Da sitzen die Bönnigheimer dicht an dicht, um zu erleben, wie Mitarbeiter aus dem Rathaus, von der Polizei, Schüler und Gemeinderäte in die Rolle der Bönnigheimer Bürger von 1835 schlüpfen. Der Anlass für das vom ländlichen Leben bestimmte szenische Spiel im Bönnigheimer Schloss: Die amerikanische Autorin und Wahl-Bönnigheimerin Ann Marie Ackermann hat ihr Buch über den Bürgermeistermord im Jahr 1835 in Bönnigheim ins Deutsche übersetzen lassen für alle, die Bücher lieber auf Deutsch statt in Englisch lesen.
Das Schauspiel zur deutschen Buchpremiere zu „Tod eines Mörders“ lädt gleich an zwei Abenden im Bönnigheimer Schloss zur Zeitreise ein. Um das zu bewerkstelligen, hat die Bönnigheimer Stadtverwaltung in Kooperation mit der Autorin Ann Marie Ackermann in Bönnigheim sämtliche Kräfte mobilisiert. Mitarbeiter aus dem Rathaus schlüpfen in die Rollen ihrer Kollegen, die schon lange nicht mehr am Leben sind, ebenso Gemeinderäte und Mitarbeiter von der Polizei. Auch Schüler sind dabei.

Eine düstere Zeit

Alle zusammen tauchen gemeinsam in eine Zeit ein, die düster war für Bönnigheim: Am 21. Oktober 1935 wurde nämlich der Stadtschultheiss Johann Heinrich Rieber angeschossen. Es ging um Leben und Tod und der Gemeinderat leitete sofort aufwendige Ermittlungen ein.
Die heutigen Bönnigheimer spielen ihre Vorfahren in dem Stück, das das Leben schrieb, und die die nicht mitspielen, verfolgen nun als Zuschauer das Geschehen mit angehaltenem Atem. Mit der Übersetzung ins Deutsche wird ein Stück Bönnigheimer Stadtgeschichte lebendig, wie sie abgelaufen ist oder wie sie abgelaufen sein könnte. Das Buch ist nicht nur regional von Bedeutung, sondern wird gefördert vom  Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat im Rahmen der „Regionalreise“ der Regionalbuchtage als eine von bundesweit 16 Veranstaltungen, gemeinsam mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

Autorin erzählt über ihr Werk

Die Autorin selbst führte vorab in die Geschichte des Kriminalfalls ein. Als amerikanische Staatsanwältin hat sie das Thema gefesselt, zumal es sich beim Bürgermeistermord von Bönnigheim um einen Mord handelt, bei dem zur damaligen Zeit besonders intensiv ermittelt wurde und der der erste Mordfall war, in dem forenische Möglichkeiten verwendet wurden. Es ist zudem ein Ausflug in die ländlich geprägte Biedermeier-Zeit. Die Kostüme sind aus dem Fundus der Historischen Gesellschaft. Alles wirkt sehr authentisch und nichts steht einer Zeitreise im Weg.
Der Bönnigheimer Polizeibeamte Heiner Ziegler schlüpft in die Rolle des Oberamtsrichters Eduard Hammer. Die drei Gemeinderäte Dorothea Bechtle-Rüster, Jochen Türk und Michael Gerdes sowie der ehemalige Stadtrat Gerhard Hepperle spielen Stadträte und drei Schüler der Theater-AG des Alfred-Amman-Gymnasiums übernehmen die Rollen von Verdächtigen und Zeugen. Damit passiert in Bönnigheim etwas, was es nicht oft gibt: Für diese Inszenierung greifen mehrere Zahnräder ineinander. Natürlich ist auch der Kopf der Historischen Gesellschaft und Leiter des Bönnigheimer Schnapsmuseums mit im Boot: Kurt Sartorius spielt Gottfried Kölle, und, um so nahe wie möglich bei der Wahrheit zu bleiben, spielt seine Ehefrau Marianne Sartorius die Gattin Christine Elisabeth Kölle. Minutenlang rauschte der Beifall nach dem Schauspiel.

Hintergrund

Rekorde hält der Bönnigheimer Kriminalfall deshalb, weil die Zeit von der Tat bis zur Aufklärung unglaublich lange war, und weil er wohl Deutschlands einziger Mordfall ist, der in den USA aufgeklärt wurde. Als Pilotprojekt wurden damals neue Techniken in der forensischen Ballistik, in der Lehre von Fluggeschossen, eingesetzt, und es gab die späteste Belohnung für die Aufklärung eines Mordfalls, die je bezahlt wurde.
Die Wahl-Bönnigheimerin Ann Marie Ackermann war neun Jahre Staatsanwältin in den USA und versteht sich darauf, juristische Fachtexte ins Deutsche zu übersetzen. Thematisch ist sie nicht nur in der Kriminalistik, sondern auch in der Vogelkunde zuhause. Ihr Roman „Death of an Assassin: The True Story of the German Murderer Who Died Defending Robert E. Lee“, wurde 2017 veröffentlicht und 2018 mit dem „Independent Publisher Award“ in Bronze in der Rubrik „True Crime“ ausgezeichnet. Die deutsche Übersetzung „Tod eines Mörders“ erschien am 18. September. suy