FRIZZ: Im September erscheint dein erstes Buch „Die Tochter des Zementbarons“ ¬ ein historischer Roman, wenn ich mich nicht täusche ...

Sylvia: Jein. Es ist ein historischer Liebesroman, denn ohne Liebe hast du es schwer bei den Verlagen. (lacht)

Okay. Warum das?

Mir war das auch nicht so bewusst, aber historische Liebesromane sind total begehrt, weil sie eine sehr große Leserschaft haben. Tatsächlich hatte ich sowieso schon eine Liebesgeschichte drin. Die habe ich im Laufe der Zeit dann aber nochmal ein bisschen ausgebaut.

Und um was geht es abseits der Liebe in deinem Buch?

Es geht um den Beginn des ersten Weltkriegs und Anna Kran, die Tochter des Zementbarons in Blaubeuren. Anna ist eher auf der nationalistischen Seite angesiedelt. Als recht behütete Tochter, wird von ihr erwartet zu heiraten und Kinder zu bekommen. Ihr Vater hält sie aus dem Familienbetrieb weitestgehend heraus, obwohl sie das durchaus spannend findet. Als der Krieg ausbricht, möchte Anna einen Beitrag leisten und Lazarettschwester werden, was ihr Vater wiederum verbietet. Sie sucht dann nach Möglichkeiten, wie sie doch ihren Willen bekommt. Auf der anderen Seite geht es um einen Arbeiter im Zementwerk, der ein bisschen revolutionär unterwegs ist. Er sieht den Krieg als etwas an, bei dem Arbeiter an der Front verheizt werden und organisiert Kriegsproteste. Dadurch gerät er mit der Tochter des Zementbarons aneinander.

Aha. Und da haben wir dann unsere klassische Liebesgeschichte?

(lacht) Nicht wirklich. Tatsächlich war das zwar erst mein Plan, aber dann habe ich mich umentschieden. Beim Schreibprozess ändert sich ja gerne mal etwas und Ideen, die anfangs total gut sind, sind es dann später doch nicht mehr. Dementsprechend geht die Liebesgeschichte jetzt auch in eine andere Richtung.

Warum der Erste Weltkrieg? Was hat dich gerade an der Zeit interessiert?

Ich fand gerade diese unterschiedlichen Strömungen interessant. Auf der einen Seite die Menschen, die sich beinahe auf den Krieg gefreut haben. Sie versprachen sich Abenteuer und wollten ihren Heldenmut unter Beweis stellen. Auf der anderen Seite, diejenigen, die sich klar dagegen positioniert und protestiert haben. Das fand ich sehr spannend.

Wie kamst du auf Blaubeuren als Handlungsort?

Ich bin 2018 nach Blaubeuren gezogen und die Stadt hat es mir von Anfang an angetan. Die Fachwerkhäuser, die Natur, der Blautopf, das Rusenschloss und, und, und. Blaubeuren ist ein wahnsinnig schönes Städtchen und bietet sich als Handlungsort einfach an. Und andersherum hat es ja auch was. Durch die Recherche habe ich meinen Wohnort nochmal ganz anders kennengelernt.

Und eine Liebesgeschichte macht sich in so einem hübschen Städtchen auch ganz gut.

(grinst) Ganz genau.

Wie sah diese Recherche aus?

Ich habe versucht viel im Internet zu recherchieren. Da gibt es Originalquellen, eingescannte Dokumente, Briefe oder Heeresberichte. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass ich Zeitungen von damals brauche. Ich wollte einfach wissen, was die Menschen in Blaubeuren gelesen haben und dadurch ein besseres Gefühl für die Zeit bekommen. Daraufhin habe ich beim Blaubeurer Stadtarchiv angefragt und durfte mir dann die Zeitungen von 1914 ansehen. Das war echt cool. Die sind alle in einem großen Buch zusammengefasst und ich habe Seite für Seite abfotografiert. Dadurch konnte ich sie am PC oder Handy lesen.

Das hört sich sehr umfangreich an.

(lacht) Oh ja. Ich hatte irgendwann eine riesige Liste mit Dingen, bei denen ich dachte: „Das könnte ich auch noch mit reinnehmen und das auch und das auch …“

Wie lange hat das Schreiben ungefähr gedauert?

Den ersten Entwurf habe ich in etwa drei Monaten erst mal „runtergeschrieben“. Davor hatte ich aber schon ein halbes Jahr recherchiert und mir das Grundgerüst der Geschichte ausgedacht. Damit es aber letztlich rund wird, habe ich das Ganze noch vier Mal überarbeitet, was auch nochmal gedauert hat.

Dein Roman erschient im Brunnen Verlag. Stand irgendwann mal zur Debatte, das Buch im Selbst-Verlag zu veröffentlichen?

Ich glaube, es ist eher eine unpopuläre Meinung, aber ich dachte mir, wenn mein Roman nicht gut genug für einen Verlag ist, ist er auch nicht gut genug für‘s Self-Publishing. Und man darf nicht vergessen, dass ein Verlag im Rücken nicht nur wahnsinnig viel Arbeit abnimmt, sondern auch ganz anders vernetzt ist, als man selbst.

Hast du denn ein Ziel mit dem Roman?

Nicht im Sinne von: Erst wenn x Exemplare verkauft sind, bin ich zufrieden. Natürlich würde ich mich freuen, wenn sich viele Bücher verkaufen und den Leuten die Geschichte gefällt. Aber ein konkretes Ziel habe ich nicht. Vielleicht, dass der Verlag insgesamt zufrieden ist und die sagen: „Ja, mit der machen wir nochmal was.“ Das wäre nicht schlecht.

Höre ich da raus, dass es vielleicht einen weiteren Roman geben wird?

(lacht) Mal sehen. Zumindest arbeite ich schon daran.

In welche Richtung geht er?

Nur so viel: Es wird wieder historisch, spielt aber nicht in Blaubeuren, sondern eher im Norden von Deutschland.
[frizz]

Zur Person

Sylvia Barron ist 28 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in einem Fachwerkhaus in Blaubeuren. Wenn sie gerade keine Bücher schreibt, arbeitet sie als IT-Projektmanagerin in Ulm.