Eichenprozessionsspinner – bei manchen Leuten löst schon das Wort spontan Juckreiz aus. Tatsächlich schlüpfen dieser Tage die ersten Raupen des Nachtfalters und machen sich auf die Suche nach frischem Eichenlaub, ihrer Leibspeise. In dieser Entwicklungsphase haben die Raupen noch keine Brennhaare, die für Menschen gefährlich sind. Die giftigen Härchen, die die Raupen ab ihrem dritten Larvenstadium bekommen, führen je nach Empfindlichkeit zu Hautrötungen, leichten Schwellungen, Juckreiz und Brennen. Bei starkem Kontakt bilden sich Quaddeln am ganzen Körper, es kann durch das Einatmen zu Reizungen der Mund- und Nasenschleimhaut, Bronchitis, schmerzhaftem Husten und sogar Asthma kommen.

Eichenprozessionsspinner: 2018 war der Befall heftig

Angesichts solcher möglichen gesundheitlichen Auswirkungen ist es kein Wunder, dass der Eichenprozessionsspinner im vergangenen Frühjahr überall Thema war – wegen der schieren Anzahl der befallenen Gebiete: Kein Dorf, keine Stadt in der Region blieb verschont. Wege, ganze Waldgebiete mussten gesperrt, Bäume von den Gespinsten, wie die Nester heißen, befreit werden, Sauger, Chemie, Bio-Wirkstoffe – alles war im Einsatz.
Michael Thalheimer ist beim Landratsamt des Alb-Donau-Kreises „Eichenprozessionsspinner-Beauftragter“. Der Förster hat in den Wäldern rund um Langenau bereits die ersten Raupen ausgemacht. „Die suchen jetzt hungrig nach frischem Eichenlaub.“ Die Frage sei nun, ob sie ausreichend Nahrung finden. Bei Langenau hätten sich die Knospen der Eichen bereits geöffnet, die Triebe wachsen – Futter für die Raupen. In etwas höheren und damit kühleren Ecken wie bei Luizhausen dagegen seien die Knospen noch zu, sagt Thalheimer. Bislang sei das Frühjahr eher trocken gewesen, „vielleicht verzögert sich der Austrieb dadurch“. Eine Weile, vielleicht 14 Tage, könne der Eichenprozessionsspinner in diesem Stadium ohne Nahrung überleben, dann aber verhungerten die Raupen.

Eigentümer muss handeln

Bedroht sie, beziehungsweise ihre Brennhärchen, die Gesundheit von Menschen, dann müsse der Eigentümer des Baumes aktiv gegen den Befall vorgehen, erklärt der Fachmann. Das sei natürlich meist innerorts der Fall, etwa in der Nähe von Kindergärten oder Altenheimen, aber auch außerorts entlang von Trimm-Dich-Pfaden. Trete der Eichenprozessionsspinner dagegen mitten im Waldgebiet auf, gelte das als waldtypische Gefahr, wie ein herabfallender Ast.
Obwohl die Eichenprozessionsspinner 2018 eine wahre Plage waren und sie entsprechend viele Eier abgelegt haben, geht  Thalheimer nicht zwangsläufig davon aus, dass die Lage dieses Jahr ähnlich schlimm wird. „Solche Schmetterlingspopulationen können auch extrem schnell kippen.“ Die Gründe seien dabei häufig nicht einfach auszumachen, ungewöhnlich sei das nicht. „Insofern beruhige ich erst mal.“
Weil aber niemand dieses Jahr die gleichen Probleme haben will wie im vergangenen, beginnen viele jetzt mit der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners. Das Staatliche Bauamt Krumbach teilt mit, dass es in den kommenden zwei Wochen an Bundes-, Staats- und Kreisstraßen in den Landkreisen Neu-Ulm, Günzburg und Dillingen ein Biozid einsetzen wird:  Eine Fachfirma werde das Bakterium Bacillus thuringiensis ausbringen. Die Raupen des Eichenprozessionsspinners nehmen dieses beim Fressen der Eichentriebe auf und sterben nach einigen Tagen. Wie das Bauamt betont, hat der Wirkstoff keine schädlichen Auswirkungen auf Mensch, Umwelt und andere Tierarten. Auch die Gemeinde Dornstadt lässt das Bakterium an Bäumen innerorts spritzen. In anderen Kommunen, zum Beispiel in Dietenheim, bereitet sich der Bauhof darauf vor, die Eichen im Stadtgebiet mit einem Spezialsauger von den Raupen zu befreien.

Gefahr von Allergien

Doch das ist eben nur die halbe Miete: Denn die giftige Härchen verteilen vor allem bei größeren Nestern im Gras, hängen in Bäumen, werden vom Wind durch die Luft geblasen. Die Gefahr von Allergien kann also nicht völlig ausgemerzt werden. Förster Thalheimer kennt die Folgen des Kontakts mit den Brennhärchen aus eigener, schmerzhafter Erfahrung. „Spaßig ist das nicht.“ Aber er hat einen Tipp gegen rote Pusteln und den Juckreiz parat: „Fenistil hilft immer.“

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Familie Hornung hofft 

Befall „Bisher ist noch nichts passiert“, sagt Carolin Hornung aus Pfaffenhofen. Ihre Familie leidet seit Jahren unter dem Eichenprozessionsspinner, der sich jedes Jahr auf einer Eiche vor dem Hornung’schen Haus ausbreitet: Die ganze Familie leidet an Ausschlägen am ganzen Körper, ein Sohn hat sogar Asthma. Der Baum steht auf dem Grund der Marktgemeinde Pfaffenhofen, daher ist sie für die Beseitigung der Raupen zuständig. Zwar ließ sie den Baum jedes Jahr absaugen, allerdings kehrten Raupen und Brennhärchen immer wieder.
Biozid Das will Carolin Hornung nicht akzeptieren. Sie hat 2018 einen Anwalt eingeschaltet. Es folgte ein Gemeinderatsbeschluss, dass Pfaffenhofen den Baum dieses Frühjahr mit dem Biozid Neem-Protect behandeln wird. Das steht noch aus. Sollte das nicht wirken, hat der Marktrat zugesagt, den Baum innerhalb von zwei Wochen fällen zu lassen.