Ursprünglich wollte sie über die Bönnigheimer Vogelwelt schreiben, doch die passionierte Ornithologin stieß bei ihren Recherchen auf einen spektakulären Mordfall, dem sie nachging, und so immer neue Hintergründe an den Tag brachte. „Tod eines Mörders“ heißt die originalgetreue Übersetzung ihres Buches, doch das Cover hat sich gegenüber der englischen Ausgabe geändert. Zu sehen ist darauf nun eine Tatortskizze sowie eine Schrotflinte mit jenen Bleikugeln, die den früheren Bönnigheimer Bürgermeister Rieber das Leben kosteten.
Reiber war im Jahr 1835 ermordet worden, vor seinem Wohnhaus, dem heutigen Kavaliersbau am Schloss. Die Kugeln steckten nicht nur im Holz der Tür sondern auch im Körper von Bürgermeister Rieber, der danach qualvoll starb. Das Motiv des Mörders: Er war abgelehnt worden vom Forstamt, wo er sich um eine Stelle beworben hatte. Der Täter flüchtete anschließend durch die Gassen Bönnigheims und später ins Ausland. Genauer gesagt, in die USA mit einer Schiffspassage, zu einer Kompanie deutscher Freiwilliger im mexikanisch-amerikanischen Krieg.
Ermittelt wurde durch das Besigheimer Oberamt: Eduard Hammer, der Untersuchungsrichter des Besigheimer Gerichts, fand heraus, dass die Schrotkugeln besondere Furchen aufwiesen und nur aus einem gezogenen Lauf stammen konnten. Er ließ damals alle 48 Gewehre der Stadt einsammeln und sie untersuchen. So konnten die falschen Gewehre ausgeschlossen werden und die forensische Ballistik war geboren.

Unterstützung vom LKA

Zu diesem Schluss kommen zumindest die frühere US-Staatsanwältin Ackermann und Beamte des LKA in Stuttgart, von dem die Autorin Unterstützung bekam. Bisher wurde diese Ballistik-Methode dem berühmten Lyoner Arzt und Kriminologen Alexandre Lacassagne zugeschrieben, der sie erst 1889 veröffentlichte. Bönnigheim war damit womöglich viele Jahre vorher dran und könnte mit diesem Fall zur Wiege der frühen Kriminaltechnik werden.
„Der Silberburg-Verlag ist auf mich zugekommen“, sagt die Bönnigheimerin Ann Marie Ackermann, die im letzten Jahr für ihr Buch in den USA ausgezeichnet wurde (die BZ berichtete). Aus gutem Grund: „Die echten Fälle sind viel spannender als die erfundenen“, so die Amerikanerin, die sich nun auf die deutschsprachige Ausgabe ihres Buches freut. Übersetzt hat das Original Dr. Otfried Kies vom Zabergäuverein, in dem Ackermann Mitglied ist. Der Silberburg-Verlag hat den Text lektoriert, den Einleitungstext hat Ralf Michelfelder, der Präsident des Stuttgarter Landeskriminalamts geschrieben, der auch die Ausstellung eröffnen wird, die es nächstes Jahr im Steinhaus geben wird. Dann wird auch der Film gezeigt, mit dem das Heilbronner Kolping-Kolleg die Tat und Flucht des Täters szenisch nachzeichnet.
Gut möglich, dass Ann Marie Ackermann doch noch im „Guinness Buch der Rekorde“ landen wird. Es gebe für den Rekord noch keinen Titel und keine Kategorie, so dass man sie beantragen müsse, erklärt die Autorin. Zwar hat es mit dem Guinness-Rekord zur späten Belohnung für die Täterergreifung nicht geklappt, für die Ex-Bürgermeister Kornelius Bamberger eigens in die USA gereist war. Doch in Sachen Ballistik kann ihr das womöglich gelingen. „Es gibt die Chance auf die älteste Verwendung der forensischen Ballistik“, glaubt Ann Marie Ackermann. Durch ihre Recherchen im Ludwigsburger Staatsarchiv und beim LKA entdeckte Ackermann ganz nebenbei die innovativen Methoden, die damals im Jahr 1836 vom Besigheimer Oberamt angewandt wurden.
Vor der Ausstellung im April 2020 wird die Erscheinung des Buches im September im Schloss gefeiert. Am 25. und 26. September werde das Buch präsentiert mit Szenen, in denen Schauspieler die Ermittlungen zeigen, verrät Ackermann. Dort werde es auch Antworten auf die Frage geben, was Mitglieder aus Bönnigheimer Familien mit dem Mordfall zu tun hatten.
Ihr nächstes Buch wird nach den Aufregungen im wahren Mordfall Rieber wohl weniger spektakulär: Es geht um Besenwirtschaften, die in verschiedenen Formen in Europas Ländern existieren und die Amerikanerin faszinieren. Doch wer weiß, was sich im Verlauf der Recherchen so alles ergibt.