Eins vorweg: Stephan Türke hat sich beim Live-Interview auf dem Hospitalhof am frühen Donnerstagabend als äußerst charmanter und schlagfertiger Gesprächspartner für Jürgen Stegmaier, stellvertretender Redaktionsleiter des Haller Tagblatts, erwiesen. Von der den Norddeutschen nachgesagten Verschlossenheit und Zurückhaltung ist bei Obersontheims neuem Bürgermeister, der aus Schleswig-Holstein stammt, nichts zu spüren gewesen. Ganz im Gegenteil: Nach ­gerade Mal neun Monaten Amtszeit zeigte sich der Schultes sattelfest in allen Themenbereichen und als ein Verwaltungschef, der für sein Amt brennt und für alle Bürgerinnen und Bürger von Obersontheim ansprechbar ist. „Das Schönste ist, dass ich Bürgermeister geworden bin“, sagte Stephan Türke auf Stegmaiers Frage nach seinem eindrucksvollsten Erlebnis seit seinem Amtsantritt.
Aber eins nach dem anderen: Nach der Begrüßung durch Peer Ley, Leiter des Lesermarkts der Südwestpresse Hohenlohe (SHO) mit den drei Kreiszeitungen Haller und Hohenloher Tagblatt sowie der Rundschau Gaildorf, hat Moderator Harald Grüsser die anwesenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des HT den rund 200 Zuschauerinnen und Zuschauern vorgestellt. „Damit Sie wissen, mit wem Sie es zu tun haben“, so Grüsser, der zum Abschluss des sommerlichen Abends noch ein paar Lieder zum Besten gegeben hat. Dann hat er die beiden Protagonisten des Höhepunkts der HT-Vor-Ort-Aktion auf die Bühne gebeten, Stephan Türke und Jürgen Stegmaier.
Der Schultes macht direkt klar, wie sehr er für sein Amt brennt. „Der Job ist meine Berufung“, sagt er auf die Frage, was er in seiner Freizeit macht. Er gehe halt gern ins Büro. „Sogar am Sonntag“, bestätigt ein Zuhörer per Zuruf und Türke bedankt sich für die Bestätigung.

Die Politik ist gefragt

Jürgen Stegmaier spricht ein Thema an, dass im gesamten Bühlertal heiß diskutiert wird: die medizinische Versorgung. Obersontheim sei mit zwei Hausarztpraxen, einem Zahnarzt und zwei Tierärzten gut aufgestellt. „Die Schließung der Praxis Ziegler in Bühlerzell betrifft uns aber auch“, sagt der Bürgermeister und verweist auf die Patientinnen und Patienten im Fischachtal. Als Gemeinde könne man die Rahmenbedingungen schaffen, verantwortlich für mehr ärztlichen Nachwuchs sei aber die Politik.
Zum Thema demografischer Wandel stellt der Bürgermeister fest, dass Obersontheim gut aufgestellt sei. Das habe Martin Keller-Combé vom Landratsamt erst kürzlich im Gemeinderat bestätigt. „Den kennen Sie ja schon“, sagt Jürgen Stegmaier augenzwinkernd mit Verweis auf Keller-­Combés Kandidatur bei der Bürgermeisterwahl im vergangenen Jahr.
65 Fragen an den Bürgermeister sind beim HT eingegangen, sagt Jürgen Stegmaier: „Es haben sich dabei drei Schwerpunkte herausgebildet: die Kinderbetreuung, Internet und Mobilfunk sowie die Verkehrsbelastung auf der Hauptstraße.“ Konkret fragt er nach einer immer wieder geschlossenen Kita-Gruppe in Untersontheim. „Es handelt sich nicht um Personalmangel, das war krankheitsbedingt“, stellt Türke fest. Das dürfe man nicht verwechseln: „Mangel hieße, wir sind zu blöd, um das Problem zu lösen. Und das sind wir nicht.“ Die Situation in Untersontheim, sei „marginal“, am schlimmsten habe es in der Pandemie beispielsweise das „Entdeckerhaus“ getroffen.

Es geht um die Lärmbelastung

Zur Situation an der Hauptstraße stellt Stephan Türke fest: „Es geht hier nicht um Sicherheitsfragen, sondern um die Lärmbelastung.“ Die Straße sei in einem schlechten Zustand. Man beobachte die Sache sehr genau, demnächst werde zudem ein zusätzlicher Fußgängerüberweg vom Rathaus zum Hospitalhof angelegt. „Und dann darf ich noch etwas verkünden“, so Türke und Spannung liegt in der Luft: „Die Gaildorfer Straße wird im Zuge der Sanierungsarbeiten der L 1066 bis zum Gasthaus Ochsen mit saniert.“ Gemeinde und Landratsamt hätten sich dafür beim Regierungspräsidium Stuttgart erfolgreich starkgemacht. Dafür bekommt der Schultes Applaus.
Beim Thema Internet und Mobilfunkversorgung sei man „sehr nah dran“, stellt Stephan Türke fest. Vor allem das Fischachtal habe man im Blick. Ein dortiger Wasserturm werde beispielsweise aufgerüstet, um die LTE-Versorgung sicherzustellen.
Für gute Unterhaltung sorgen während des Interviews immer wieder Sätze, die Jürgen Stegmaier beginnt und der Bürgermeister vervollständigt. Dabei beweist Stephan Türke Wortwitz und Charme. „Am Freitag nach Feierabend habe ich oft Lust auf …“, beantwortet der Bürgermeister kurz und knapp mit „ein Bier“. Am meisten störe ihn, dass er zugenommen habe. Und wenn er ein Zimmer zu streichen habe, rufe er den Bauhof an, sagt Stephan Türke scherzhaft.

Schürze hätte singen dürfen

„Gern kennenlernen würde ich einmal …“, bringt ihn kurz zum Nachdenken. Es wäre sicher kein Politiker, sagt der Schultes. Die Vorlage führt ihn zum gerade heiß diskutierten Song „Layla“ von Schürze, dem Partyschlagersänger Michael Müller aus Bühlertann: „Wenn er heute hier wäre, dürfte er sein Lied singen.“ Es sei sicher schwierig einem Sechsjährigen zu erklären, worum es in dem Song über eine „Puffmama“ gehe, man müsse aber auch das Thema Prostitution enttabuisieren.
„Layla“ gibt es nach dem Interview nicht zu hören, Harald Grüsser sorgt dafür mit Swing-Klassikern für Stimmung. Stephan Türke bleibt noch lange und unterhält sich angeregt mit seinen Mitbürgerinnen und Mitbürgern.