Da schwimmen sie wieder durch die winterkalte Enz mit Fackeln bewaffnet: 70 mutige Schwimmer gingen am Samstag in Neoprenanzügen in Bietigheim-Bissingen an den Start, begleitet von Flößen, auf denen hier und da sogar ein Tannenbaum blinkte.
Es ist ein Schauspiel wie es nirgends ein zweites gibt: Immer am dritten Advent steigen die Bietigheimer Unterwasserfreunde und viele ihrer Freunde und Bekannte ins dunkle Wasser. Das wollen natürlich viele live miterleben und so sammelt sich auf der Enzbrücke zu diesem Anlass immer eine Menschentraube. Die Unterwasserfreunde Bietigheim-Bissingen verkaufen Glühwein und schauen inzwischen gerne zurück auf einige Schwimmaktionen in der Enz im Winter.
Lars, 15 Jahre, steht auf der Enzbrücke und schaut ins schwarze Wasser. Er gehört zu den Unterwasserfreunden und käme aber trotzdem nicht auf den Gedanken, hier mitschwimmen zu wollen. „Dennoch ist das Enz-Schwimmen für uns ein Familienereignis“, erzählen Ute Hörer und Simone Sill. „Die Kinder sind im Verein, schwimmen teils hier mit und wir kommen zum Anfeuern.“
Bei guter Strömung sind die Enzschwimmer eine halbe Stunde unterwegs. Von der Wobachbrücke wird zu diesem Anlass immer gerne die ein oder andere Schnapsflasche ins Wasser gelassen.
Leonie, 17 Jahre, schafft die Strecke auch gut ohne feurige Stärkung. Dreimal ist sie schon mitgeschwommen, erzählt sie. Die Aussteigstelle ist deutlich mit zwei brennenden Baumstämmen markiert. Claudia Moraske und ihre Freundinnen stehen schon bereit, um den Schwimmern aus dem Wasser zu helfen. „Es geht hier rein um die Gaudi, nicht um Platzierungen“, betont der Vorsitzende der Unterwasserfreunde Bietigheim-Bissingen, Björn Beutinger.
105 Mitglieder stark ist sein Verein zurzeit. Einige sind beim Enzschwimmen, dem gesellschaftlichen Highlight des Vereins, seit Jahren, dabei. „In diesem Jahr gehen 70 Schwimmer aus ganz Süddeutschland an den Start. Wir haben einige, die nehmen viele Kilometer Fahrt in Kauf, um hier mitzuschwimmen“, erzählt Beutinger. Er weiß noch genau, was vor vielen Jahren den Auslöser für das Enzschwimmen gegeben hat: die Landesgartenschau in Bietigheim. „Damals hat man ein Event gesucht, um die Enz in das Geschehen zu integrieren. Zwischendurch haben wir dann mal eine Pause gemacht und laden jetzt zum 22. Enzschwimmen ein“, so Beutinger.
Immer am Dritten Advent gehen die eifrigen Schwimmer ins Wasser. Um die zehn Flöße begleiten sie bei ihrer nächtlichen Tour. Besonders eindrucksvoll ist das Floß aus den eigenen Reihen der Unterwasserfreunde. „Das ist aus den orangenen Kunststoffrohren gebaut, die man im Baumarkt bekommt“, lässt Beutinger wissen. Es wird seitlich abgedichtet, und trägt das Logo des Vereins.

Passiert ist noch nie etwas

Eine Feuerwerksbatterie wird während der Fahrt abgefeuert – auch das ist schon längst ein Ritual. „Das Schwimmen in der Enz, das geht in dieser Jahreszeit natürlich nur mit speziellen Tauchanzügen. Mit der Zeit wird es im Wasser trotz Tauchanzug etwas kühl. Doch dann geht’s unter die heiße Dusche in der Sporthalle und danach gibt’s einen heißen Glühwein“, so der Vorsitzende.
Passiert sei bei der nächtlichen Schwimmaktion noch nie etwas im Wasser. Toi, toi, toi, so Beutinger. „Wir haben ja auch die Begleitung des Technischen Hilfswerks Bietigheim. Die begleiten uns mit einem Schlauchboot. Unsere beiden Taucher Stefan Zwick und Horst Maurer sichern die Schwimmerriege von hinten ab, so dass kein Schwimmer verloren gehen kann. Außerdem ist ein Seil gespannt, so dass kein Schwimmer abtreiben und am Wehr landen kann“, macht Beutinger deutlich.

Enzsschwimmen zieht viele an

Feuerwerk auf dem Floß, und viele Zuschauer – das zieht seit Jahren immer wieder viele Schwimmer ins Wasser. „Beim Enzschwimmen sind schon Freundschaften entstanden. Da gibt’s Leute, die kommen von weit her und sind trotzdem schon seit Jahrzehnten dabei“, freut sich der Vorsitzende der Bietigheimer Unterwasserfreunde. Mit dem Enzschwimmen macht der Verein in der Öffentlichkeit auf sich aufmerksam. Alle Schwimmer bekommen vom Verein eine Fackel gestellt und zur Belohnung einen Lebkuchen.