Die „Seniorenstube“ der Burladinger Sozialstation existiert nicht mehr! Das Betreuungsangebot wurde nach zweijähriger Vorlaufzeit und einigen Umbauten im 2. Stock des Hauses zu einer Tagespflege erweitert. Diese Tagespflege hat ihren Betrieb beinahe unbemerkt aufgenommen. Dessen ungeachtet war der Andrang enorm. Zwölf Plätze gibt es, die sich schnellstens auf 34 Besucher verteilten. Die einen kommen von Montag bis Freitag täglich her, andere sind ein oder zweimal die Woche da.
Die Familien wissen ihre pflegebedürftigen Angehörigen hier zwischen Frühstück und Nachmittagskaffee gut aufgehoben. Sie selbst können zum Arbeiten gehen oder haben als Ganztagspflegende an den mit der Station vereinbarten Wochentagen „frei“, um Dinge zu regeln, die während der Pflege liegen bleiben.
Ein Fahrdienst holt die Tagesgäste morgens zuhause ab und bringt sie abends wieder zurück. Nach der Ankunft in der Station gibt es ein zweites Frühstück, bevor man gemeinsam das „Seniorenlied“ anstimmt, die aktuelle Zeitung diskutiert oder unter professioneller Anleitung Gymnastik betreibt.
Ein Mittagsgericht, Sauerbraten, Geschnetzeltes, Makkaroni, was auch immer, wird fertig angeliefert, jedoch in der eigenen Küche fertig gegart. Deshalb duftet es gegen 12 Uhr in den Räumen der Tagespflege nach Essen – ganz als ob man bei sich daheim wäre. Die Beilagen oder den Nachtisch bereitet man selber zu, so wie auch verschiedene Kuchen, die im Lauf der Woche gegessen werden.
Nach dem Essen kann man sich zu einem Schläfchen in den Ruheraum zurückziehen, man muss aber nicht. Den späteren Nachmittag verbringen die Frauen und Männer, die zwischen 65 und 90 Jahre alt sind, mit Plaudern bei Kaffee und Kuchen oder mit Gesellschaftsspielen und Gesang: „Hoch auf dem gelben Wagen“, das „Hohenzollernlied“ oder der „Bajazzo“ ertönen dann beispielsweise. Die beweglicheren unter den Tagesgästen unternehmen mit den Betreuern zuweilen kleinere Ausflüge, Spaziergänge, schlendern über den Krämermarkt, wenn der alle paar Wochen vor der Haustür logiert. Anschließend holen die Fahrer die Gäste auch schon wieder ab.
„Es ist eine gute Atmosphäre“, meint Pflegedienstleiterin Susanne Zimmermann und Martina Diebold, Leiterin der Tagespflege, stimmt ihr zu. „Fast alle unserer Leute kommen aus Burladingen und den Stadtteilen. Sie kennen sich teils von früher oder haben ganz enge Bezugspunkte zueinander. Für viele sind die Tage hier die Höhepunkte der Woche.“
Versorgt und betreut werden die Besucher von einem sechsköpfigen Team, darunter drei Betreuungsfachkräften. Diese Mitarbeiterinnen kommen beruflich nicht immer direkt aus dem Pflege- oder Gesundheitsbereich, sind oft „Quereinsteiger“.
Aber gerade das mache die Qualität der Betreuung aus, findet Stationsleiterin Zimmermann. „Die Leute haben eine ganz andere Herangehensweise und schaffen es manchmal, die Menschen so zu animieren, dass man nur staunen kann.“ Hinzu kommen elf Ehrenamtliche, die sich fast alle schon zu Zeiten der Seniorenstube als Betreuer engagierten. Nicht wenige von ihnen hatten einst selbst pflegebedürftige Angehörige zu versorgen, kamen auf diese Weise in Kontakt mit der Station und der Stube – und haben ihr Engagement nach dem Tod ihres Angehörigen aufrecht erhalten. Sie lesen, lachen, schwätzen mit den Senioren. Oder transportieren sie, denn auch die drei Fahrer des Bringdienstes sind Ehrenamtliche.
Eine tolle Sache, so ein Tagespflegeplatz! Er entlastet nicht nur die Familie, er trägt auch dazu bei, dass die Pflegebedürftigen längstmöglich im heimischen Umfeld bleiben können. Nur: Wer kann sich so etwas leisten? Was kostet das?

Die Station berät gerne

Diesbezüglich gibt es von Susanne Zimmermann eine gute Nachricht: „In den allermeisten Fällen“, sagt sie, „übernimmt die Pflegekasse die Kosten. Eine Zuzahlung wird nicht fällig.“ Freilich hänge das vom Einzelfall ab – der für Laien wegen der unglaublich komplizierten Gesetzes- und Verordnungslage kaum zu durchschauen ist. Doch Zimmermann bietet Beratungen an und informiert gerne und kostenlos über die Möglichkeiten.
Eine Einschränkung gibt es dennoch, der Tagesgast sollte zumindest „rollstuhlfähig“ sein. Man kann sich die Tagespflege aber auch selbst einmal  ansehen. Am 9. Juni ist dort Tag der offenen Tür.

Info Weitere Auskünfte über die Tagespflege der Sozialstation Burladingen, Josengasse 25, erhält man unter der Telefonnummer 07475/91379 oder im Internet unter www.sozialstation-burladingen.de.

Bedarf dürfte weiter zunehmen

Pflege- und Tagespflegeplätze Laut den letzten Erhebungen des Statistischen Bundesamtes, die allerdings bereits aus dem Jahr 2015 stammen, waren damals in Deutschland 2,9 Millionen Menschen pflegebedürftig. 2,08 Millionen wurden daheim versorgt, davon 1,38 Millionen durch Angehörige. Gemeinsam mit oder nur durch ambulante Dienste wurden 692 000 Patienten versorgt. Vollstationär waren 783 000 Pflegebedürftige untergebracht. Über 5000 neue Tagespflegeplätze sollen 2015 entstanden sein. Damals betrug die Zahl der Pflegestätten 741, die Zahl der Plätze 7265. Alles weist darauf hin, dass diese Zahlen seither weiter gestiegen sind.