Als im Jahr 2015 die große Flüchtlingswelle in die europäischen Staaten schwappte, wurde Migration auch in Crailsheim zu einem großen Thema. Menschen aus verschiedenen Herkunftsländern kamen in die Stadt, wurden in Notunterkünften untergebracht und versuchten, sich mit der neuen Umgebung vertraut zu machen. Dabei bekamen sie Unterstützung von einer großen Zahl ehrenamtlicher Helfer.
„Damals hatten wir einen richtigen Helfer-Boom, die Menschen waren erfüllt von einer Willkommenskultur“, erinnert sich Peter Pfitzenmaier, Sprecher des Crailsheimer Freundeskreises Asyl an die breite Unterstützung aus der Bevölkerung. Menschen aus Crailsheim und den Nachbargemeinden trugen sich in Listen ein, um Fahrdienste zu übernehmen, bei Behördengängen zu helfen oder Deutschunterricht zu geben. „Wir mussten die Hilfsdienste gut organisieren“, berichtet Pfitzenmaier. „Es wurden Gruppen gebildet, die verschiedene Aufgaben übernahmen: Wohnungen suchen, Ausbildungsplätze organisieren, Freizeit gestalten.“
Der Boom ist inzwischen vorbei, viele Ehrenamtliche haben sich ganz aus der Flüchtlingsarbeit zurückgezogen oder sie wirken noch im Stillen weiter, indem sie sich um eine Familie kümmern – ohne den Rahmen des Freundeskreises.
„Seit anderthalb Jahren gab es keine großen Treffen der Ehrenamtlichen mehr“, erklärt der Sprecher des Freundeskreises. Lediglich der innere Kreis kommt weiterhin 14-tägig zusammen, um sich auszutauschen oder zu entscheiden, wofür die Spendengelder verwendet werden.
Aufgaben gebe es aber nach wie vor in großer Zahl, betont Pfitzenmaier. Aktuell leben 554 Flüchtlinge in Crailsheim, die Unterstützung benötigen, um sich in der Stadt zurechtzufinden. Es sind vor allem Alltagsfragen, auf die Menschen, die aus einem anderen Kulturkreis kommen, Antworten suchen: Wie bekomme ich einen Arzttermin? Wie entsorge ich meinen Müll? Was passiert auf einem Elternabend?
„Bei all diesen Fragen können Ehrenamtliche weiterhelfen“, sagt Pfitzenmaier, der selbst zwei Flüchtlinge betreut. Er meidet den Begriff „Paten“, weil der potenzielle Helfer abschrecken könnte. „Der Kontakt muss gar nicht so eng sein, es sind eher Ansprechpartner gefragt.“
Unterstützung bekommt der Freundeskreis  durch ein Team von Hauptamtlichen um die neue Flüchtlingsbeauftragte Kamilla Schubart, das vor allem für Vernetzung und Organisation zuständig ist. Doch ohne Ehrenamtliche funktioniere Flüchtlingsarbeit nicht, so Pfitzenmaier. „Der Freundeskreis reißt keine Bäume mehr aus wie vor drei Jahren, aber er setzt kleine Bausteine zum Bau einer lebendigen Stadt zusammen.“ Und er helfe Flüchtlingen dabei, sich in diesen Prozess einzubringen.

Begegnungsabend am „Tag des Flüchtlings“

Der Crailsheimer Freundeskreis Asyl und die städtischen Integrationsmanager laden Ehrenamtliche, Geflüchtete und Interessierte morgen um 18 Uhr zu einem Begegnungsabend ins evangelische Gemeindehaus Kreuzberg, Kurt-Schumacher-Straße 3, ein. Anlass ist der „Tag des Flüchtlings“, den die deutsche Bischofskonferenz, die evangelische Kirche in Deutschland und die griechisch-orthodoxe Metropolie 2015 ins Leben gerufen haben, um Solidarität mit Geflüchteten zum Ausdruck zu bringen. Für Essen, Trinken und Musik ist gesorgt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Bereits vormittags von 10 bis 12 Uhr gibt es einen Infostand in der Crailsheimer Fußgängerzone.
Am Schul-Aktionstag zum 100. Geburtstag Hans Scholls am Freitag, 5. Oktober, beteiligt sich der Freundeskreis Asyl mit einem Infostand.
Jeden ersten Mittwoch im Monat gibt es um 16 Uhr einen Kaffee-Kuchen-Nachmittag in der Flüchtlingsunterkunft in der Friedrich-Heyking-­Straße. Das nächste Treffen ist (wegen Feiertags am 3. Oktober) am Mittwoch, 7. November.
Wer Kontakt zum Freundeskreis Asyl sucht, wendet sich an Roland Hilt, Telefon 07951/43206