Zwölf Personen stehen im Verdacht, das verbotene rechtsextreme Netzwerk „Blood & Honour“ in Deutschland wiederaufleben zu lassen. In einer bundesweiten Razzia ging die Polizei unter der Leitung der Generalstaatsanwaltschaft München am Mittwoch gegen die Neonazis vor – auch in Baden-Württemberg.
Dabei wurden in Bingen (Landkreis Sigmaringen) und in Fellbach im Rems-Murr-Kreis die Wohnungen zweier Verdächtiger durchsucht. „Der Verdacht besteht, dass hier versucht wurde, eine baden-württembergische „Blood & Honour-Sektion“ aufzubauen“, sagte Joachim Ettenhofer von der Generalstaatsanwaltschaft München.
Bei der Wohnungsdurchsuchung in Bingen konnte die Polizei rund 50 verdächtige Gegenstände und Datenträger aus der rechten Szene sichern. In Fellbach dagegen wurde nichts gefunden. „Das bedeutet jedoch nicht, dass der Verdacht hinfällig ist“, so Ettenhofer. Gegen beide Verdächtige werde weiter ermittelt, die gesicherten Gegenstände werden derzeit noch von der Polizei ausgewertet.
Der verdächtige Fellbacher sei zudem „kein unbeschriebenes Blatt“ gewesen, so eine Pressesprecherin der Stadt. Als ehemaliger NPD-Funktionär und Bundestagskandidat sei er in der rechten Szene bekannt gewesen, in Fellbach selbst jedoch nie öffentlichkeitswirksam aufgetreten oder durch die Verbreitung von rechtsextremem Gedankengut auffällig geworden.

Vier Verdächtige verhaftet

Insgesamt wurden bei der Razzia laut Angaben der Polizei 15 Objekte in Bayern, Thüringen, Hessen, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg durchsucht. Noch am selben Tag wurden vier Verdächtige verhaftet, bei denen es sich um Rädelsführer und Hintermänner handeln soll. Laut Generalstaatsanwaltschaft liegen jedoch gegen die beiden Verdächtigen aus Baden-Württemberg keine Haftbefehle vor.
Das rechtsextreme Netzwerk hat seinen Ursprung in Großbritannien und steht für die Verbreitung von rechtsextremem Gedankengut sowie Musik- und Fanartikeln. In der Bundesrepublik wurde „Blood & Honour“, die auch in Baden-Württemberg aktiv waren, im September 2000 verboten. Laut dem Landesamt für Verfassungsschutz gibt es derzeit keine genauen Erkenntnisse darüber, wie viele Personen mit einer Nachfolge-Organisation in Verbindung stehen. Auch eine Verbindung zum Nationalsozialistischen Untergrund (NSU), die es bei „Blood & Honour“-Mitgliedern in der Vergangenheit gegeben hatte, könne man aktuell nicht bestätigen.

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