 0000 00
Jeder Spender wird in der GEISLINGER ZEITUNG ­genannt und erhält auf Wunsch eine Spendenbescheinigung (bitte Adresse angeben). Anonyme Spenden sind auch möglich (dies bitte auf der Überweisung vermerken).
Projektpartner Die sechs ausgewählten  Projektpartner der diesjährigen GZ-Weihnachtsaktion sind der Förderverein „Hospiz im Oberen Filstal“; Selina Schrag aus Eybach mit ihrem Hilfsprojekt für Kinder in Ruanda, die Pestalozzischule in Geislingen; der Geislinger Skatepark-Verein; der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst der Malteser sowie die Fahrradwerkstatt der SAB.
Bargeld Wer eine Spende bei der GZ abgeben möchte, wird gebeten, vorab einen Termin zu vereinbaren. Das GZ-Team kommt gerne auch zu Ihnen, um Ihre Spende abzuholen.
Kontakt Bei allen
Fragen und Ideen zur ­GZ-Weihnachtsaktion 
„Gemeinsam geht’s besser“ können Sie sich an GZ-­Redakteur Ilja Siegemund wenden – unter Telefon (07331) 202-47 oder per E-Mail an i.siegemund@swp.de