Liebe und Tod – eines der zentralen Motive der deutschen Literatur über die Jahrhunderte – ist auch das Motiv in „Ein Sommerleben“, dem ersten Buch von Markus Weiss.  Von Montag bis Sonntag werden die Erlebnisse eine Mannes in einer heißen Sommerwoche erzählt – es ist immer dieselbe Woche, aber über verschiedene Jahre verteilt von 1969 bis 1989, ein literarischer Kniff, der die Geschichte rund, spannend und geheimnisvoll macht.

Auf 109 Seiten alles drin

Markus Weiss, seines Zeichens Germanist und seit Jahren Deutschlehrer an den Ellental-Gymnasien, weiß, was er schreibt. Er kennt sich aus mit Literatur und Sprache und das ist es, was seinen Erstling – mehr Erzählung denn Roman –  so lesenswert und hochwertig macht. Nur 109 Seiten hat das Buch, aber da ist alles drin.
Es ist das erste in einer Serie von mindestens drei, so sagt Weiss. Über den Protagonisten Michael Es steckt natürlich eine Menge Markus Weiss in dem Buch, aber es ist Fiktion, wie der Autor sagt. Wie Michael hat auch Weiss seine Mutter als Kind verloren. Dieser Verlust beeinflusst alles in Michaels weiterem Leben. Wie Weiss studierte Michael Germanistik, schreibt über „Liebe und Tod im 19. und 20. Jahrhundert“, liest „Der grüne Heinrich“ von Gottfried Keller, einer der ersten deutschen Entwicklungsromane.
Auch Weiss’ Buch ist ein Entwicklungsroman. Er hat sich für eine unmoderne Form der Literatur entschieden, steht damit aber nicht nur in Kellers Fußstapfen, sondern auch in der Tradition von Goethes „Wilhelm Meisters Lehr- und Wanderjahre“.
Es geht um Verlust in diesem Buch: Die Mutter stirbt. Der Bruder stirbt. Der Vater schlägt und ist kalt wie eine Hundeschnauze. Der Kindheitsfreund bringt sich um, auch motiviert von Verlustängsten. 1989 verlässt Michaels väterlicher Freund, ein Mönch, das Kloster, in dem Michael Trost sucht. Einen Tag später bringt sich ein Novize um, weil er den Verlust von Lebenssinn nicht aushält. Michaels Sohn stirbt – das ist der Showdown der Erzählung.

Es geht um Verlust

Es ist viel Tod und Verlust für ein Leben. Aber: Michael hat viele Liebesgeschichten, Affären, Beziehungen. Aber keine hält. Auch hier, Verlust, wo man hinliest, aber auch Trost in Momenten der Zärtlichkeit, der Verbundenheit. Michael sagt, egal, was passiert, er kann niemals ohne die Liebe von Frauen sein, und diese holt er sich, eine nach der anderen. In „Ein Sommerleben“ ist kein Wort zuviel. Markus Weiss erzählt fast nüchtern und sprachlich über den Dingen stehend.  Michael macht immer weiter, er verdrängt nichts, er überlebt. Seine Lebensstrategie ist, sich weiterzuentwickeln.

Biografie Markus Weiss

Markus Weiss wurde 1968 in Bad Saulgau geboren und wuchs in Oberschwaben mit drei Schwestern auf. Von 1990 bis 1996 studierte er Germanistik und katholische Theologie in Freiburg und Tübingen. Seit 1998 arbeitet er als Lehrer für die Fächer Deutsch, katholische Religion sowie Literatur und Theater an den Ellental-Gymnasien in Bietigheim-Bissingen. Er lebt  in Sersheim. „Ein Sommerleben“ ist in der Europa-Verlagsgruppe erscheinen und kostet 12,90 Euro. sz