Die B27 zerschneidet manche Region auf ihrem Weg von Blankenburg im Harz bis runter an die Schweizer Grenze. Sie teilt auch den Zollernalbkreis, insbesondere die Stadt Balingen. An schönen Tagen bietet die Bundestraße herrliche Ausblicke auf die Schwäbische Alb und deren Obstbaumwiesen, Bergrücken und sanfte Hügel. An fast allen Tagen indes ist sie verstopft. Autos und Lastzüge so weit das Auge reicht, in ihnen quälen sich zu Stoßzeiten Fahrer im Stop-and-go von Ortsdurchfahrt zu Ortsdurchfahrt. Das sind auch – aber in den seltensten Fällen – Touristen, größtenteils aber ist es der Berufsverkehr, der jenen auf die Nerven geht, die im Auto nicht vorankommen, und denen, die als Anwohner dicht befahrener Straßen Lärm und Feinstaub ausgesetzt sind.

Verstopfte Straßen

Der Leidensdruck ist besonders in Endingen hoch. Wegen der massiven Verkehrsprobleme ist auf der Durchfahrtsstraße Tempo 30 vorgeschrieben. Das hat allerdings zur Folge, dass sich regelmäßig der Verkehr staut. Auch auf der B 27 ist ab 16 Uhr von Balingen Süd in Richtung Rottweil Geduld gefragt, morgens um 8 geht es in die andere Richtung langsam.
Doch woher kommen die Autos? Die jetzt veröffentlichten Daten des Pendleratlas‘ Deutschland geben darüber Aufschluss. Demnach fahren jeden Morgen 2760 Personen mit ihrem Wagen von Albstadt nach Balingen. Aus Geislingen und Hechingen kommen etwas mehr als 1000 Fahrzeuge, dann folgen Bisingen (951), Haigerloch (789), Meßstetten, Rosenfeld, Schömberg, Dotternhausen und Burladingen (282). Im Atlas werden nur die jeweils zehn größten Pendelströme dargestellt. Einpendler aus Tübingen, Reutlingen, Mössingen oder Rottweil und Tuttlingen sind zu vernachlässigen, weil deren Anzahl verschwindend gering ist.

Ins ferne München

Ein vollkommen anderes Bild ergibt sich für die Balinger Auspendler. Die zieht es in erster Linie ins zehn Kilometer entfernte Albstadt, auch Hechingen (779), Bisingen (480) und Rosenfeld (407) stehen hoch im Kurs. Dann kommen schon die allgemein für Berufstätige attraktiven Zentren Tübingen (342) und Stuttgart (320), Haigerloch, Geislingen, Dotternhausen und Meßstetten sind die Arbeitsstätten für jeweils etwa 280 Balinger.
Die Albstädter zieht es übrigens umgekehrt überwiegend nach Balingen zum Arbeiten (2760 Personen), erst mit großem Abstand folgt Meßstetten (571). Den Weg ins südöstlich gelegene Gammertingen nehmen jeden Tag 202 Berufspendler auf sich, nach Sigmaringen selbst fahren 388 Berufstätige.
Interessant ist ein Blick auf die Universitätsstadt Tübingen. Auch dort ziehen die meisten Pendler relativ kurze Wege vor, etwa nach Reutlingen, das gerade mal elf Kilometer entfernt liegt. Stuttgart, Rottenburg, Böblingen, Sindelfingen und Mössingen sind beliebte Tübinger Pendler-Destinationen. Doch immerhin beachtliche 365 Männer und Frauen fahren 190 Kilometer einfach, um zur Arbeit zu kommen, also dieselbe Strecke auch wieder zurück. Sie arbeiten in München.
Natürlich erfasst der Atlas nicht jede Bewegung, insofern sind darunter auch Wochenendpendler. Und zumindest nach München und Reutlingen werden manche auch mit der Bahn unterwegs sein, die für Tübinger weit attraktiver ist als für die Einwohner des Zollernalbkreises, wo das Auto nach wie vor wichtiger Bestandteil der Mobilität ist.

320

Pendler aus Balingen fahren jeden Morgen zur Arbeit nach Stuttgart. Das geht aus dem aktuellen Pendleratlas hervor. Die meisten Balinger Pendler fahren nach Albstadt.