Idyllisch am schwäbischen Albtrauf liegt das Naturfreundehaus Immenreute. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1927 bietet es, zwischen Kuchenalb und Oberweckerstell gelegen, eine besondere Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeit: „Wandernde und Radfahrende, Familien mit Kindern und Alleinerziehende finden hier bei Wandertouren eine günstige Unterkunft. Außerdem können hier auch ein paar Urlaubstage verbracht werden“, sagt Roland Rapp.

Immenreute wird ehrenamtlich verwaltet

Der stellvertretende Vorsitzende des Naturfreundevereins der Ortsgruppe Geislingen betont, dass Wanderbegeisterte und Befürwortende des sanften, umweltbewussten Tourismus stets zu einer geselligen Rast in naturnaher Umgebung willkommen sind. Das Besondere: Die Immenreute wird in vollem Umfang ehrenamtlich von Vereinsmitgliedern verwaltet. Aber das ist längst nicht alles: Das Haus wird sogar selbst bewirtschaftet mit einer „sozialen“ Speisekarte. Durch regelmäßige Arbeitsdienste wird es durch die Vereinsmitglieder, ebenso wie das Gelände, in Schuss gehalten. 30 Personen stark ist die Truppe, die sich abwechselnd Wochenende für Wochenende von Ostern bis Ende November an diesem Ort einbringt. Zuletzt sei es wegen der Corona-Auflagen schwer gewesen, räumt Rapp ein.
Was ihn aber freut ist, dass die Belegungszahlen stetig steigen. „Es scheint eine Trendwende zu geben. Plötzlich sind die Touren mit Einkehrmöglichkeit wieder gefragt. Für Wanderer haben wir immer einen Platz, dafür ist das Haus da. Aber größere Gruppen sollten sich anmelden, wenn sie übernachten.“ 30 Übernachtungsplätze sind in Mehrbettzimmern und in einem Matratzenlager vorhanden. Toiletten und Duschen sind vorhanden. Das Haus wird auch von Schulklassen aus Geislingen genutzt.

Seit drei Jahren ein großes Problem

Doch das könnte sich bald ändern, denn seit drei Jahren bereitet die Wasserleitung ein Problem. Bereits vier Mal kam es zu einem Rohrbruch, der kostenintensiv und aufwendig repariert werden musste. Wie Rapp mitteilt, stammt die Wasserleitung aus der Zeit des Nationalsozialismus. Der Verein der Naturfreunde wurde 1933 verboten und aufgelöst, die Immenreute komplett beschlagnahmt und in ein Schulungsheim der Hitlerjugend umfunktioniert. Im Zuge dessen wurde das Haus an das Strom- und Wassernetz angeschlossen.

Raum Geislingen

Der Verein gründete sich nach Kriegsende neu. 1947 erlangte er das Haus zurück und ist seither für die Wartung der 850 Meter langen Wasserleitung bis zum Anschluss an das Versorgungswerk Oberweckerstell verantwortlich. Inzwischen sind die Rohre aber so marode, dass ein neues Leitungssystem für rund 120 000 Euro notwendig ist. Die Hälfte kann über Fördermittel finanziert werden, weitere 20 Prozent schafft der Verein aus Eigenmitteln. 36 000 Euro werden an Spendengeldern benötigt, um den Weiterbetrieb der Immenreute sichern zu können. Die Schließung wäre besonders in Zeiten des Klimawandels ein herber Verlust.

Info Die Ortsgruppe Geislingen der Naturfreunde Deutschlands e.V. wurde am 16. Februar 1913 gegründet. Der Verein versteht sich als sozial-ökologischer und gesellschaftspolitisch aktiver Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur. Das europaweite Netz umfasst 1000 Naturfreundehäuser.