Es geht um viel Geld, doch es ist eine gute Investition für Burladingen, darin sind sich die Gemeinderäte einig. Früher war glücklich, wer Wasser und Strom hatte, heute kommt die schnelle Datenübertragung hinzu.
Klar ist: Der Bedarf an hohen Bandbreiten wird mittelfristig nur über Glasfasernetze gedeckt werden können: mit einem Basisnetz, quasi dem Rückgrat (englisch „Backbone“), und ausgehend davon entsprechenden Hausanschlüssen („Fiber to the building“) (siehe Infokasten).
Doch mit der schnellen Datenübertragung sieht es gerade im ländlichen Raum, Beispiel Burladingen, schlecht aus. Denn leider stellt der Markt alleine keine flächendeckende Versorgung sicher. Netzbetreiber bauen nur noch Gebiete aus, die sich für sie wirtschaftlich rechnen.
Bei einer Überragunsrate von unter 30 Mbit/s spricht man schon im privaten Bereich von einer Unterversorgung. Für den gewerblichen Bedarf werden gar symmetrische Bandbreiten benötigt (also die gleichen Datenkapazitäten beim Up- und Download, beim Hoch- und Runterladen). Burladingen hat da noch viele weiße Flecken auf der Landkarte aufzuweisen.

30 Mbit/s sind zu wenig

Landkreise wie der Zollernalbkreis und Städte wie Burladingen müssen also selbst schauen, wo sie bleiben. 2015 haben sich daher acht Landkreise (Alb-Donau, Bodensee, Biberach, Freudenstadt, Ostalb, Ravensburg, Reutlingen und der Zollernalbkreis) zusammengetan und Komm.Pakt.Net gegründet. Der kommunale Zusammenschluss soll dafür sorgen, dass jeder Privathaushalt, jeder Gewerbebetrieb und jede kommunale Einrichtung im Verbund mit Glasfaser angebunden wird – so wie an Wasser und Strom. Gemeinsam ist man stärker, lautet die Devise, sprich: Je größer das Breitbandnetz ist, desto attraktiver ist es für die Netzbetreiber.
Ziel im Zollernalbkreis ist es, das gesamte Backbone in den nächsten drei Jahren zu erstellen, wie Andrea Gobbo von der Geschäftsstelle Breitbandausbau des Landkreises jüngst in Burladingen erklärte. Die Stadt trägt dabei ihren Anteil am Backbone-Ausbau. Die Burladinger Kosten werden – nach Abzug möglicher Fördermittel – mit unter eine Million Euro beziffert.
Dieses sogenannte „Rückgrat“ (Backbone) ist die eine Sache. Denn für den Ausbau der Netze in den Kommunen (FTTB) sind die Städte und Gemeinden selbst zuständig – mit entsprechender Unterstützung des Landkreises und Fördermitteln des Landes. Dabei wird empfohlen, zunächst Gewerbegebiete und Schulen an das Glasfasernetz anzuschließen. 2018 und 2019 sollen so das Burladinger Schulzentrum und das Burladinger Gewerbegebiet „Kleineschle“ angebunden werden.
Wie für die Backbone-Planung stehen auch für die innerörtliche Planung die Fachleute der Planungsgemeinschaft RBS-wave zur Seite. Und die haben nun für ganz Burladingen eine Kostenschätzung von gut 31 Millionen Euro vorgelegt. Das Geld müsse sich auf die nächsten 15 bis 20 Jahre verteilen, wie Berthold Wiesner, Erster Beigeordneter der Stadt, meint. Kleine Nachfrage aus dem Gemeinderatsrund: Ist in 20 Jahren dann nicht schon alles wieder veraltet? Immerhin: Liegen einmal die Rohre, können die darin laufenden Kabel beliebig, wenn es denn sein muss, ausgetauscht werden.

Backbone (englisch) steht für Rückgrat

Backbone, englisch für Rückgrat, steht für ein Basisnetz mit sehr hohen Geschwindigkeiten. Als Modellprojekt wird das Backbone-Netz im Zollernalbkreis vom Land Baden-Württemberg gefördert.
FTTC (Fiber to the curb): Glasfaser wird bis zum Kabelverzweiger gelegt; Curb (auch wieder englisch) heißt Bürgersteig. Vom Kabelverzweiger geht es dann erst einmal herkömmlich mit Kupfer weiter.
FTTB (Fiber to the building) bedeutet nichts anderes, als das Glasfaserkabel schließlich bis zum Gebäude (building) zu legen.
FTTH (Fiber to the home) ist das ehrgeizigste Ziel: Der Glasfaseranschluss geht bis ins Haus (home), also vom Netz ins Endgerät. Dann besteht wirklich freie Fahrt auf der Datenautobahn.