Trotz widriger Wetterumstände mit Blitzeis kamen rund 55 Zuschauer zum Vortrag „Adipositas – Wenn Übergewicht krank macht“ des Gesundheitsforums, weil ihnen das Thema offenbar sehr wichtig ist, teilt Pressesprecherin Daniela Rieker mit. Die Referenten Bernd Nasifoglu, Sektionsleiter für Viszeralchirurgie im Alb-Donau Klinikum Ehingen, und Dr. Ruth Krauss, Fachärztin für Allgemeinmedizin aus der Schwerpunktpraxis für Ernährungsmedizin BDEM in Erbach, informierten ausführlich über die Erkrankung, an deren Folgen 2018 demnach weltweit mehr als 2,8 Millionen Menschen gestorben sind. 

Gefahr für Folgeerkrankungen steigt

Von Adipositas sprechen Mediziner, wenn der BMI (Body Mass Index) bei mehr als 30 liegt. Bei einem 1,80m großen Mann ist dies ab 97,2 kg der Fall. Dann steigt das Risiko für Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Gefäß- und Organschäden, Diabetes, Gelenkverschleiß, bösartige Erkrankungen und Unfruchtbarkeit deutlich. Die Referenten empfahlen Betroffenen anzuerkennen, dass Adipositas eine chronische Erkrankung sei und auch so behandelt gehöre. Bereits mit 30 Minuten täglicher Bewegung ohne Pause könne man viel erreichen. „Dabei reicht es, wenn man schnauft, die Brühe muss einem noch nicht herunterlaufen“, betonte Krauss.

Viele Jugendliche betroffen

Schon 15 Prozent der Jugendlichen haben Übergewicht. Der in vielen Fertigprodukten versteckte Zucker führe zu einer Art Zuckersucht, erklärte Nasifoglu. Mit jeder Zuckergabe steige das Insulin im Blut, in den folgenden Stunden sei der Fettabbau gebremst. Ein Problem sind demnach die freien Zucker, die in Fertiggerichten, Süßgetränken und Süßigkeiten zu finden sind. Maximal 10 Prozent der Kalorienaufnahme sollten daraus bestehen (etwa 16 Würfelzuckerstücken am Tag). Das sei wenig, denn bereits mit 750 Milliliter Apfelsaftschorle sei die maximale Tagesdosis erreicht. „Die Zehn-Prozent-Empfehlung ist mit verarbeiteten Lebensmitteln nahezu nicht hinzubekommen“, sagte Krauss. Sie empfahl, selbst zu kochen und dabei bewusst die Lebensmittel auszusuchen.

Behandlung von Adipositas

In der konservativen Behandlung setze man heute auf eine Kombination aus Ernährungs- und Bewegungstherapie, bei Bedarf unterstützt durch psychologische Begleitung und in wenigen Fällen durch Medikamente. „Das Ziel ist die Nicht-Zunahme – und wenn es innerhalb eines Jahres zu fünf bis zehn Prozent Gewichtsabnahme kommt, dann ist das ein großer Erfolg“, betonte Krauss. Denn das senke das Risiko für Folgeerkrankungen deutlich. Wer 150 Kilogramm wiegt, käme so im günstigsten Fall auf 135 Kilogramm. Lohnt sich dafür der ganze Aufwand? „Auf jeden Fall“, ist sich die Medizinerin sicher. Man sehe dann zwar noch nicht viel, doch „für die Gesundheit kann man dabei viel erreichen“.
Nasifoglu ging kurz auf die chirurgischen Möglichkeiten ein. Eine OP eröffne zwar die Chance, innerhalb von zwei Jahren 40 bis 80 Kilo zu verlieren, sie sei aber ein harter Weg. Man müsse genau abwägen, für wen dies sinnvoll sei.
Am Ende gab es noch Tipps: Statt Diäten solle man lieber die Lebensweise verändern – und zwar schrittweise, dann könne man auch durchhalten. Die vielen Fragen der Zuhörer machten deutlich, dass ein hoher Leidensdruck bei den Betroffenen vorliegt, sie zeigten aber auch, dass das Wissen über gesunde Ernährung nicht selbstverständlich ist.

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Ein neues Netzwerk bietet Hilfe an

Adipositas Dr. Ruth Krauss und Bernd Nasifoglu machten in ihrem Vortrag deutlich, dass nicht einer die Probleme stark übergewichtiger Patienten lösen könne. Dafür benötige es ein breites Netzwerk an Experten. Beratung und Unterstützung finden Patienten seit Kurzem im neu gegründeten Adipositas Netzwerk Alb-Donau. Kontakt unter Telefon: (07391) 5865208 oder (07305)7046.