Im Jahr 2017 wurden in Deutschland 620 Raubüberfälle auf Tankstellen polizeilich erfasst, so das Statistik-Portal Statista. Im Landkreis gab es im vergangenen Jahr nur einen Überfall auf eine Tankstelle, teilt das Polizeipräsidium Ludwigsburg mit. Matthias Breier, Inhaber der OMV-Tankstelle in der Stuttgarter Straße in Bietigheim-Bissingen, wurde in den rund 15 Jahren, seit dem Bau seiner Tankstelle, noch nie Opfer eines Raubüberfalls, obwohl sein Geschäft rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche geöffnet hat. „Da auch nachts immer viel Publikum da ist, sowie zwei Mitarbeiter vor Ort sind, ist die Tankstelle nicht sehr attraktiv für Raubüberfalle“, so Breier. Generell sei der Großteil der Kundschaft, auch nachts, sehr umgänglich.
Während das Publikum unter der Woche in erster Linie aus Arbeitern besteht, die entweder von der Nachtschicht kommen oder auf dem Weg zu eben jener sind, mischen sich am Wochenende vermehrt Jugendliche und junge Erwachsene, die gerade aus der Disco oder von sonstigen Festen kommen, darunter. Auch hier seien Störenfriede nicht die Regel aber etwas wahrscheinlicher als unter der Woche. Gelegentlich kommt es schon einmal vor, dass sich ein paar Betrunkene im Adrenalinrausch in die Regale schubsen, erzählt der Tankstellen-Besitzer. Dann wird wegen der Sachbeschädigung die Polizei verständigt. Für solche und andere Fälle von Krawallmachern werden seine Mitarbeiter geschult, um in diesen Situationen möglichst deeskalierend und beruhigend wirken zu können.
Außerdem hat der Tankstellenbetreiber aus Sicherheitsgründen eine Videoüberwachungsanlage installieren lassen. „Wenn sich jemand daneben benimmt, sich nicht überzeugen lässt, nach Hause zu gehen und das nicht einsieht, dann bekommt er Hausverbot. Sollte er sich dann immer noch widersetzen, rufen wir die Polizei“, so Breier weiter.

Service aus Gewohnheit

In einer großen Stadt wie Bietigheim-Bissingen würden die Menschen auch nachts einen Service erwarten, allein schon aus Gewohnheit. So werden je nach Saison rund 20 Prozent der tankenden Fahrzeuge zwischen 22 und 6 Uhr bedient und aufgrund der florierenden Wirtschaft und den daraus resultierenden Beschäftigten wachse der Kundenstamm der Beschäftigten immer weiter. Das sei früher nicht so gewesen, sondern erst mit zunehmenden Beschäftigungsraten und einhergehenden Berufstätigen, die auch nachts unterwegs sein müssen, gekommen. Die Berufe sind sehr unterschiedlich. Egal ob Polizist, Taxifahrer, Krankenwagenfahrer oder Fabrikarbeiter, jeder Job, bei dem auch nachts gearbeitet wird, fällt darunter. „Diese Menschen holen sich dann auf dem Weg zur Arbeit einen Kaffee und einen kleinen Snack als Frühstück oder nach der Arbeit ein Leberkäsebrötchen und ein Feierabendbier“, so Matthias Breier.
„Manchmal schläft auch einer ein, dann lassen wir ihn ausschlafen und rufen gegebenenfalls ein Taxi. Solange niemand belästigt wird, weder die Mitarbeiter noch andere Gäste, ist das überhaupt kein Problem“, erzählt er weiter.
Auf die Frage, warum er glaubt, dass es bei ihm in der Tankstelle auch nachts verhältnismäßig normal abläuft, sagt Breier: „Ich denke, wir bieten hier ein recht angenehmes Ambiente, soweit das in einer Tankstelle überhaupt möglich ist, und entsprechend nimmt das Publikum das auch an.“ Breier vergleicht seine Tankstelle deshalb auch mit einer regulären Gaststätte: „Wir wollen den Kunden ja weiterhelfen.“ Entsprechend begrüßt er auch das Ende des Alkoholverkaufverbots für Baden-Württemberg in der Nacht an Tankstellen. „Damit sollten Jugendliche erzogen werden, es wurden aber alle Menschen eingeschränkt, auch die, die sich beispielsweise nach der Arbeit lediglich noch ein Bier genehmigen wollten.“ Die Personengruppen, die man damit erreichen wollte, hätten sich schlicht und ergreifend im Vorfeld mit genügend Alkohol eingedeckt, was dazu führte, dass das Verkaufsverbot überhaupt nichts bewirkt habe.
Breier habe auch keine Zunahme an Störenfrieden verzeichnen können, seit es ihm in seiner Tankstelle wieder erlaubt ist, nachts Alkohol zu verkaufen. Der Großteil des Publikums sei sehr umgänglich und dass bei einer großen Anzahl an Kunden auch mal einer über die Stränge schlage, sei leider normal, betont er.
Hin und wieder passiert dann allerdings doch etwas Aufregendes. So erzählt Breier von einem Fall, bei dem in Bietigheim-Bissingen jemand das Fahrzeug eines unliebsamen Konkurrenten angezündet habe. Kurz vorher sei ein Benzinkanister in seiner Tankstelle gekauft worden. Es stellte sich dann heraus, dass es sich tatsächlich um besagte Person handelte. Über die Videoaufzeichnung konnte die Polizei den Täter schließlich identifizieren und festnehmen. Solche Vorfälle bleiben aber natürlich die Ausnahme, das Geschäft nachts sei normaler, als so manch einer es sich vielleicht vorstelle.