Die Welt der Ludwigsburger Künstlerin Justyna Koeke ist bunt – nicht nur hinsichtlich der Vielfalt an Farben, sondern auch durch ihr gesellschaftspolitisches Engagement. „Ich mache feministische Kunst“, sagt die 40-Jährige. Sie kritisiert, dass Sexualität und Erotik nach wie vor von Männeransichten dominiert und kommerzialisiert würden. „In der Prostitution wird die Sexualität einer Frau geraubt“, sagt sie mit Blick auf das Thema Armutsprostitution. In Stuttgart ist Koeke an der Kampagne „Crowdfunding für den Ausstieg aus der Prostitution“ beteiligt.  Sie sagt: „Ich bin Feministin, aber keine Moralistin.“ Sinnlichkeit, Sex und Erotik sind Triebfedern für ihre Kunst – und das konsequent aus weiblicher Perspektive. An der Kunstakademie Stuttgart hat sie ein halbes Deputat als Dozentin. 
Ihr Atelier erinnert entfernt an einen Kostümfundus mit großem Arbeitstisch in der Mitte. Hier ragt ein praller nackter Po aus Schaumstoff hervor, dort ein blanker Busen aus gleichem Material. Koeke ist bekannt geworden durch ihre Kostümskulpturen, in die man hineinkriechen muss, um sie zu tragen. Damit war sie vergangenes Jahr in Berlin auf der „Alternative Fashion Week“ vertreten. Anregungen hat sie sich aus eigenen Kinderzeichnungen geholt: „Ich habe mich ausschließlich als Prinzessin oder Heilige gemalt.“ Irgendwann habe sie begonnen, die Phantasiekleider ihrer Kindheit nachzuschneidern – mit der Phantasie einer Feministin.
Inzwischen widmet sie sich immer mehr den Performancekünsten, die ohne viel Textilien auskommen. Mit ihrer Kunstkollegin Marie Lienhard produzierte sie im vergangenen Jahr den Nacktkalender „Stuttgart under Construction“. Auf den Baustellenfotos posieren beide mehr oder weniger nackt. Der Kalender für 2018 ist bereits in Produktion. „Kesselsafari“ heißt er und hat bereits einiges Aufsehen erregt. Denn diesmal hatten die beiden Künstlerinnen für die zwölf Fotoshootings über 20 Nacktmodelle um sich versammelt. „Nein, es ist nicht schwer gewesen, sie zu finden“, sagt sie. In Stuttgart seien die Menschen lockerer drauf, als man glaube.