Mit rund 92 Stundenkilometern einen Berg herunterrasen, ohne sich festhalten zu können oder eine Bremse griffbereit zu haben. So verschafft sich Elias Hörr seinen Nervenkitzel. Der 19-Jährige aus Wüstenrot fährt Downhill. Das ist eine Variante des Longboardfahrens und bezeichnet das Bergabfahren auf einem Brett in hoher Geschwindigkeit.

Er ist in den Trendsport reingewachsen

Durch seinen Bruder Samuel Hörr ist er zum Longboardfahren gekommen. Samuel hatte sich ein Board als Fortbewegungsmittel bei dem Pogo-Longboardshop in Löwenstein angeschafft und so Kontakt zu den Besitzern aufgebaut. Pogo ist eine populäre Marke aus Deutschland und der Longboardshop wurde 2002 von den Pogo-Machern gegründet. „Ich bin mit der Zeit ‘reingewachsen“, erzählt Elias. Er hat einen Ferienjob gemacht und „in der siebten und achten Klasse bin ich nach der Schule immer direkt in den Shop gegangen“. Die „Pogo-Familie“ habe viel Einfluss auf ihn in seiner Jugend gehabt. Heute besitzt er rund 14 Longboards und wird von den Shopbesitzern gesponsert.

Ohne Helm zu fahren ist nicht cool

In der Region gibt es keine offiziellen Strecken für Longboarder und die Straßen können nur bei offiziellen Events gesperrt werden. Um trotzdem auf guten Strecken Downhill fahren zu können, treffen sich die Longboarder bei weniger Verkehr: „An bestimmten Uhrzeiten oder zum Beispiel wenn Deutschland im WM-Finale spielt“, erzählt Elias und grinst. Für solche Aktionen sind Shuttle-Cars essenziell. Diese stellen sich an das Ende der Downhillstrecke oder fahren den Longboardern voraus. Der Fahrer gibt dann ein Signal über Funk, wenn die Straße frei ist oder Gegenverkehr kommt.
Illegal ist das nicht. „Eher eine Grauzone“, sagt Elias. „Wir sind dabei oft besser ausgerüstet als Fahrradfahrer. Außerdem lernt man mit Situationen bei Gegenverkehr umzugehen“, erzählt Elias. „Das Funkgerät gehört mit zur Schutzausrüstung“, meint er. Schon als er angefangen hat zu fahren, war er darauf bedacht, gut ausgerüstet zu sein. „Knieschoner, Helm und Slidehandschuhe trage ich immer. Beim Longboarden ist es nicht cool, ohne Helm zu fahren“, erzählt er. Bei offiziellen Rennen ist es sogar Pflicht, eine Lederkombination zum Schutz zu tragen. Bei der deutschen Meisterschaft 2018 in Rheinland-Pfalz hat sich Elias trotz der Protektoren zum zweiten Mal die Schulter ausgekugelt. Daraufhin musste er dreimal operiert  werden. Auch Prellungen und Schürfwunden gehören zum Programm.

Viele Longboarder kennen sich untereinander

„Ich habe viele Freundschaften geschlossen. Wenn man auf ein Event kommt, kennt man fast jeden“, erzählt Elias. Er hat sogar den mehrfachen Deutschen Meister im Longboarden, Sebastian Hertler, kennengelernt. Während Elias 2017 den dritten Platz bei den Junioren belegte, gewann Hertler die Meisterschaft zum sechsten Mal in Folge.
Am Liebsten fährt Elias mit dem Serval von Pogo. Das Board hat er selbst mit vier verschiedenen Zeichnungen designed. „Ich hatte schon länger Bock, mal selber ein Brett zu bauen und habe auch schon öfter darüber geredet“, erzählt der Longboarder. Nachdem die Gründer des Longboardshops sich für ein neues Bord entschieden, konnte Elias seinen Plan in die Tat umsetzen.

Rampen im Keller gebaut

Neben dem Longboard fahren probiert sich Elias noch an anderen Sportarten. Biken, Snowboard fahren und Skaten. „Hößlinsülz ist wahrscheinlich das Dorf mit der größten Rampendichte“, meint Elias und schmunzelt. Einige Einwohner haben sich Rampen in den Keller gebaut und treffen sich, um abends skaten zu gehen. Das sei kein so großer Aufwand und auch in den kalten Jahreszeiten möglich.
Momentan komme er sowieso nicht regelmäßig zum Boarden. „Ich konzentriere mich gerade auf meine Ausbildung“, erklärt er. Doch danach hat er vor, an der Europatour teilzunehmen und bei noch mehr Downhillmeisterschaften zu fahren.

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