Am Anfang war der 40. Geburtstag von Herbert Lerner. Bei der Feier wurde die Idee geboren, mal ein Sommerfest im Dorf zu veranstalten. Los ging es dann im Jahr 2001 – und was aus so einem Fest alles werden kann, wenn man es gut macht und gut meint, sieht man heute. Statt 200 kommen inzwischen 2000 Leute auf das Betriebsgelände der Malerwerkstätte Lerner in Rudolfsberg. Seit 2006 geht die Veranstaltung immer am Vatertag über die Bühne, in diesem Jahr also am Donnerstag, 30. Mai.
Ist es nicht auch eine schöne Werbung für die Firma? „Das war nie unser Bestreben“, betont Herbert Lerner, heute 58. „Wir wollten ein schönes Fest haben.“ Bei seiner Frau Birgit, 56, klingt das so: „Es ist unser Highlight. Wir können es einfach nicht lassen.“

Vier Familien und 80 Helfer

Familie Lerner, dazu gehören noch Tochter Loreen, 23, und Sohn Yannic, 26, ist nicht allein. Von Anfang an dabei sind auch Familie Nagel, Familie Schwab und Familie Vogel. Die meisten der bis zu 80 Helfer kommen von den Sportfreunden Leukershausen, dem Heimatverein „Die Wüstenauer“, dem Landfrauenverein Mariäkappel und der Weißrusslandhilfe Crailsheim.
„Wüstenau ist ganz stark vertreten, da ist fast keiner mehr daheim“, sagt Birgit Lerner und lacht. Auch die Metzgerei Kranz und die Bäckerei Baier aus Crailsheim sowie die Metzgerei Merk­lein aus Wildenstein „unterstützen uns schon ewig“.
Unterstützung, das Stichwort für Herbert Lerner. „Ohne die vielen Helfer könnten wir das gar nicht mehr machen“, sagt er und fügt hinzu: „Ich denke, das Fest läuft so gut, weil es eine Benefizveranstaltung ist.“ In all den Jahren haben sie schon 93.000 Euro für den guten Zweck eingesammelt. In diesem Jahr könnte die 100.000-Euro-Marke geknackt werden. Der Rekorderlös stammt aus 2016: 10.000 Euro.
Es gibt immer wieder Leute, die geben 100 oder 200 Euro und wollen kein Rückgeld, wenn sie eine Portion Pommes oder eine Pizza kaufen. Einmal gab einer sogar 500 Euro. Die Spendenkasse haben die Lerners mittlerweile abgeschafft.
Der erste Erlös, 3000 D-Mark, ging anno 2001 an die Elterninitiative tumor- und leukämiekranker Kinder Würzburg. Der Vorschlag dazu kam von Musiker Harry Mammel aus Ellrichshausen, ein Freund der Familie Lerner. „Die machen da was Sinnvolles“, so der einhellige Tenor.

„Damit tollen Ausflug gemacht“

Neben Würzburg fließt Geld an den Verein Ambulanter Kinder- und Jugendhospizdienst Schwäbisch Hall. Zuletzt haben auch die Fröbelschule in Ellrichshausen und die Käthe-Kollwitz-Schule in Crailsheim etwas bekommen. Die Schüler der Fröbelschule bedankten sich für die Geldspende mit einem Brief, der hängt jetzt eingerahmt bei den Lerners im Büro. „Wir haben damit einen ganz tollen Ausflug gemacht“, schreiben sie. „Wir waren im Bergwerk, im Tiefen Stollen in Aalen. Danach gab es ein supergutes Mittagessen.“

Albershausen

„Für Ihre erneute Spende möchten wir uns wieder von Herzen bei Ihnen bedanken“, antwortet der Kinder- und Jugendhospizdienst. Auch das Schreiben der Elterninitiative kommt „von Herzen“. Darin heißt es: „In unserem Bestreben, den betroffenen Familien beizustehen, sind wir glücklich, Sie an unserer Seite zu wissen.“
We can do it!, so steht es auf einem Schild bei den Lerners im Büro, wir können es schaffen. Vor und während des Festes herrscht Ausnahmezustand. „Ein brutaler Druck“, sagt Herbert Lerner. Und danach? „Danach sind wir alle euphorisiert.“ Birgit Lerner findet: „Wenn das Fest rum ist, weiß ich nicht, was daran so schwierig gewesen sein soll.“
Helfer zu finden, ist nicht schwierig: Schon während des Festes wird ausgemacht, wer im nächsten Jahr wieder dabei ist. Viel Zeit frisst die Planung. „Bei mir gehen Arbeitstage drauf, an denen ich nichts anderes mache“, sagt Loreen Lerner. Der Vorteil dabei: Ihr Vater ist auch ihr
Chef.

Nur einmal Pech mit dem Wetter

Eine Freundin der Familie dachte bei ihrem ersten Besuch eher an ein Heckenfest und war sofort begeistert. „Das kann sich keiner vorstellen, der es nicht gesehen hat“, so sagt es Birgit Lerner. Wichtig sei, dass das Wetter mitspielt, bislang hatten sie nur einmal Pech, aber dafür war damals der Kuchen schon um 15.15 Uhr ausverkauft. Jetzt sorgen sie vor. Wohl dem, der die richtigen Telefonnummern hat.
Normalerweise ist das Benefizfest bei den Lerners gegen 20 Uhr vorbei, aber in diesem Jahr geht es länger. Es gibt nämlich noch etwas zu feiern, denn die Fußballer der Sportfreunde Leukershausen stehen vor dem Aufstieg in die Bezirksliga. Zudem spielen sie am Vatertag das Bezirkspokal­finale gegen die SG Sindringen/Ernsbach.

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